Versicherungen

13. September 2019 20:51; Akt: 13.09.2019 20:51 Print

Wer gut Auto fährt, zahlt weniger

Lange Verträge, unflexible Modelle – das war gestern. Heute müssen Versicherer neue Wege gehen, um attraktiv zu bleiben. Im Trend: Man zahlt, wie man fährt.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Wandel in der Mobilität hat nicht nur Auswirkungen auf die Autoindustrie. Auch das Versicherungsgeschäft gerät zunehmend unter Druck. Wie Analysten der US-Bank Morgan Stanley berechnet haben, sollen die Mega-Trends der Branche wie Sharing, Digitalisierung oder Autonomes Fahren die Prämien bis ins Jahr 2030 je nach Entwicklung zwischen 20 und 60 Prozent sinken lassen.

Umfrage
Sind Sie zufrieden mit Ihrer Autoversicherung?

Erste Auswirkungen sind bereits spürbar. Wie der Vergleichsdienst Comparis unlängst vermeldet hat, sind die Prämien in der Schweiz allein 2018 gegenüber dem Vorjahr um durchschnittlich 11 Prozent gesunken. Grösster Treiber ist dabei die Digitalisierung. Sie hat neue Konkurrenten auf den Plan gerufen, die mit neuen Modellen bestehende Strukturen unter Druck setzen.

PHYD vs. PAYD

Neben flexibleren Bezahl- und Vertragsmodellen liegen Angebote im Trend, die den Fahrstil analysieren und – bei entsprechender Fahrweise – Rabatte gewähren. Anders formuliert: Wer gut fährt, zahlt weniger. Oder auch: Wer wenig fährt, zahlt weniger. Tatsächlich muss man zwischen «Pay as you drive» (PAYD) und «Pay how you drive» (PHYD) unterscheiden. PAYD bezieht sich auf die Anzahl gefahrene Kilometer. Bei PHYD werden dagegen weitere Faktoren gemessen. So werden je nach Angebot Beschleunigungs-, Kurven- oder Bremsverhalten wie auch Geschwindigkeit und Ruhepausen analysiert.

Bei PHYD wird die Prämienhöhe also anhand des Fahrstils errechnet. Konkret trackt dabei ein Aufnahmegerät das Fahrverhalten des Versicherten. So werden die gefahrenen Kilometer und Fahrweise dokumentiert, und zur Auswertung an die Versicherung übermittelt. Bei «gutem» Fahrverhalten erhält der Versicherte eine Prämienvergünstigung. Doch auch «schlechtes» Fahren wird nicht unbedingt bestraft. Denn: «In den meisten Fällen gibts bereits eine Vergünstigung, wenn das Fahrdaten-Aufnahmegerät verwendet wird», sagt Expertin Andrea Auer von Comparis.

Fragen um Datensicherheit

Bei PHYD werden dafür im Gegensatz zu «Crash Recordern», die lediglich einen Unfallhergang aufzeichnen, alle Daten gespeichert. Während Krankenkassen ihren Kunden eine Prämienverbilligung anbieten, wenn diese Daten aus dem Fitnesstracker zur Verfügung stellen, bieten nun auch Autoversicherer entsprechende Modelle an. In der Schweiz sind das Dextra in Zusammenarbeit mit Kasko2go (PAYD und PHYD) sowie mit Auto Sense (PAYD). Auch Die Mobiliar (PHYD), Baloise und Vaudoise bieten PHYD an, Axa ein Modell mit Crash Recorder.

Die Vorteile sind offensichtlich. Zum einen kann man Prämien sparen, gleichzeitig ermuntert einen das System zu einer vernünftigen Fahrweise. Bei Kasko2go etwa können besonders «gute» Fahrerinnen mit einer Verbilligung zwischen 10 und 20 Prozent rechnen. Zudem sind die neuen Modelle fairer. Denn bisherige Autoversicherungen teilen ihre Kunden in Risikogruppen ein – mit der Folge, dass man je nach Alter, Geschlecht, Kanton oder sogar Nationalität unterschiedliche Prämien zahlt. Bei PHYD entscheidet der Tracker.

Alles eitel Sonnenschein also in der schönen neuen Versicherungswelt? Nicht ganz. Denn nur wer sich überwachen lässt, erhält Rabatt. Das Zahlen mit Daten liegt im Trend, gleichzeitig wächst die Skepsis um die Datensicherheit. Man brauche die Daten jedoch nur zum Berechnen des Fahrstils und gebe sie «unter keinen Umständen an Dritte weiter», versicherte Kasko2go-COO Dimitri Wulich bei SRF. Und auch Andrea Auer von Comparis beschwichtigt: «Soweit wir es beurteilen können, ist der Datenschutz bei diesen Versicherungsmodellen gewährleistet».

(srt)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ameliore am 13.09.2019 21:00 Report Diesen Beitrag melden

    So ein Spion

    kommt nicht unter die Motorhaube. Zahle lieber eine normale Prämie, ohne ständig überwacht zu werden.

    einklappen einklappen
  • Captain Hindsight am 13.09.2019 21:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und ich dachte immer ...

    ... es seien die Unfallfreien Autofahrer, welche bei den Prämien sparen. Nicht die guten.

    einklappen einklappen
  • Deutscher am 13.09.2019 21:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer gut fährt zahlt weniger

    Da müsste ich ja noch Geld rausbekommen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Streusalz am 14.09.2019 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicher ?

    Ich fahre Seit 22 Jahren unfallfrei. Und zahle immer gleichviel . Komisch.

  • max berringer am 14.09.2019 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gutes Einvernehmen?

    meine Firma und sämtliche Versicherungs Angelegenheiten sind samt und sonders bei der gleichen Versicherung. sollte Der nun einfallen mich als Versuchskarnickel zu missbrauchen dürfte die vollständige Kündigung meinerseits , für diese Agentur ein empfindlicher tiefschlag sein.

  • Alfred A. am 14.09.2019 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    Muss mich mal informieren

    Wenn man tatsächlich 10-20% Versicherungsprämie einsparen könnte, ist es zumindest eine Überlegung wert, sich so einen Tracker einbauen zu lassen. Läuft nämlich mein Handy während eier Fahrt weiss eh alle welt wann ich wo wie schnell unterwegs war und kann damit meinen Fahrstil ermitteln.

  • Max am 14.09.2019 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Von wegen..

    Nein, es kommt immer noch auf den Pass darauf an... Egal ob einer gut oder schlecht fahrt..

  • Uwe Hintersinig am 14.09.2019 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    Kontrolle

    Absolut Top. Ich bin dafür, dann bekomme ich Geld von der Versicherung da ich kein Auto Habe.