Busse in Deutschland

22. Dezember 2011 16:44; Akt: 22.12.2011 17:47 Print

Schweizer Autofahrer zahlen doppelt so viel

von Marius Egger - Ein Schweizer missachtete im deutschen Freiburg ein Rotlicht. Die Busse: saftige 400 Euro. Für Einheimische käme das Vergehen halb so teuer. Zockt die deutsche Behörde ausländische Autofahrer ab?

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Einmal geblitzt - doppelt gebüsst: Der Bussgeldbescheid von Uwe Grot hat es in sich. (Bild: Keystone/20 Minuten Online)

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Uwe Gort besuchte am 14. Oktober 2011 den Europapark Rust. Auf dem Weg dorthin missachtete er ein Rotlicht. Ein Blitz, ein Foto – und anderthalb Monate später folgte die Quittung für seinen Regelverstoss. Und die hatte es in sich.

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Gemäss Bussgeldentscheid der Stadt Freiburg muss Uwe Gort eine Geldbusse von 400 Euro bezahlen. Dazu kommen eine Gebühr (20 Euro) und Auslagen (2.80 Euro). Gort trifft fast der Schlag. «Ich habe umgehend im Internet recherchiert und gesehen, dass für das gleiche Vergehen in Deutschland nur 200 Euro verlangt werden.» Werden ausländische Automobilisten in Freiburg dreist abgezockt?

200 Euro plus Fahrverbot

Tatsächlich sieht die Praxis in Deutschland anders aus, wie Markus Schaepe vom deutschen Automobilclub ADAC gegenüber 20 Minuten Online bestätigt. Die Höhe der Busse beträgt normalerweise 200 Euro. Hinzu komme bei gleichem Vergehen ein einmonatiges Fahrverbot. Dieses gelte aber nur für Deutschland.

Gegen das Fahrverbot kann rekurriert werden. Wird der Rekurs gutgeheissen, wird das Fahrverbot hinfällig. Allerdings verdoppelt sich dann die Busse auf 400 Euro – wie bei Uwe Gort. Doch vor diese Wahl wurde Gort gar nicht erst gestellt.

Die Freiburger tischten dem Schweizer kurzerhand die Maximalbusse auf. Und dies, obwohl ihm ein Fahrverbot in Deutschland egal wäre. «Ich bin nur sehr selten in Deutschland», sagt Gort. Er würde lieber 200 Euro bezahlen und einen Monat auf eine Autofahrt ins Nachbarland verzichten.

«Sehr bedenklich»

Der ADAC hält das Vorgehen der Freiburger Behörden im Fall Gort für «sehr bedenklich». Auch weil ein Rekurs gegen das Fahrverbot in Deutschland gemäss Schaepe nur in absoluten Ausnahmefällen von Erfolg gekrönt ist. Etwa, wenn es Existenz bedrohend ist.

Die Freiburger Behörden biegen das deutsche Recht bei ausländischen Automobilisten also eigenmächtig zurecht. Und das offenbar erst noch systematisch. Eine Anfrage des ADAC bei der Freiburger Behörde hat ergeben, dass die Vorgehensweise bei Ausländern normal sei. Bei Tausenden Schweizern, die im grenznahen Deutschland Einkäufe tätigen, dürfte der Freiburger Säckelmeister Freudensprünge machen.

Von der zuständigen Behörde war bislang niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tom Meier am 22.12.2011 23:03 Report Diesen Beitrag melden

    Ist auch anders rum so...

    Ich bin als deutscher auch in der Schweiz (innerorts mit 51 km/h) geblitzt worden und habe umgerechnet 80 Franken gezahlt. Auch hier zahlt man zusätzliche "Auslandsgebühren", die über dem normalen "Strafmass" für Schweizer liegen...

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  • Thomas Hinz am 22.12.2011 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wen wunderts?

    Deutsche und andere Touris auf Schweizer Strassen erleben hier wirklich ihr blaues Wunder! Einmal durch Zürich und Bekanntschaft mit mindestens 10 Radarfallen. Kommt hinzu, dass z. B. gerade bei Deutschen auch bei kleinen vergehen die Busse in Deutschland eingezogen wird, wer nicht bezahlt wird mit einer Einreisesperre bestraft. Ich wurde hingegen schon zweimal im Deutschen mit 10-15 zuviel geblitzt, zahlen musste ich nie! Nur nochmals zum Verdeutlichen Schikanen-Wahnsinns in der Schweiz: Abstand auf der Autobahn (auch bei Rush Hour) von unter 16m = Ausweisentzug von mind. 3 Monaten!

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  • Timo Niemeyer am 22.12.2011 20:31 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist ja günstig im Vergleich zur Schw

    Wer 200 und ein Fahrverbot von einem Monat als Strafe erhält, ist Innerorts mindestens 40 km/h zu schnell gefahren. In der Schweiz entscheidet da ab 15 km/h das Gericht. Ausser einer Haftstrafe würde das auch einige Tausend Franken kosten. Also alles im grünen Bereich mit den Bussen in Deutschland.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • R.W. am 23.12.2011 10:14 Report Diesen Beitrag melden

    Wer-

    ein Auto hat mit Nr.Schild,kann auch bezahlen,gleich wo auf dieser Welt.

  • C.B. am 23.12.2011 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so!

    Richtig so!! Schliesslich zocken unserer Schweizer Behörden die ausländischen Autofahrer noch viel schlimmer ab!!

  • Birol Kaplan am 23.12.2011 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man Ausländer ist....

    Das ist in Ordnung so, ich seit 31 jahren in der CH als Ausländer, bezahle auch mehr als ein CH..! z.B bei der Autoversicherung, Steuern, Bussen usw....Danke CH !!

  • hans hollenstein am 23.12.2011 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    was gibt's hier wieder zu jammern?

    die bussen in der CH sind eindeutig zu tief!

    • Herr Blocher am 24.12.2011 16:37 Report Diesen Beitrag melden

      Bümblesschweizer

      Herr Hollenstein, wollen Sie hier auch noch die Gebühren nach oben schrauben? Bitte nicht. Hier ist doch alles schon so teuer, oder?

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  • Fidelio am 23.12.2011 09:18 Report Diesen Beitrag melden

    Strafe muss sein

    Oh jeh, wir nehmen den Auslaendern ja auch die doppelte Autobahn - Vignetten - Gebuehr ab...... oder ?

    • ueli am 23.12.2011 13:38 Report Diesen Beitrag melden

      nein

      nein,40Fr. für alle, wie kommt man auf so was??

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