E-Volvo

12. März 2020 14:01; Akt: 11.03.2020 19:33 Print

Wird Polestar 2 zur Nummer 1?

von Christina Kunkel - Teslas Model 3 ist die klare Nummer 1 der Elektroautos in der Schweiz. Doch mit dem Polestar 2 rollt Ende Jahr ein ernsthafter Konkurrent in die Schweiz

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Es tut sich was, auf der «Electric Avenue»: Neben vielen elektrischen Kleinwagen dürfte wohl der VW ID.3 zumindest in der Golfklasse neue Massstäbe setzen. Doch die typische Mittelklasse ist noch immer mit Diesel- oder Benzinmotor oder bestenfalls mit einem Plug-in-Hybridantrieb unterwegs. Doch zu einem vergleichbaren Preis kann man ab Ende Jahr auch vollelektrisch unterwegs sein – mit dem Polestar 2. Aber lohnt sich der Umstieg auf den schwedisch-chinesischen Stromer oder bleibt Tesla doch weiter das Mass aller Dinge?

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Ab 57 900 Franken bietet der Polestar 2 Allradantrieb, eine 78-kWh-Batterie, die den Wagen in 4,7 Sekunden von null auf hundert bringt und nach WLTP-Standard eine Reichweite von 470 Kilometern hat. Im reinen Stadtbetrieb sollen durch die Energierückgewinnung beim Bremsen sogar bis zu 560 Kilometer möglich sein.

Testrunde in Schweden

Bei der Testrunde im schwedischen Hällered rollt der Polestar 2 zunächst über eine Schlaglochpiste. Kanaldeckel, Senken, Risse in der Fahrbahn – obwohl das Elektroauto naturgemäss kein Motorgeräusch von sich gibt, hört man im Innern des Fahrzeugs nichts. Kein Knarzen, Rattern, Quietschen. Im Hällered-Testcenter haben sie die Originalbeläge von Strassen aus der ganzen Welt nachgebaut. Ein echter Härtetest auf etwa fünf Kilometern über schottische Ruckelpisten und deutschen Waschbeton – der Stromer schluckt jede Unebenheit mit Bravour. Kein Querversetzen, kein Ausbrechen.

Natürlich kann die Volvo-Tochter ihre Herkunft nicht verleugnen. Polestar war einst die Motorsportabteilung der Schweden. Erst 2017 wurde daraus eine eigene Marke, unter der die ersten Elektroautos des Konzerns entstehen sollten. Das alles geschah mit dem Segen von Geely, dem chinesischen Mutterkonzern von Volvo. So basiert der Polestar 2 auch auf der Elektroarchitektur von Geely, gebaut wird der Wagen bis auf weiteres nur in China. Dennoch soll der Polestar auf der einen Seite seine sportlichen Gene behalten, aber auf der anderen Seite möglichst alltagstauglich sein.

Tatsächlich deckt die Limousine die Bedürfnisse vieler Autofahrer ab. Vier Personen können auch auf Langstrecken bequem reisen, nur bei fünf Erwachsenen wird es auf Dauer eng. Was der Polestar definitiv nicht ist: Ein Stauraumwunder. Die beiden Kofferräume vorne und hinten fassen zusammen 440 Liter, das schräg abfallende Heck verhindert, dass man höhere Gegenstände unterbringen kann. Dafür hat der Polestar 2 eine Anhängerkupplung an Bord, mit der man bis zu 1500 Kilo ziehen kann.

Ein Polestar, kein Volvo

Zur Alltagstauglichkeit eines Elektroautos zählt in erster Linie die Frage nach Reichweite und Ladeoptionen. Nach der Testfahrt auf dem Volvo-Gelände kann man keine Aussage zum realen Stromverbrauch treffen (laut Hersteller 19,3 kWh), da es dort in erster Linie um das Fahrverhalten und das Interieur des Autos ging. Polestar gibt an, dass der Wagen mit bis zu 150 kW geladen werden kann, in etwa vierzig Minuten soll der Akku zu 80 Prozent gefüllt sein. Das können wenige Modelle schneller, zum Beispiel Teslas Model 3 (bis zu 250 kW) oder der Porsche Taycan (270 kW).

Ein entscheidender Unterschied zu den Mitbewerbern steckt beim Polestar tief unter dem Blech. Als erstes Fahrzeug wird der Stromer mit dem Betriebssystem Android Automotive ausgeliefert. Im Polestar 2 schlägt also ein Software-Herz von Google. Über einen personalisierten Google-Account ist das Auto komplett eingebunden in alles, was der Nutzer sonst an Diensten des Techkonzerns nutzt. Man kann Apps aus dem Playstore herunterladen, Google Maps kennt den Ladestand der Batterie und berücksichtigt bei der Routenplanung direkt mögliche Ladestopps. Wenn die Ladesäule diese Funktion unterstützt, wird auch angezeigt, ob die Stromtankstelle frei ist. Wer sein Zuhause mit Google Home vernetzt hat, kann per Spracheingabe aus dem Wohnzimmer bestimmte Autofunktionen bedienen. Aber auch den Polestar kann man fahren, ohne vor Google alles preiszugeben, doch dann gehen ein paar Annehmlichkeiten verloren.

Um den Tesla-Vergleich noch ein bisschen zu strapazieren: Im Polestar ist die Bedienung cleverer gelöst, weil sie einfach nicht so radikal ist. Wo es sinnvoll ist, gibt es bei den Schweden noch ein paar Knöpfe und auch das digitale Cockpit hinter dem Lenkrad ist praktischer als die komplett auf den mittigen Touchscreen ausgerichtete Steuerung im Model 3. Zwar ist Tesla in Sachen Verarbeitung und Materialanmutung schon längst viel besser als manche Traditionalisten es gerne unterstellen, doch auch hier ist der Polestar noch einmal ein gutes Stück voraus.

Ein wenig unvernünftig durften die Polestar-Entwickler dann doch sein. Auf dem Hochgeschwindigkeitsoval warf Chef-Ingenieur Joakim Rydholm den Stromer in die Steilkurve. 150, 180, 215 zeigte der Tacho. Moment, wollte Volvo nicht alle seine Autos zukünftig bei 180 km/h abriegeln? Rydholm grinste und sagte trocken: «It's not a Volvo. It's a Polestar.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Troublebloger am 12.03.2020 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Desing

    Hut ab. Für mich das erste Baterie betriebene Auto mit einem schönen Desing.

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  • NEX am 12.03.2020 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lieber ein Polestar oder ein Model 3 als ein VW

    Nur mal so als Vergleich. Die First Edition des ID.3 (54'000Fr kostet fast gleich viel wie ein Model 3 Long Range (54'990Fr) und das als kleiner Kompaktwagen! Für ein paar tausender mehr kann man sich sogar den Polestar 2 hier leisten...

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  • MakyAG am 12.03.2020 16:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine für mich

    Einpacken und für mitnehmen bitte... Danke und Adé

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sono Motors München am 19.03.2020 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit Licht tanken

    Kann man mit Licht tanken? Ja das funktioniert. Mit dem Model SION von Sono Motors wurde eine neue Fahrzeugklasse eingeführt: SEV Solar Electric Vehicle + Solarintegration bis zu 34 km/Tag  + Selbstaufladend (PV) + Autarkiefördernd + Integrierte Sharing App + Bidirektionales Laden + Anhängerkupplung + Reparierbar ohne Werkstätten + Langzeitfahrzeug (Alu) + Energiestation (V2G) + Tiefe Betriebskosten + Schnellladung (50 kW) + Kein Autolack nötig Einfach nur sinnvoll ! (((SonoMotors)))

  • Frank am 16.03.2020 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ABB

    "Dass es keinen Weg mehr zurück gibt, kein Weg mehr an der Elektromobilität vorbeiführt, das ist noch nicht in allen Köpfen angekommen". Frank Mühlon ABB Konzern / Ladeinfrastruktur *********

  • 3x am 16.03.2020 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pumpspeicher

    +++ Schon aufschlussreich, wie viele der Kommentierenden noch nie davon gehört haben, dass Elektroautos dreimal energieeffizienter sind als Autos mit Verbrennungsmotoren, einen Bruchteil der Wartungskosten verursachen und mit Solarstrom aus Photovoltaikanlagen betrieben werden können. Erwiesen ist auch, dass die für Photovoltaik geeigneten Dachflächen in der Schweiz locker ausreichen würden, um die Stromproduktion der AWK's zu ersetzen und dass Solarstrom in Pumpspeicherkraftwerken und Akkus gespeichert werden kann. Offensichtlich besteht da immer noch ein gewaltiger Informationsrückstand. ==

  • Corina am 15.03.2020 14:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Einordnung

    Immer mehr Länder weltweit bekennen sich dazu in Zukunft Autos mit Verbrennungsmotoren zu verbieten. Dänemark zog im Oktober 2018 nach und will ab 2030 den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotoren verbieten. Somit geht man Hand in Hand mit London und den Niederlande. In Schottland soll das Verbrenner-Verbot ab 2032 greifen. Später wird es in Island, dort rechnet man ab 2040 mit einem solchen Verbot, gleiches gilt für Grossbritannien, wo das Verbot dann auch ausserhalb der Hauptstadt zum Tragen kommen soll. Japan beschliesst ab 2050 das Aus für den Verbrennungsmotor. ////\\\\

  • Martin am 15.03.2020 14:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unabhängigkeit

    In nur einer Stunde liefert die Sonne genug Energie, um die gesamte Weltbevölkerung für ein Jahr mit Strom versorgen zu können. Dieses Potenzial müssen wir nutzen. Elektro­mobilität und Solar­technologie ebnen den Weg in eine klima­freundliche Mobilität.

    • Sono am 18.03.2020 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martin

      Endlich nimmt die E-Auto Vielfalt zu, Design ist toll und Investition auf Verbrennerniveau. Unterhaltskosten sinken was wiederum die Akzeptanz fördert. Dabei kommen mehr Leute in den Genuss ruhig und kraftvoll ohne Schaltgetriebe dahinzugleiten und dabei keine Giftgase auszustossen. Ich habe den 'S I O N' von S O N O reserviert. Finde den Solarcar Mega sinnvoll. (((o)))

    • Sion am 19.03.2020 10:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sono

      +++ Der Solarcar SION von Sono Motors hat atemberaubende Beschleunigungswerte, ein sportwagentypisches Durchzugsvermögen und eine souveräne, dauerhaft verfügbare Leistung". Von Null auf Hundert soll es "in deutlich weniger als 3,5 Sekunden" gehen. Das Vorserienfahrzeug hat über 440 kW (600 PS). Und kann locker ca. 26-mal hintereinander aus dem Stand von Null auf 200 km/h beschleunigen. Oder doch nicht? ;-) Braucht es auch nicht. Der Solarcar SION ist einfach ehrlich und sinnvoll. =

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