Elektromobilität

05. Januar 2020 12:00; Akt: 05.01.2020 12:38 Print

So will Volkswagen Tesla vom E-Thron stossen

von Dieter Liechti - Mit der elektrischen ID-Familie will Volkswagen in den kommenden Jahren zum «Weltmarktführer in der E-Mobilität» werden.

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Noch bevor das erste Serienfahrzeug der elektrischen ID-Familie von Volkswagen im Sommer auf die Strasse rollt, haben die Wolfsburger die Prognose für die Produktion von E-Autos angehoben. Die strategische Zielmarke von einer Million E-Autos soll laut neusten Planungen bereits Ende 2023 statt 2025 erreicht werden. «2020 wird ein Schlüsseljahr für die Transformation von Volkswagen», bekräftigt Thomas Ulbrich, Vorstand E-Mobilität der Marke. «Mit dem Marktstart des ID.3 wird unsere E-Offensive auch auf der Strasse sichtbar.»

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Der ID.3 basiert auf dem Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB) von Volkswagen und bietet Reichweiten von 330 bis 550 Kilometern (WLTP). Die Basisversion des Modells wird um die 32'000 Franken kosten und bislang haben mehr als 37’000 Kunden den ID.3 reserviert und als Frühbucher eine Anzahlung geleistet. Gefertigt wird das Fahrzeug im Werk Zwickau, wo ab 2021 bis zu 330’000 E-Fahrzeuge pro Jahr vom Band laufen. Zwickau wird damit zum grössten und leistungsfähigsten E-Auto-Werk Europas. Auch international laufen die Vorbereitungen zum Anlauf der ID. Familie in China und den USA auf Hochtouren, im chinesischen Werk Anting hat bereits die Vorproduktion begonnen.

50 Milliarden Euro in die Entwicklung neuer Fahrzeuge

Höchste Zeit. Denn Volkswagen will beim Elektroboom nicht nur mitmachen, sondern, laut eigenen Angaben, «in den kommenden Jahren zum Weltmarktführer in der E-Mobilität werden». Und damit US-Pionier Tesla von Platz 1 verdrängen. Dafür investiert Volkswagen bis 2024 konzernweit 33 Milliarden Euro, 11 Milliarden in der Marke VW. Das ist viel, aber kein Novum: Schon Ende 2012 bestätigte der Konzern unter der damaligen Leitung von Martin Winterkorn, in den folgenden drei Jahren 50,2 Milliarden Euro in die Entwicklung neuer Fahrzeuge, die Effizienzsteigerung in der Produktion und den Bau neuer Werke zu stecken. Mit dem klaren Ziel: Die weltweite Nummer 1 zu werden. Das hat, trotz Dieselskandal, geklappt.

Auto-Wissenschafter Ferdinand Dudenhöffer ist überzeugt, dass die Wolfsburger auch das neustes Ziel erreichen werden und Tesla bei den Stromern überholen. «Mit Audi und Porsche im Premiumsegment und den Volumenmarken VW, Seat und Skoda ist man breit aufgestellt. Also wird der VW-Konzern Tesla überholen», erklärt der Professor am Center Automotive Research der Uni Duisburg-Essen. «Die einzige Frage ist der Zeitpunkt.»

Volkswagen setzt bei der E-Offensive auf einen ganzheitlichen Ansatz und hat eine Reihe von strategischen Geschäftsfeldern besetzt. Mit dem Tochterunternehmen Elli treibt VW den Aufbau der Ladeinfrastruktur voran und gemeinsam mit seinen Händlern bauen die Wolfsburger auch eigene Ladepunkte auf – bis 2025 sollen 36’000 neue Ladepunkte in ganz Europa entstehen.

«VW schickt die Ladesäule zum Auto»

Weiter in die Zukunft blickt VW mit dem Laderoboter: Gestartet via App oder steuert dieser eigenständig das zu ladende Fahrzeug an und kommuniziert mit diesem. Vom Öffnen der Ladeklappe, über das Anschliessen des Steckers bis hin zum Entkoppeln – der gesamte Ladevorgang verläuft ohne jegliche menschliche Beteiligung. «Der Laderoboter kann eine Revolution beim Laden in Parkhäusern, auf Parkplätzen oder in Tiefgaragen auslösen», bestätigt Mark Möller, Entwicklungschef der Volkswagen Group Components. «Es ist eine visionäre Studie, die aber durchaus schnell Realität werden kann.»

Bereits umgesetzt worden ist zudem die Öffnung des Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB) für andere Hersteller. Als eine der ersten Marken wird Ford den MEB von Volkswagen nutzen. Obwohl die Amerikaner erst vor kurzem den E-SUV Mustang Mach-E auf eigener Elektro-Basis enthüllt haben, will das Unternehmen ab 2023 ein MEB-Fahrzeug in Europa anbieten und rechnet mit mehr als 600’000 verkauften Fahrzeugen innerhalb von sechs Jahren. Aber auch bei den Batteriezellen hat Volkswagen Weichen gestellt: Ab 2020 soll in Salzgitter eine 16-Gigawattstunden-Batteriezellfabrik entstehen, zudem haben die Wolfsburger ein Joint-Venture mit dem schwedischen Batteriehersteller Northvolt gegründet.

«Winterkorn war ein reiner Machtmensch»

«VW ist unter den klassischen Autobauern derjenige, der am konsequentesten auf das E-Autos setzt. Und das wird sich auszahlen», ist Dudenhöffer überzeugt. Für ihn ist auch klar, dass dieser Wandel viel mit dem neuen VW-Chef Herbert Diess zu tun hat. «Während Winterkorn beispielsweise ein reiner Machtmensch war, der mit Autorität, Arroganz und Besserwisserei als Absolutist geherrscht hat, stellt sich Diess den aktuellen Fragen. Er reagiert sehr intelligent und treibt neue Technologien mit Elan voran.»

Digitalisierung

Der Volkswagen Konzern baut seine Kompetenzen in Zukunftsfeldern wie Digitalisierung, Software-Entwicklung, Elektrifizierung und Connectivity mit hohem Tempo aus. 2020 stellt der Konzern mit seinen Marken allein in Deutschland rund 2500 Experten neu ein. Zusätzlich bildet Volkswagen in seiner konzerneigenen Fakultät Hunderte von Softwareentwicklern aus. «Der VW Konzern bietet IT-Experten beste Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten», so Personalvorstand Gunnar Kilian: «Schon heute arbeiten allein in unserer IT weltweit rund 12’000 Beschäftigte – unter anderem Softwareentwickler, UX-Designer, Cloud-Architekten und Experten für Künstliche Intelligenz.» lie

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • EV-Driver am 05.01.2020 15:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ID.3 ein Schuss in den Ofen

    Verstehe nicht, wie man sich einen ID 3 1. Edition nur kaufen kann? Das Ding kostet 54'000 CHF und ist grundsätzlich in allen Belangen schlechter als ein Model 3 AWD. Ladegeschwindigkeit DC beim ID: 100 kWh Ladegeschwindigkeit DC beim Model 3: 190 - 250 kWh Reichweite und Verbrauch klar besser beim Model 3 Antrieb bei Tesla als Allrad erhältlich, ID nur Heck Autopilot und Software wird sicherlich auch besser sein bei Tesla. Bevor ich einen ID bestellen würde, würde ich einen Hyundai Ioniq nehmen. Facelift oder Vorfacelift, sicher besser als aus der Schummelfraktion.

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  • Luli am 05.01.2020 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    Je wenigsten....

    können die mit den E-Autos keinen Abgasskandal mehr produzieren.

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  • El loco am 05.01.2020 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    Wasserstoff...

    Die Deutschen als Verlierer des Jahrhunderts. Kein Mensch hat Interesse Autos mit 2 Jahren Garantie zu kaufen von Gaunern und Betrügern der VW und Audi Werke. Das ist amtlich bestätigt. Also nimmt man Japaner.. Koreaner und Chinesen mit mind 3 bis 8 Jahren Garantie ohne Einschränkung.. Erstklassiger Ausstattung und Qualiätä ist da eh kein Thema. Kapiert? Deutsche Ihr seid raus..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • King of Brugg am 10.01.2020 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Alles egal...

    Die Chinesen gehen jetzt schon Richtung Wasserstoff... wenn die mal das flächendeckend eingeführt haben, ist das E-Mobil tot.

    • Sony am 10.01.2020 09:00 Report Diesen Beitrag melden

      @King of Brugg

      Auch wasserstoffbetriebene Fahrzeuge fahren elektrisch, bzw. sind E-Autos. Der Strom wird einfach aus dem Wasserstoff gewonnen und fliesst in den E-Motor, anstelle von grossen Akkus.

    • Hermann am 10.01.2020 15:29 Report Diesen Beitrag melden

      Wasserstoff ist Blödsinn

      nur dass man mit H2 drei mal soviel Strom braucht.

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  • Der Umdenker am 10.01.2020 02:35 Report Diesen Beitrag melden

    Es wird wohl so hinauslaufen....

    Klar werden wir viele VW E-Fahrzeuge sehen, ist aber kein Wunder bei den vielen Händlern, welche VW und Co. haben. Da muss jeder Händler wohl erstmal 10 Fahrzeuge ordern um schnell auf grosse Stückzahlen zu kommen. Dann wird noch etwas (Lügen)-Werbung dazukommen. Ich sehe noch die Schlagzeilen, wie sie gegen Tesla im 2019 geworben haben, obwohl der VW ID3 noch über 1 Jahr vom Verkauf weg war.

  • Elon Musk am 08.01.2020 08:04 Report Diesen Beitrag melden

    Lustiges PR

    rund 30'000 id.3 stehen auf der Halde weil die Software nicht funktioniert. Und schon träumen die Tesla vom Thron zu stossen. Irgendwie witziger lustiger Gedanke. Der Lade robot hat sicher nicht mehr als 20 KW Kapazität, und muss anschliessend wieder für 5h an die Steckdose. Es bleibt wohl bei Aufmerksamkeit suchen.

  • Achmed Lachned am 06.01.2020 20:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Infrastruktur

    Wie soll VW denn Tesla vom Thron jagen? In Deutschland hat es heutztage mehr Tesla Zapfsäulen als VWs auf der Strasse.

    • Rainer Keller am 07.01.2020 09:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Achmed Lachned

      Da liegst Du aber ziemlich daneben. Die Anzahl der Tesla Ladestationen liegt in Deutschland bei unter 1000. Die Zahl der zugelassenen VWs liegt in Deutschland bei 10 Millionen.

    • Hermann am 10.01.2020 15:36 Report Diesen Beitrag melden

      @Achmed Lachned

      Der VW-Konzern produziert in einem einzigen Monat mehr Autos als Tesla während seiner gesamten Existenz. In 5 Jahren redet kein Mensch mehr von Tesla.

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  • nebulös am 06.01.2020 12:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Entweder oder" ist kein Konzept

    Welcher Hersteller letztlich die Nase vorne haben wird ist unerheblich. Es ist erfreulich dass nun so viele verschiedene Konzepte nicht nur belächelt sondern verfolgt werden. Der Markenübergreifende Lernprozess wird zeigen, welche Konzepte alltagstauglich sind und dann wird darwinistisch einiges aussterben. Perfekt!

    • Anduin am 07.01.2020 10:55 Report Diesen Beitrag melden

      @nebulös

      Wir sind Zeuge einer spannenden Zeit - das letzte Aufbäumen einer 100 Jahre alten Verbrenner Industrie, die gerade anfängt in sich zusammenzufallen. Es ist wie Nokia als das iPhone auf den Markt kam.

    • nebulös am 07.01.2020 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Anduin

      .... ich zweifle noch daran dass der Verbrenner Vergangenheit ist. Denn neueste Untersuchungen zeigen dass EURO 6 Diesel mit dem Partikelfilter letztlich bessere Luft ausstossen als die, die angesaugt wird!!! So Absurd es klingt, ..... Test auf der Strasse und Prüfstand.

    • andi am 12.01.2020 00:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @nebulös

      Dann solltest du dein Wohnzimmer mit den Abgasen belüften.

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