SsangYong

01. März 2020 12:01; Akt: 29.02.2020 16:27 Print

Zwillingsdrache sucht Liebe

von Dave Schneider - Während Hyundai und Kia boomen, kämpft SsangYong ums Überleben. Auf Herr und Frau Schweizer kann die koreanische Marke nicht zählen.

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SsangYong – der Zwillingsdrache. Diese bekannte koreanische Automarke, die doch so viele nicht kennen. Während Hyundai und Kia im Zusammenschluss seit Jahren vorne wegziehen und global zu einer Macht geworden sind, bleibt SsangYong im Heimmarkt unter den koreanischen Herstellern sogar noch hinter GM Korea an vierter und letzter Stelle zurück.

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Die Unternehmensgeschichte ist von einem steten Wandel geprägt – doch richtig aufwärts ging es für SsangYong nie. Der erst seit 1986 unter dem diesem Namen auftretende Autohersteller war in den Neunzigerjahren von der Kooperation mit Mercedes-Benz abhängig, bezog von den Stuttgartern erst Motoren und dann ganze Modelle, bevor er 1998 vom ebenfalls koreanischen Autohersteller Daewoo übernommen wurde. Schon drei Jahre später stiess Daewoo SsangYong wieder ab, worauf die Marke mit dem Zwillingsdrachen wenig später in chinesischen Besitz überging. Seit 2011 wird SsangYong von der indischen Mahindra Group kontrolliert – ein Konkurs der Koreaner konnte durch diese Übernahme verhindert werden.

Stetes Auf und Ab

Auch in der Schweiz durchlief SsangYong ein stetiges auf und ab: Zwischenzeitlich verschwand die Marke ganz vom Markt, dann kehrte sie selbstbewusst unter neuem Importeur, der belgischen Alcopa-Gruppe, und mit neuer Vertriebsstruktur zurück. Auf grosse Stückzahlen kam der koreanische Allrad-Spezialist dennoch nie, auch nicht in der allradverrückten Schweiz. 2015 wurde der kompakte Crossover Tivoli lanciert und die Verkäufe stiegen von 569 Einheiten (2014) auf 968 Exemplare zwei Jahre später. Doch da endete der Höhenflug auf bescheidenem Niveau bereits wieder: 2019 konnten hierzulande noch 791 Fahrzeuge an die Frau und an den Mann gebracht werden – auffällig viele davon (248 Fahrzeuge) im Dezember, was auf Tageszulassungen schliessen lässt.

Und nun das: Im Januar dieses Jahres steht in der Zulassungsstatistik von Auto-Schweiz eine dicke Null bei SsangYong. Wie ist das zu erklären? «Wir konzentrieren uns 2020 auf den Verkauf von Händlerbeständen», begründet Nicole Sahlmann, Chefin der SsangYong Schweiz AG, diesen Rückgang auf Anfrage von 20 Minuten. «Wir rechnen mit einem entsprechend tieferen Volumen im Neuwagengeschäft».

Schwerer Stand

Aber auch die neuen CO2-Vorschriften setzen SsangYong zu, wie vielen anderen Herstellern auch. Doch mit den aktuellen Modellen, dem überarbeiteten Crossover Tivoli und der neuen Generation des SUV Korando, haben die Koreaner diesbezüglich einen schweren Stand: Der Tivoli emittiert in der sparsamsten Version 146 Gramm pro Kilometer (nach WLTP), der neue Korando weist 149 Gramm als Bestwert aus – erlaubt sind seit Anfang Jahr noch 95 Gramm. Für jedes Gramm mehr muss der Importeur empfindliche Bussen bezahlen. Massgebend ist dabei der Durchschnitt aller verkauften Fahrzeuge, und dieser dürfte bei SsangYong noch deutlich höher liegen, denn die stärksten Benzinversionen von Tivoli und Korando mit Allradantrieb stossen 195 respektive 198 Gramm pro Kilometer aus.

In Aussicht gestellte, zukunftsfähige Produkte fehlen noch: «Der rein elektrisch angetriebene Korando EV kommt verspätet erst 2021 – das erschwert es uns derzeit, die CO2-Ziele zu erreichen», erklärt Nicole Sahlmann. Ausserdem hat auch der Dieselskandal der Marke mit dem Zwillingsdrachen zugesetzt, besonders im grossen deutschen Markt. «Für eine Marke, die einmal einen Dieselanteil von über 80 Prozent hatte, ist das natürlich ein Thema. Das tut uns durchaus weh», sagte SsangYong-Deutschland-Chef Ulrich Mehlin vor zwei Jahren. Trotzdem sind die Verkäufe in Deutschland relativ moderat zurückgegangen: Von 3400 Einheiten im Jahr 2016 auf 2870 Fahrzeuge im vergangenen Jahr. In der Schweiz ist der Dieselanteil von SsangYong mit rund 65 Prozent ebenfalls hoch, doch hierzulande hat sich der Skandal weniger stark auf die Verkäufe ausgewirkt.

Unsichere Zukunft?

Aber hat SsangYong überhaupt noch eine Zukunft in Europa, in der Schweiz? Darüber will Schweiz-Chefin Nicole Sahlmann nicht spekulieren. Viel lieber will man mit dem Import von elektrisch angetriebenen Nutzfahrzeugen der Marke Maxus Motors ein zweites Standbein aufbauen. Noch ist das Angebot überschaubar: Die zur chinesischen SAIC (Shanghai Automotive Industry Corporation) gehörende Marke bietet in der Schweiz mit dem EV80 einen elektrisch angetriebenen Transporter an, der als Kastenwagen oder als Chassis-Kabine erhältlich ist. Bald soll der kleinere EV30 folgen, für 2021 ist die Einführung des grösseren EV90 geplant. Das Vertriebsnetz besteht momentan aus 15 Maxus-Händlern und soll weiter ausgebaut werden.

Dieser Ausbau um die Marke Maxus könnte zu einer Verlagerung des Geschäfts führen, denn der Import der elektrisch angetriebenen Nutzfahrzeuge trifft im aktuellen Marktumfeld auf fruchtbaren Boden. Für die Marke SsangYong hingegen wird die Situation in Europa nicht einfacher: Die grossen Autohersteller investieren derzeit hohe Milliardenbeträge in Elektroautos, ins autonome Fahren und in neue Mobilitätskonzepte. Da mitzuhalten wird ein schwerer Kampf für den angeschlagenen Zwillingsdrachen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sc am 01.03.2020 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nischenprodukt

    Eigentlich wäre die Marke schon interessant. Mercedes-Technik zum günstigen Preis. Der Rexton (grosse SUV) wird von vielen Pferde- und Wohnwagenbesitzer geschätzt, da er 3500kg Anhängerlast hat und noch Allrad mit Untersetzung hat. Wie es allerdings bei der Zuverlässigkeit aussieht, weiss ich nicht.

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  • Poli am 01.03.2020 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Ssangsuper

    der Rexton ist super, kann ich nur empfehlen

  • Loki am 01.03.2020 17:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gut und zuverlässig

    der Rexton ist ein super Zugfahrzeug..einer der wenigen der noch 3.5t anhängelast hat.

Die neusten Leser-Kommentare

  • London am 04.03.2020 00:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    London

    Immer mehr Länder weltweit bekennen sich dazu in Zukunft Autos mit Verbrennungsmotoren zu verbieten. Dänemark zog im Oktober 2018 nach und will ab 2030 den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotoren verbieten. Somit geht man Hand in Hand mit London und den Niederlande. In Schottland soll das Verbrenner-Verbot ab 2032 greifen. Später wird es in Island, dort rechnet man ab 2040 mit einem solchen Verbot, gleiches gilt für Grossbritannien, wo das Verbot dann auch ausserhalb der Hauptstadt zum Tragen kommen soll. Japan beschliesst ab 2050 das Aus für den Verbrennungsmotor!

    • Exakt am 04.03.2020 00:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @London

      In nur einer Stunde liefert die Sonne genug Energie, um die gesamte Weltbevölkerung für ein Jahr mit Strom versorgen zu können. Dieses Potenzial müssen wir nutzen. Elektro­mobilität und Solar­technologie ebnen den Weg in eine klima­freundliche Mobilität.

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  • Georgo Marodo am 03.03.2020 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    SSY Rexton W RX220

    @20 Min Nett, dass man lieber Meinungen über E-Autos und Beschimpfungen zu Verbrennern publiziert,als meinen Beitrag als langjährigen Ssangyong Besitzer. Die meisten Kommentare sind nur Hetzte gegen Verbrennern von grünen Öko-Pissern und hat mit SsangYong wenig zu tun. Nochmals Herzlichen DANK!!!

  • Bud S. am 03.03.2020 07:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SsangYong ist eben billig

    weil die Autos einfach aussehen wie aus diversen teilen zusammen gebastelt. keine richtig ansprechende Form, keine Zuverlässigkeit und dazu recht billig verarbeitet. für mich steht diese Marke gleich wie Dacia mit ihrer Renault technik. alles billig aber Hauptsache ein Auto gebaut. das sind fahrende Särge. ein Unfall mit solchen Autos möchte ich mir gar nicht vorstellen. denn nur an fehlender Ausstattung muss auch woanders gespart worden sein. und für mich geht Sicherheit vor. auch wenn ich paar tausender mehr zahlen muss um ein vernünftig sicheres Auto zu haben.

    • Kenner am 08.03.2020 07:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bud S.

      Wohl noch nie einen SsangYong vin Innen gesehen?

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  • Info Hunter am 02.03.2020 17:21 Report Diesen Beitrag melden

    Informative Good News!

    Jetzt verdienen die Karrenbauer wegen den Strafzahlungen (Bei Karren mit Ausstoss über 95g CO2/KM) weniger an den stinkenden Verbrennern... Gut so - das fördert die emissionsarmen- oder freien Fahrzeuge! Und infolgedessen ist es eine gute Sache für alle Lebewesen. :-)

    • Fact Hunter am 02.03.2020 17:32 Report Diesen Beitrag melden

      @Info Hunter

      Alle Hersteller die nicht fähig oder willens sind, Autos mit höchstens 95 Gramm CO2 -Ausstoss zu bauen werden früher oder später von der Bildfläche verschwinden.

    • MaschIng am 02.03.2020 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Info Hunter

      Karrenbauer? Genial, danke für den feinen Humor.

    • V-Hunter am 02.03.2020 23:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Info Hunter

      Ich stand kürzlich an einer Ampel. Da standen ein Tesla Model 3 und ein BMW-Turbo-Modell. Und dann ist die Ampel auf Grün gesprungen, und ich hatte den Eindruck, dass der hoch motorisierte BWM stehen blieb, während der Tesla einfach wegfuhr. Der Elektromotor ist eine Riesenchance. Die Dynamik, die er entfalten kann, lässt jeden Verbrennungsmotor alt aussehen. Und es ist diese Dynamik, die eine Marke wie Porsche definiert. Es ist das Verdienst von Elon Musk, aus biederen E-Wägelchen schnelle Sportschlitten gemacht zu haben.

    • Info am 02.03.2020 23:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Info Hunter

      "Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit"  Auf dem E-Auto Portal ECOMENTO findet man im Internet immer die neusten Informationen zu Elektroautos und zur E-Mobilität.

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  • Baltasar am 02.03.2020 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    keine Zukunft

    "Wir glauben nicht, dass der Verbrennungsmotor eine Renaissance erleben wird", sagte Andreas Wolf, Chef der Powertrain-Sparte beim Zulieferer Continental, in einem Interview. Zwar werde es Verbrenner auch in Zukunft noch geben, aber nicht mehr mit dem Schwergewicht wie in der Vergangenheit, so der Antriebsexperte.

    • Ruedi am 02.03.2020 16:28 Report Diesen Beitrag melden

      @Edith

      Wo kann ich das nachlesen? Beim Erdöl-Lobbysten deines Vertrauens?

    • Ein E-Auto ??? am 02.03.2020 16:31 Report Diesen Beitrag melden

      Nie im Leben !

      Wir sind keine Schrotthändler !

    • Schrotthändler am 02.03.2020 17:29 Report Diesen Beitrag melden

      @Ein E-Auto ???

      Stimmt! Schrotthändler handeln halt nur mit Verbrenner-Schrott!...

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