Autonomer Verkehr

11. September 2018 09:16; Akt: 11.09.2018 09:56 Print

Dürfen wir künftig nicht mehr selber Auto fahren?

von Dieter Liechti - Autonomer Verkehr verhindert Staus: Das ist das Resultat einer neuen Analyse. Allerdings nur, wenn Menschen die Hand vom Lenkrad lassen.

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Die Studie Volvo 360c macht es vor: in der Zukunft des autonomen Verkehrs gibts nur noch Passagiere, keine Fahrer. (Bild: Volvo)

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Die Strategie- und Innovationsberatung Arthur D. Little veröffentlicht eine Analyse zum Strassenverkehr, in der eine klassische Verkehrssituation mit manuell gesteuerten Fahrzeugen, vollautomatisierten Autos sowie einem Mischverkehr verglichen wird. Abgeleitet wurde das Simulationsmodell hierfür aus dem realen Verkehrsfluss einer deutschen Bundesstrasse. Die Berater kommen zum Schluss, dass sich die Kapazität der Strasse in dieser Situation circa verzehnfachen liesse, wenn ausschliesslich autonome Fahrzeuge mit hierfür optimierten Verkehrsregeln zum Einsatz kämen.

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Radikale Änderungen

«Auch wenn es sich zunächst um eine Einzelerhebung handelt, verdeutlicht der sehr hohe Faktor 10, dass autonome Fahrzeuge das Potenzial haben, Verkehrsprobleme in Grossstädten erheblich zu reduzieren, wenn nicht gar zu eliminieren», schreiben die Experten. Voraussetzung wären allerdings radikale Änderungen wie beispielsweise das Verbot des «personellen» Fahrens mindestens in Stosszeiten oder auf Engpassstrecken sowie die Einführung von sogenannten Platoons, also «virtuellen Zügen».

Mit dem vollautonomen Fahrzeug gehen nicht nur grosse Erwartungen betreffend Komfort und Sicherheit einher, auch die Kapazität der bestehenden Strasseninfrastruktur könnte erheblich erhöht werden. Bei der Analyse stellten die Experten fest, dass im Schnitt in jeder Grünphase der Ampel 43 Fahrzeuge passieren. Beim Szenario mit ausschliesslich autonomen Fahrzeugen bei optimierten Verkehrsregeln und Platooning ergab die Simulation, dass mehr als 500 Autos – die allerdings nur noch maximal 3 Meter lang sein werden und Platooning nutzen – die Ampel passieren könnten. Die Kapazität der Strasse würde sich folglich mehr als verzehnfachen.

Aufgrund der Kommunikation der Fahrzeuge untereinander und fortschrittlicher Sensorik ist ein ausreichender Abstand bei nur einem Meter zwischen den Fahrzeugen gegeben. «Die Reaktionszeit der Fahrzeuge wäre dadurch minimal, wodurch die sich gegenseitig aufschaukelnden Verzögerungen beim Anfahren und Bremsen vermieden würden», heisst es weiter.

Mischverkehr fördert Staus

Weniger positiv ist hingegen die Erkenntnis der Experten, dass ein teilautomatisierter Verkehr, der je zur Hälfte aus manuell gesteuerten Autos sowie Roboterfahrzeugen besteht, die Kapazität der Strasse um rund 23 Prozent im Vergleich zu heute reduzieren würde. Das liegt vor allem am unterstellten strikten Einhalten der heutigen Verkehrsregeln durch die Roboter. «In vielen anderen Verkehrssituationen wie beispielsweise dem Linksabbiegen, das ein hohes Mass an Intuition und Forschheit verlangt, funktioniert das Zusammenspiel von Robotern und menschlichen Nutzern eher schlecht», warnen die Experten.

«Unser Modell gibt eine starke Indikation, dass ein Verkehr ohne Stau möglich ist – gerade auch in Innenstädten. Das Potenzial autonomer Fahrzeuge ist insbesondere für globale Megacitys enorm interessant und kann den Status quo deutlich verbessern», bestätigt Studienautor Dr. Klaus Schmitz: «Die Effekte kommen jedoch nur zum Tragen, wenn 100 Prozent der Fahrzeuge autonom bei geänderten Regeln unterwegs sind.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Klaus am 11.09.2018 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Alles kontrolliert von oben ?

    Da hätte ich aber starke Bedenken bezüglich der Sicherheit. Es gibt keine 100% sicheren Systeme diese wären immer angreifbar oder von hoher Stelle kontrollierbar. Wenn man politisch nicht korrekt ist, wird man gleich mittels "Unfalls" liquidiert, wie man ja anhand der bereits installierten Internetzensur sieht ist das nicht soweit hergeholt und durchaus realistisch. Es läuft alles in Richtung Komplettüberwachung und totaler Meinungsdiktatur, dies ist ein weiterer Baustein dazu.

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  • Notredame am 11.09.2018 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Genau um das geht es doch

    Die Staaten wollen die totale Kontrolle über die Bürger. Darum werden uns diese Selbstfahrenden Autos auch irgendwann aufgeschwatzt. Und irgendwann heisst es dann, Nein sorry Famile X, sie dürfen Heute nicht dort durchfahren oder Heute gar nicht fahren etc.

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  • Hunter am 11.09.2018 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Gib Drängler keine Chance

    Ist ja klar, dass der Mensch für Staus verantwortlich ist. Blinken, Spur wechsel "der hintere wird schon schauen"Mentalität. ...oder... Stau? nicht mit mir! Ich fahre jetzt durch die Autobahnraststätte und drücke irgendwo wieder rein, Einer wird mich schon reinlassen. Diese 10 % der Autofahrer sind für 70 % der Staus verantwortlich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Durcaell am 19.09.2018 23:47 Report Diesen Beitrag melden

    Selbst mal nachdenken....

    Wieviel Rechnenleistung steht uns heute weltweit zur Verfügung? Genau: Das entspricht vielleicht 100 Gehirnen. Von mir aus 1000 oder sogar 5000. Egal. Frage: Wieviel kognitive Leistung bleibt dann anteilig für einen Computer im Auto zum autonomen fahren übrig? Antwort: So gut wie nichts. Wahrscheinlich weniger das Intelligenzniveau einer Makrele. Leute, last Euch nicht immer durch das Marketing Geschwafel einiger Startups oder Firmen die damit Geld machen wollen blenden. Denkt selbst! Ueber sicheres autonomes fahren (Level 5) können wir uns vielleicht in 50 Jahre erste Gedanken machen.

  • Mrswiss am 15.09.2018 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blech-Spielzeug vs Intelligenz

    Es ist ja allgegenwärtig, dass das Auto kein Statussymbol mehr ist. Das Auto ist bloß ein Haufen Blech, der zusammen geflickt ist, an dem sich viele erfreuen und Menschen von A nach B bringen. Whau. Echt Intelligentes und hochstehendes Spielzeug! Findet ihr nicht etwas intelligenteres resp. ist der IQ sooo tief gefallen oder war nie höher gewesen?

  • Alfred A. am 12.09.2018 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    Man könnte auch anders fragen

    Wann endlich hört die Autotechnik auf, uns die Zeit zu stehlen indem sie ständig unsere volle Aufmerksamkeit heischt?

  • Ruedi am 12.09.2018 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    Was heisst "dürfen"..?

    Ich finde autofahren eine unenedliche Qual und wäre froh wenn mir das abgenommen würde. Und an all die Benzinhirne hier; ja ich fahre ÖV so viel es geht, die sind leider nicht, wie in zivilisierten Orten wie London, Paris oder sogar Prag, 24 Stunden in Betrieb. Mit automatisierten / KI gesteuerten Fahrzeugen wird der Verkehr um einiges angenehmer, da gibt es nichts kaputt zu reden. Logischerweise nicht ab Tag 1, aber hat denn das 1. Auto ab tag 1 reibungslos funktioniert..?

  • Duderino am 12.09.2018 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Denkfehler

    Schöner denkfehler in der Analyse. Klar, wenn alle Autos neu sind und autonom fahren können, dann bringt es was, aber die Sensoren werden irgendwann älter oder das Auto stürzt wie jeder Computer mal ab. Und dann kann keiner mehr Autofahren und das auto am Strassenrand abstellen öder ähnlich. Auch frage ich mich, wie die Autos schnee von einer durchgezogenen weissen Linie unterscheiden können sollen. Aber theoretisch wäre es sicher 100x besser ...

    • Rick am 12.09.2018 15:31 Report Diesen Beitrag melden

      Rundumsysteme

      Zum einen gibt es GPS, dann gibt es momentan in Schweden einen Versuch wo ein ganzes Dorf via in den Strassen verbauten Leitsystemen automatisch fährt. Gibt ja nicht nur optische Leitsysteme, aber was die Erkennungsqualität betrifft ist Schnee vs eine weisse Linie kein Thema da Farbton, Konsistenz und "Verhalten" erkannt werden Nicht nur in der Theorie funktioniert es super, sondern auch in der Praxis. Wären da nur nicht die Ewiggestrigen die ihre Freiheit zu rasen, drängeln und sich nicht an Regeln zu halten in Gefahr sehen.

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