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14. August 2018 09:46; Akt: 14.08.2018 09:53 Print

«Elektro-Boom kommt erst gegen Ende 2019»

Andreas Burgener, Direktor von auto-schweiz, ist überzeugt, dass in der Schweiz im Jahr 2020 zehn Prozent aller Neuwagen «elektrisiert» sind.

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auto-schweiz-Direktor Andreas Burgener glaubt, dass der Elektroautoboom Ende 2019 einsetzen wird. (Bild: Auto-Schweiz)

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«Elektromobilität ist ein grosses mediales Thema, keine Frage. Die Realität, also die Marktanteile elektrischer Fahrzeuge, sieht aber heute noch ernüchternd aus», antwortet Andreas Burgener in einem Interview mit co2tieferlegen.ch. Tatsächlich lag der Marktanteil rein elektrischer Fahrzeuge in der Schweiz nach dem ersten Halbjahr erst bei 1,5 Prozent gegenüber 1,3 Prozent im Vorjahr.

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Kommt der Elektroautoboom Ende 2019 wirklich?

«Wir haben nicht mehr erwartet», wird Burgener zitiert. «Aber wir gehen davon aus, dass sich das in den kommenden Jahren rasant ändern wird. Nicht umsonst wollen wir mit unserem 10/20-Ziel einen Marktanteil an Elektroautos und Plug-in-Hybriden von 10 Prozent im Jahr 2020 erreichen.» Hintergrund dieser Hoffnung ist die Tatsache, dass bereits im kommenden Jahr jede Menge spannender E-Autos lanciert werden. «Heute ist die Modellauswahl noch überschaubar, aber es sind schon gute Autos dabei», so Burgener.

2404 Stromer in sechs Monaten

Das im ersten Halbjahr 2018 nur gerade 2404 Strom neu zugelassenen wurden, hat gemäss dem auto-schweiz-Direktor auch mit der Tatsache zu tun, «dass die Rahmenbedingungen noch nicht ideal sind. Die öffentlich verfügbare Ladeinfrastruktur wächst zwar, aber nur langsam und für viele nicht sichtbar». Zudem sind E-Fahrzeuge wegen den hohen Entwicklungskosten noch teurer als vergleichbare Modelle mit Verbrennungsmotor, und die Reichweiten mit einer Akkuladung sind noch nicht da, wo viele Kunden sie gerne hätten.

Plug-in-Hybrid im Hoch

Klarer Leader bei den alternativen Antrieben war deshalb im ersten Halbjahr der Benzin-Hybrid, der seine Marktanteile von 3,3 Prozent auf 4,2 Prozent steigerte. Für den Fachmann keine Überraschung: «Sie haben den Vorteil der grossen Reichweite des Verbrenners, können Energie durchs Bremsen rückgewinnen, und, gerade im städtischen Bereich, rein elektrisch fahren.»

Das ist durchaus erstaunlich, denn gerade beim Plug-in-Hybrid haben unabhängige Tests gezeigt, dass der theoretische Verbrauchs-Wert im realen Betrieb nicht zu erreichen ist.
«Nicht nur beim Plug-in-Hybird», entgegnet Burgener. «Die Herstellerangaben beruhen heute immer noch zu grossen Teilen auf dem alten Messzyklus NEFZ. Dieser ist weit entfernt vom echten Fahren auf der Strasse. Deshalb wird er vom neuen WLTP-Zyklus abgelöst.»

Ist der Diesel am Ende?

Das einstige Liebkind der Schweizer, der Dieselmotor, befindet sich weiter im Sturzflug: minus 19,1 Prozent im ersten Halbjahr. Für Burgener nicht nachvollziehbar. «Modelle mit der neuesten Abgasnorm (Euro 6d-Temp) sind sehr sauber und haben mit der älteren Technik nichts mehr zu tun.» Darum empfiehlt Burgener den «Böölimann» der Automobilindustrie auch weiterhin. «Man muss sich die Frage stellen: Für welche Strecken wird das Fahrzeug grösstenteils eingesetzt», so der Kia-Fahrer. «Wenn man viel Langstrecken fährt und flexibel bleiben will, ist ein Diesel- oder Gasauto sicher die günstigste Wahl. Als Pendler entlang derselben Strecke kann je nach Distanz ein Elektroauto oder Plug-in-Hybrid interessant werden, sofern man bei der Arbeit oder zu Hause eine Lademöglichkeit hat. Für diejenigen, die mit dem Auto wenig unterwegs sind, bietet sich ein Benziner oder ein Hybrid an.»

(lab)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • pater007 am 14.08.2018 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    Noch weit weg vom Boom

    Ich wage stark zu bezweifeln, ob Ende 2019 tatsächlich ein Boom einsetzt! Eine Steigerung ja - aber wohl keine signifikante.

  • Sunpower am 14.08.2018 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Servicekosten-Killer

    Die Servicekosten bestehen aus Bremsflüssigkeit wechseln alle 2 Jahre. Somit also Bye-bye Ölfilter, Bremsbeläge, Keilriemen, Zündkerzen, Steuerketten, Kolbenringen, Auspuff usw.

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  • sagamol am 14.08.2018 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Noch nicht

    Erst wenn die richtigen Hersteller passende Modelle anbieten. Kenne einige, welche ihr Elektroauto wieder gegen einen Verbrenner gewechselt haben. Sobald es aber richtige Fahrzeuge, zu einem vernünftigen Preis gibt, dann geht die Post ab.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Urs AH am 19.08.2018 08:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Popcorn-Effekt

    Der Popcorn-Effekt, sprich eine signifikante Zunahme von E-Fahrzeugen, wird schneller kommen als vielen lieb sein kann. Mehrere namhafte Hersteller haben begonnen konkret Fahrzeuge zu entwickeln, die zum Teil kurz vor der Einführung stehen. Für den größten Teil der gefahrenen Kilometer, sprich für Pendler oder Einkäufe werden die Reichweiten von rund 400 Kilometern mehr als ausreichend sein. Die hohen Kraftstoff-Preise werden helfen den den Umdenkprozess zu beschleunigen!

  • Good Newserer am 18.08.2018 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Bessere Luft, wir kommen!

    Es ischt so und wird kaum noch von jemandem ernschthaft bestritten: Der Elektro-Boom wird kommen!

  • Vico am 17.08.2018 21:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prophetengalaber

    Diese Prognose erinnert mich irgendwie an die Aussagen des BMW-Managements anlässlich des Solarautoshypes so etwa in den mittleren 80'ern. Sie sind meist so viel wert, wie das schwarze unter dem Fingernagel.

    • Torriani am 18.08.2018 13:16 Report Diesen Beitrag melden

      @Vico

      Ähmmmm. Kann es nicht sein, dass wir heute etwas weiter sind als Mitte der 80er-Jahre?

    • Vico am 19.08.2018 03:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Torriani

      Kann sein. - Aber trotzdem haben sie auch damals viel Mist erzählt. Warum sollte es heute anders sein.

    • Vivi (aber nicht Bach!) am 19.08.2018 03:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Torriani

      Bezüglich Marketingaussagen der Automobilindustrie definitiv bicht! Da wird heute definitiv noch mehr und noch schlimmer gelogen und gemogelt.

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  • noldi am 17.08.2018 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    Zukunft

    Irgendwann merken auch die gruenen das der strom nicht aus der stekdose kommt.....!

    • Sunflower am 18.08.2018 20:27 Report Diesen Beitrag melden

      @noldi

      Hat jemals Jemand behauptet, dass der Strom aus der "stekdose" kommt? Wohl kaum...

    • Salvatore B. am 21.08.2018 22:51 Report Diesen Beitrag melden

      Der Noldi ist aber ein lustiger.

      Woher meint er denn kommt das Benzin oder Diesel? Kann das sein dass wir das Zeugs womöglich aus fernen Länder importieren? Strom können wir in der Region, ja sogar daheim machen, wenns denn sein soll. Probier das mal mit Benzin. Die Rohstoffe für den Strom gibts dazu gratis obendrauf. Das hat nichts mit grün zu tun lieber Noldi, sondern einfach mit gesünderem Verstand um Ressourcen gescheiter zu nutzen.

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  • Sunpower am 16.08.2018 18:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Move Green

    Fangen wir mal an. Ölförderung (Deepwater horizon, Fracking), Transport (div. Tankerunglücke z.b. Exxon valdez), raffinieren, weiter transportieren per Bahn und Feinverteilung via Lkws, und zu guter letzt die Verbrennung einer endlichen Ressource. Bis das Zeugs einmal hier ist braucht es also einiges an Energie. Ein ineffizientes und wiederkehrendes Prinzip. Elektro ist da besser, da passiert alles nur einmal.

    • regiorider am 16.08.2018 21:03 Report Diesen Beitrag melden

      wenn alles Elektrisch fährt

      muss halt das KKW Kaiseraugst doch noch gebaut werden und das KKW Beznau noch weitere 30 Jahre aktiv bleiben,,,,,,,

    • Bartli am 17.08.2018 05:18 Report Diesen Beitrag melden

      Da machen wohl einige grosse Gewinne

      Je mehr Elektronik, um so höher die Kosten wenn die ausfällt, also billiger wird es wohl kaum werden, eher teurer. Dann wo zapfen und wie lange? Wer bestimmt dann da den Preis? Den vorteil ist hoffentlich weit weniger Feinstaub an viel befahrerenen Strassen.

    • Mostli am 18.08.2018 14:18 Report Diesen Beitrag melden

      @Bartli

      Zapfen: Vorzugsweise zu hause mit billigem Nachtstrom oder tagsüber per Photovoltaik. Unterwegs, falls ausnahmsweise nötig, per Supercharger in 4 Minuten. (ABB). Und ja, die Kosten werden niedriger sein!

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