Post-Ferienärger

03. September 2019 18:41; Akt: 03.09.2019 18:41 Print

Werfen Sie Ferienbussen auf gar keinen Fall weg!

Verkehrsübertretungen im Ausland werden immer teurer. Die Nachverfolgung ist zudem heute so konsequent, dass man besser zahlt, statt sich darum foutiert.

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Unschöne Ferienerinnerungen: Verkehrsbussen aus dem Ausland treffen in diesen Tagen wieder besonders häufig in Schweizer Haushalten ein. Ganz schön teuer: Übertretungen im Strassenverkehr im Ausland sind in den letzten Jahren deutlich teurer geworden. Zudem werden sie konsequenter geahndet. In Italien etwa drohen hohe Mahngebühren. Bussen von ausländischen Behörden sollten bezahlt werden, denn bei Nichtbezahlung müssen in der Schweiz wohnhafte Lenker mit Massnahmen rechnen. Etwa mit dem Eintrag ins Fahndungssystem oder mit einer Einreiseverweigerung. Mit vielen Ländern gibt es heute Abkommen. Die Schweiz und Frankreich etwa haben eines unterzeichnet, das die Gesetzgebung des Strassenverkehrs umfasst. Beispielsweise Zuwiderhandlungen wie das Überschreiten der zulässigen Parkzeit oder die Höchstgeschwindigkeit. Andere Länder, andere Regeln. Bei den Tempolimiten ist die Situation einigermassen übersichtlich. Allerdings sind die Bussen sehr unterschiedlich. Besonders teuer wird es bei einer Übertretung etwa in Norwegen. Noch drastischer sind die Strafen für Fahren in angetrunkenem Zustand. Vor allem in England versteht man da überhaupt keinen Spass. Auch hier ist Vorsicht geboten: Einige europäische Gemeinden übertragen das Eintreiben von Bussen an Inkassobüros. Die Einforderung einer Busse durch ein ausländisches Inkassobüro ist aber gar nicht erlaubt. Auslandsbussen kommen von offizieller Stelle. Sollte an der Echtheit der aus dem Ausland zugeschickten Rechnung gezweifelt werden, kann man sich an die offizielle Adresse der betreffenden ausländischen Polizei wenden. Oder je nach Absender an die entsprechende Gemeinde, Stadtverwaltung oder an die mit der Bussenverteilung beauftragte Institution.

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Haben Sie in den letzten Tagen Post aus dem Ausland erhalten? Keine Sorge, Sie sind nicht allein. Auslandbussen gehören zu den unschönen, aber häufigen Ferienandenken. Unschön vor allem, weil sich das Strafmass in vielen Ländern drastisch verschärft hat.

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So sind die Zeiten, in denen man für massive Geschwindigkeitsübertretungen mit minimen Bussen bestraft wurde, vorbei. Heute muss man für 20 km/h ausserorts zu viel in Norwegen beispielsweise über 430 Euro zahlen. In Schweden über 270 Euro, in Italien 170 Euro und in Frankreich 135 Euro.

Überall hohe Bussen

Selbst simple Vergehen wie Falschparken sind teuer geworden. In Spanien etwa können bis zu 200 Euro fällig werden. Gröbere Vergehen wie Missachtung eines Rotlichtsignals oder das Nichttragen der Sicherheitsgurte gehen vor allem in Grossbritannien ins Geld: Bis zu 1200 respektive 600 Euro muss man dafür bezahlen. Und bei Fahren unter Alkoholeinfluss verstehen nicht nur die Engländer längst keinen Spass mehr: Mit über 0,8 Promille werden dort mittlere vierstellige Beträge fällig.

In der Slowakei, in Tschechien und in Ungarn gelten zudem null Promille. Wer dagegen verstösst, muss in Ungarn mit einer Busse von bis zu 970 Euro rechnen. Auch das Telefonieren ohne Fernsprechanlage kann im Ausland ans Portemonnaie gehen. Kommt dazu, dass viele Länder einige Vorschriften besonders gern kontrollieren. Etwa den nicht angebrachten CH-Kleber in Italien, der einem bis zu 335 Euro kosten kann.

Wegwerfen ist keine gute Idee

Was aber soll man tun, wenn man Post aus dem Ausland erhält? Klar ist: Wegwerfen, wie das früher oft gemacht wurde, ist heute eine schlechte Idee. Rechtsexpertin Olivia Solari vom AGVS warnt: «Bussen von ausländischen Behörden sollten bezahlt werden, denn bei Nichtbezahlung müssen Lenker mit Massnahmen rechnen. Etwa mit dem Eintrag ins Fahndungssystem, mit einer Einreiseverweigerung oder hohen Mahngebühren.» Bei einem weiteren Aufenthalt im Land könne das Fahrzeug bis zur Bezahlung der Busse beschlagnahmt werden. Und: «Möglich ist sogar eine ein- oder mehrtägige Haft.»

Speziell bei Post aus Italien sollte man sich beeilen: «Bussen aus Italien sollten fristgerecht bezahlt werden, denn es werden sehr hohe Mahngebühren verhängt», sagt Solari. Es gibt kein Abkommen zwischen Italien und der Schweiz, das die Handhabung von Bussen regelt. Mit Frankreich hingegen hat die Schweiz ein Abkommen unterzeichnet, das die Gesetzgebung des Strassenverkehrs umfasst. Beide Länder leisten Vollstreckungshilfe. Das heisst, die Busse aus Frankreich wird von Schweizer Behörden eingetrieben und umgekehrt. Auch mit vielen anderen Ländern gibt es Abkommen.

Vorsicht bei Inkassobüros

Vorsicht ist allerdings geboten, wenn man Zweifel betreffend der Echtheit der Busse hat. «Nicht bezahlen solle man aber per Post zugestellte Bussenbescheide, wenn kein offizielles Dokument beigelegt ist», sagt Solari. Und: Einige europäische Gemeinden übertragen das Eintreiben von Bussen an Inkassobüros. Doch die Einforderung einer Busse durch ein ausländisches Inkassobüro ist nicht erlaubt.

Sollte an der Echtheit der Rechnung gezweifelt werden, kann man sich an die offizielle Adresse der betreffenden ausländischen Polizei wenden, rät Solari. Und was soll man tun, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt? «Bekommt man eine Rechnung, sollte man sich schriftlich wehren und die fehlenden Unterlagen einfordern. Das macht vor allem dann Sinn, wenn man nichts vom behaupteten Verstoss gegen die Verkehrsregeln weiss.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sepp1 am 03.09.2019 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Wie nun ?

    Wenn zwischen Italien und CH kein Abkommen besteht und das eintreiben von italienischen Bussen in CH durch italienische Eintreiber verboten ist, dann braucht man die Busse ja technisch gesehen nicht bezahlen, sofern man nicht nächstens wieder dort hin gehen will. Sagt es doch einfach wie es ist.

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  • rene am 03.09.2019 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einseitige Haftung

    Alle haben entdeckt dass man damit viel Geld machen kann. Es wäre an der Zeit dass auch der umgekehrte Weg eingefordert wird. Damit meine ich dass der Staat haftet wenn aufgrund der katastrophalen Planung Staus entstehen. Wird sonst ja auch überall gefordert. SBB und Airlines müssen auch für Verspätungen haften.

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  • Cavi33 am 03.09.2019 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles halb so wild

    Es gibt noch eine andere Lösung um Bussen zu vermeiden, einfach an die im Land herrschenden Verkehrsregeln halten. Wenn's halt mal ein Busse gibt dann bezahlen ist meistens am günstigsten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ;-) am 04.09.2019 23:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Busse surprise

    Statt wegwerfen besser einrahmen und dann im nächsten Jahr zu den Erdbeeren servieren?

  • Normalo am 04.09.2019 22:27 Report Diesen Beitrag melden

    @rene

    Find ich gut. Evtl. ist es an der Zeit eine neue Partei zu Gründen, die extreme Mitte, welche sich primär um die Mittelschicht kümmert und der Ausbeuterei den Riegel schiebt. Meine Stimme ist sicher.

  • Speed-Fritz am 04.09.2019 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Big bounce

    ++ Der Weg geht unaufhaltsam zur batterieelektrischen Mobilität und das recht zügig. Da wird es bald zu Beschleunigungsbussen kommen ;-) ++++

  • Blattman am 04.09.2019 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Also bitte

    Also ist es Norm, dass Schweizer ihre Bussen im Ausland nicht bezahlen, wegen... einfach so? Und jetzt soll nun besser gezahlt werden, huch...

  • Für was ein CH-Kleber, braucht niemand am 04.09.2019 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Marco

    Ich als Italiener mit CH Nummern, hatte nie ein CH Kleber am Auto ! Ich gehe mehrmals im Jahr nach Italien und habe noch nie sowas unschönes an meinem Auto geklebt ! Hatte nie Probleme auch als ich mal in eine Kontrolle kam ohne Kleber. Das hat niemanden interessiert ! :-)

    • S1000RR am 04.09.2019 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Für was ein CH-Kleber

      Gibt z.B im Do-It einen mit Magnet für ca. 5.- Kannst du Problemlos anbringen und wegnehmen nach Lust und Laune ;)

    • Oberschlauer am 04.09.2019 23:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @S1000RR

      Und ist dann immer nicht dran, wenn er dran sein sollte.

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