01. Dezember 2019 12:52; Akt: 01.12.2019 12:52 Print

«Keine Spur von Wandel»

von Dieter Liechti - Die Wende zur Elektromobilität bietet Autodesignern mehr Freiheit. Designer Alfredo Häberli hat den neuen Ford Mustang Mach-E mit Jaguar I-Pace und Tesla Model Y verglichen.

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«Jetzt sind wir an einem Punkt, an dem Design wieder etwas mehr Raum erhält», freute sich VW-Chefdesigner Klaus Bischoff im Spätsommer dieses Jahres. «Unsere Chance ist, das zu nutzen, zu begreifen und den Freiraum auszudehnen und zu gestalten.» Bischoff, der seit 31 Jahren bei VW im Design arbeitet, und mit seinem ID.3 ab 2020 die Elektromobilität aus der Nische führen will, erklärte in einem Interview mit der «FAZ»: «Bei Elektroautos ist der Motor nicht mehr das gestaltbestimmende Element. Kraft und Prestige wurden an der Länge der Motorhaube gemessen. Das wird sich jetzt ändern.»

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Unabhängig vom Elektroantrieb, welches der drei Modelle gefällt dir am besten?

Tatsächlich? Die «SonntagsZeitung» hat den Schweizer Designer Alfredo Häberli darum gebeten, den Mitte November mit viel Brimborium in Kalifornien enthüllten Ford Mustang Mach-E (kommt Ende 2020) mit dem bereits seit 2018 auf unseren Strassen fahrenden Jaguar I-Pace und dem ebenfalls für 2020 angekündigten Tesla Model Y zu vergleichen. «Von aussen betrachtet ist bei diesen drei Elektroautos von der Chance zum Wandel auf den ersten Blick nichts zu entdecken», lautet sein ernüchterndes Fazit. «Erst beim genauen Hinschauen lassen sich Neuerungen wie die reduzierten Lufteinlässe, das Weglassen des Kühlergrills oder des Auspuffrohres erkennen.»

«Von innen nach aussen entwerfen»

Das erstaunt den Möbel- und Interiordesigner, der bereits mehrere Projekte für die Automobilindustrie realisiert hat – eines zu einem batterielektrischen SUV. «Mit der rasanten Entwicklung der technischen Möglichkeiten bestände heute die Chance, das Auto von innen nach aussen zu entwerfen», so Häberli. «Denn wenn das autonome Fahren in 10, 20 Jahren Realität geworden ist, werden wir immer mehr Zeit im Auto verbringen. Doch diese Chance ist bis jetzt nicht genutzt worden.» Stattdessen hätten sich die Designteams laut Häberli auf das sogenannte «Shapen» der äusseren Form konzentriert.

«Kein Wunder also, unterscheiden sich auch batterielektrische Fahrzeuge (BEV) nur marginal voneinander», wie der Vergleich von Jaguar I-Pace, Tesla Model Y und dem eben vorgestellten Ford Mustang Mach-E beweist. «Die Unterschiede der Silhouette liegen bei wenigen Zentimetern», so Häberli. «Alle drei Entwürfe suchen die Sportlichkeit sowie die Eleganz des grossen Volumens der ach so beliebten SUV. Sie versuchen die Masse der Fahrzeuge mit wenig Linien und mit gliedernden Lichtkanten optisch zu verschlanken.» Das scheint zu gelingen, wieder Designer bestätigt: «Von der Seite betrachtet wirken die drei Fahrzeuge dynamisch, die nach hinten fallenden Dachkanten nehmen viel vom Volumen weg, was wesentlich zur Unterscheidung gegenüber den klassischen und eher kastenartigen SUV beiträgt.»

Ford Mustang Mach-E: «Eigenständig.»

«Beim Mustang Mach-E wurde der Dachkantenspoiler in der gleichen Farbe wie das Dachfenster gehalten und dadurch kaschiert – ein gelungenes Detail mit viel Optik. Zudem sind auch die Rücklichter des Ford Mustangs der 60er-Jahre, von dem auch der Namen stammt, neu interpretiert und integriert worden. Genau diese Eigenständigkeit ist heute so rar. Das soll nicht heissen, dass der Blick zurück und das Bedienen aus dem Archiv immer zum Erfolg führen muss. Aber mir gefällt dieser Entwurf.»

Jaguar I-Pace: «Elegant.»

«Die Eleganz des Jaguar I-Pace hat mich von Anfang an angesprochen und ich war erstaunt über seine schnelle Markteinführung. Auffallend ist die kurze Frontpartie, die dem Entwurf etwas Futuristisches gibt. Den Jaguar zeichnen mehr Details aus, als die beiden anderen Modelle in diesem Vergleich. Sie sind sehr sorgfältig gestaltet und lassen den Blick des Betrachters darauf verweilen.»

Tesla Model Y: «Freundlich.»

«Beim Tesla gefällt mir die Freundlichkeit der Frontpartie, die ohne einen klaffenden Kühlergrill und mit sehr wenig Linien auskommt. Der Entwurf möchte bewusst neutral sein, also nicht auffallen – deshalb kommt er in der Schweiz so gut an. Allgemein werden die Autos dezenter, freundlicher, ohne jedoch ins Kindliche zu kippen. Bei Tesla ist dies bis dato bei allen Modellen der Fall.»

In allen drei Innenräumen fällt die Konzentration auf den Screen auf, wofür Tesla bei seinem ersten Marktauftritt noch belächelt wurde. «Im Model Y ist der Bildschirm quer positioniert, im neuen Mustang hoch, so wie im ersten Tesla Model S», staunt Häberli. Er ist der Meinung, dass der hochwertige und eher klassische Innenraum des Jaguars zur Marke passt. «Doch vielleicht wäre es an der Zeit, diesen zu vereinfachen: Braucht es weiterhin so viele Knöpfe und Regler? Warum muss jeder Lüftungsschlitz mit einer Chromleiste dekoriert werden? Sind so viel unterschiedliche Materialien nötig?», fragt er sich. «Im Jaguar ist jede Zierleiste, jeder Knopf, jeder Griff eine Kunstform für sich.»

Erst wenn E-Autos etabliert sind, ändert das Design

Während Alfredo Häberli hofft, dass die Automobilindustrie in der aktuellen Phase des «Reset & Restarts» mehr Motivation zeigt, um die Designer zu Höchstleistungen zu führen, warnte der Porsche Chefdesigner kürzlich in einem Interview vor allzu grossen Hoffnungen: «Erst wenn sich die Elektromobilität etabliert und weiterentwickelt wie der Verbrenner über viele Jahrzehnte, wird es beim Autodesign viel grössere Freiheiten geben als jetzt», so Michael Mauer. «Aber in Zukunft wird ein Elektroauto nicht mehr die Form des heutigen Benziners oder Dieselautos behalten.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nick am 01.12.2019 14:40 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist immer so

    Die ersten Benzinautos sahen wie Kutschen aus. Erstaunlich ist, dass sie nicht mit Zügeln gelenkt wurden. Die ersten Dampfschiffe hatten immer noch Segel. Entweder fällt es den Designern/Ingenieuren schwer, sich vom einmal erlernten zu lösen oder sie wollen ihre Kunden nicht mit zu vielen Neuerungen auf einmal erschrecken. Das irrsinigste Beispiel ist für mich aber Porsche, die eine Variante ihres neuen E-Autos "Turbo" nennen. Die brauchen vermutlich noch Jahrzehnte, um sich gedanklich vom Benzin-Antrieb zu lösen.

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  • Lassio am 01.12.2019 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja... Wenn ein Designer, der nicht

    berücksichtigt wird, über andere Designer herzieht, sagt das viel über seine Qualität...

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  • Joe am 01.12.2019 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Hoch auf die e-Mobile

    Ich habe mir jetzt auch ein e-Auto für CHF 100 ooo gekauft! Dazu eine PV-Anlage für CHF 25 ooo, eine Batterie im Haus für CHF 12 000 um die am Tag gewonnene Energie Nachts für meinen tollen Tesla zu nutzen, weil ... ich muss am Tag ja arbeiten gehen um mir diesen Spass leisten zu können. Zu guter Letzt darf das Haus nicht fehlen. Ich möchte nicht zu weit draussen in der Pampa wohnen, weil die Km-Leistung meines Tesla ja weite Strecke untersagt, also habe ich mich für die Aglo entschieden ... es war nicht leicht, dass könnt Ihr mir glauben ... CHF 1 250 000 Wer rechnet, seit Ihr dabei?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sono am 10.12.2019 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Solarcar

    Solarcar Sono Motors (Community Funding Campaign) Die Besonderheiten des Modells Sions von Sono Motors, machen ihn zum Auto für das 21. Jahrhundert: -Selbstaufladend (PV) -Autarkiefördernd -Reparierbar ohne Werkstätten -Langzeitfahrzeug (Alu) -Energiestation (V2G) -Sharing (Ride + Power) Mit dem Model SION wurde daher eine neue Fahrzeugklasse eingeführt: SEV Solar Electric Vehicle Der Sion wird in dieser immer unsicheren Welt dringendst gebraucht. +++-++++_++++

  • rainer_d am 01.12.2019 20:38 Report Diesen Beitrag melden

    Und der Cybertruck?

    Ist ihm der "anders" und "Wandel" genug? Interview ist wohl schon vor Wochen produziert worden und wurde jetzt aus der Versenkung geholt...

  • Joe am 01.12.2019 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Hoch auf die e-Mobile

    Ich habe mir jetzt auch ein e-Auto für CHF 100 ooo gekauft! Dazu eine PV-Anlage für CHF 25 ooo, eine Batterie im Haus für CHF 12 000 um die am Tag gewonnene Energie Nachts für meinen tollen Tesla zu nutzen, weil ... ich muss am Tag ja arbeiten gehen um mir diesen Spass leisten zu können. Zu guter Letzt darf das Haus nicht fehlen. Ich möchte nicht zu weit draussen in der Pampa wohnen, weil die Km-Leistung meines Tesla ja weite Strecke untersagt, also habe ich mich für die Aglo entschieden ... es war nicht leicht, dass könnt Ihr mir glauben ... CHF 1 250 000 Wer rechnet, seit Ihr dabei?

    • Joe am 01.12.2019 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Noch was ...

      Ahhh ja, hätte fast noch etwas vergessen ... der Tesla-Verkäufer hat mir noch so durch die Blume mitgeteilt, ich solle doch noch jedes Jahr CHF 2 500 auf die Seite legen damit ich dann in 8 Jahren das Geld für einen neuen Akku schon auf der Seite hätte, ist doch nett nicht? Bei einem Haus würde man das Erneuerungsfond nennen. Die e-Technik ist doch wunderbar, kann ich Jedem empfehlen.

    • bassman am 01.12.2019 22:32 Report Diesen Beitrag melden

      ...Bashing langweilt langsam..

      Ach wircklich? Dann zeig uns Deinen Tesla doch mal, oder geht es Dir hier nur um Bashing - wäre wirklich sehr ernüchternd, wenn Du nicht mal einen hättest, aber von Deinem-Tesla-Verkäufer berichtest?! Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass 8 Jahre kein Problem sind, aber wir können unsere Modelle gerne mal vergleichen... (befürchte aber, dass Du gar nie einen hattest;)

    • Basler1974 am 02.12.2019 06:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Joe

      Wenn die Batterie dann 8 Jahre halten würde, bleibt anzufügen..

    • Joe am 02.12.2019 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @bassman

      Können wir gerne, gib mir doch Deine Koordinaten an, werde mich melden.

    • Fumobil am 03.12.2019 08:10 Report Diesen Beitrag melden

      Saubere Energie

      @bassman Ja schön eine neue Batterie auf nacken der Urvölker in Chille und deren Grundwasser alles klar

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  • 300PS am 01.12.2019 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Design?

    Also so weit sind wir doch noch nicht! Ich würde ein bezahlbares E-Auto mit einer Reichweite eines Verbrenners (Benzin oder noch besser Diesel) und einer sauberen Stromlieferung aus erneuerbaren Energien sofort kaufen. Auch wenn es nicht das schönste Design hätte. Aber jetzt diskutieren wir schon über das Design, als ob man ein Haus von oben nach unten bauen würde. Typisch. Wenn das so weitergeht, ist die E-Motorisierung tot bevor eine vernünftige Zukunftslösung auf dem Tisch liegt. Und so lange werden die Verbrenner weiterfahren und weiterfahren und weiterfahren. Tja, und mit ihnen auch ich.

  • Lassio am 01.12.2019 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja... Wenn ein Designer, der nicht

    berücksichtigt wird, über andere Designer herzieht, sagt das viel über seine Qualität...

    • Ich gebe dir recht am 01.12.2019 16:53 Report Diesen Beitrag melden

      Jö härzig

      aber er ist hübsch anzusehen der Schiki mikki opa.

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