Auto-Salon Genf 2019

08. März 2019 11:50; Akt: 08.03.2019 11:50 Print

Durchdachte Leidenschaft

von Michael Köckritz - Wenn Esprit auf Erfahrung trifft, kann eine gut überlegte Sensation entstehen: In Genf stellten Toni Piëch und Rea Stark Rajcic den elektrischen Sportwagen Piëch Mark Zero vor.

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Es ist ein mutiges Projekt, ein leidenschaftliches und namhaftes, das auf dem Autosalon in Genf seine Premiere feierte. Entsprechend gross war das Aufsehen, als auf dem Stand des Start-ups Piëch Automotive der Piëch Mark Zero präsentiert wurde. Einen Sportwagen der Zukunft, der sämtliche Trends und Veränderungen überdauert.

Das Zeug dazu hat er, weil er nicht nur ein leistungsstarker, rein elektrischer GT mit 500 Kilometern Reichweite nach der WLTP-Messmethode ist, sondern sich die Akkus dank einer innovativen Batterietechnologie innerhalb von fünf Minuten zu 80 Prozent aufladen lassen sollen. Der Anspruch: Piëch Automotive will mit dem Mark Zero ein Auto erschaffen, das luxuriösen Fahrspass bietet wie ein Porsche – mit einer modularen Plattform.

Und, wie sich in Genf zeigte, in einer klassischen Form, die an den europäischen Sportwagen aus den Sechziger- und Siebzigerjahren erinnert. Damit verbindet die Studie irrationale Leidenschaft und wohl überlegte Machbarkeit – eine Vision mit feinem Gespür für die Möglichkeiten in der Wirklichkeit. Oder anders gesagt: ein Traumauto. Dabei aber kein Phantasma, das niemals realisiert werden wird, sondern ein sehr emotionaler und progressiver Sportwagen. Und damit ist der Mark Zero tatsächlich vielleicht das, was man, nun ja, avantgardistisch nennt.

Für eine neue Marke braucht es viel jugendlichen Esprit

Der Piëch Mark Zero ist weder dem Zufall geschuldet – noch ausschliesslich dem grossen Namen, der dahinter steht. Co-CEO und Chairman Piëch ist Toni Piëch, Sohn von Ferdinand Piëch, Co-CEO und Art Director ist Rea Stark Rajcic, der schon für Sony oder Canon in Japan und für Nespresso in der Schweiz designte – und zusammen bringen sie den jugendlichen Esprit mit, den man braucht, um eine neue Marke aus der Taufe zu heben.

Hinter der Idee, einen neuen Sportwagen zu bauen, stand wie so oft der Wunsch, es einfach ein bisschen besser zu machen. Wie Piëch in der ramp erklärte: «Wir haben uns nach einem Sportwagen umgesehen, der unsere Wünsche erfüllt. Aber wir haben vergeblich danach gesucht. Also haben wir beschlossen, diesen Sportwagen selbst zu bauen.»

Klingt geradezu leichtfüssig, doch gerade das Gegenteil ist der Fall. Für die Umsetzung ihrer Vision holten sich Piëch und Stark kompetente Unterstützung. Ihr Head of Engineering, Klaus Schmidt, entwickelte zuvor dreissig Jahre lang die BMW M-Serie. Von stürmischem Enthusiasmus kann man also sprechen, allerdings präzise abgestimmt mit der grossen Verantwortung, die der Name mit sich bringt.

«Ich spüre grosse Verantwortung, gehe aber meinen eigenen Weg»

Im Interview sagte Piëch dazu: «Der Name Piëch ist für mich mehr als nur Verpflichtung, schliesslich haben vier Generationen einmalige Leistungen im Automobilbau vollbracht. Ich spüre die grosse Verantwortung und gehe trotzdem meinen eigenen Weg – wir stehen komplett auf eigenen Füssen.

Toni Piëch fasst den Mark Zero unter dem Begriff «Neues Denken» zusammen. Darunter versteht er eine Mischung aus Unvernunft, «einem ausgeprägten Freiheitsgefühl und zugleich Integrität, Menschlichkeit und Zugänglichkeit.»

Wieviel Unvernunft in einem Sportwagen steckt, das mag jeder selbst entscheiden, das Freiheitsgefühl findet sich jedoch nicht nur in der zeitlosen Karosserie wieder, sondern auch in seinen Innovationen, die ihn ins Elektrozeitalter katapultieren: Den Spurt von Null auf 100 km/h soll er in 3,2 Sekunden schaffen, die Höchstgeschwindigkeit wird mit 250 km/h angegeben. An der Vorderachse produziert ein Asynchronmotor 150 kW, an der Hinterachse sorgen zwei Synchronmotoren für je 150 kW zusätzlich.

Nach 4:40 Minuten sind bereits 80 Prozent geladen

Und das allein ist nicht das Bahnbrechende: Die Batterien sind im Gegensatz zu den Wettbewerbern nicht am Unterflur, sondern am Mitteltunnel und an der Hinterachse untergebracht. So entsteht eine ähnliche Achslastverteilung und ein Fahrverhalten, wie es bislang nur klassische Sportwagen mit Verbrennungsmotor erreichen. Dazu ist eine sportwagentypisch niedrige Sitzposition möglich. Und: Wirklich rasant ist die Ladedauer – in nur 4:40 Minuten sind bereits 80 Prozent der Batteriekapazität erreicht.

Möglich gemacht wird die rapide Leistung durch die neue Akkutechnik vom chinesisch-deutschen Joint-Venture Desten Group. Was man dazu wissen muss: Aktuell entwickeln Batterien hohe Temperaturen bei der Fahrt und beim Aufladen – die des Piëch Mark Zero wärmen sich hingegen kaum auf. Das hat nicht nur Auswirkungen bei den schnellen Ladezeiten, sondern auch bei der Kühlung.

Die Wasserkühlung entfällt und die Gewichtseinsparung macht den Mark Zero um rund 200 Kilo leichter, weniger als 1800 Kilo soll der luftgekühlte Sportwagen wiegen. Qingdao Tgood Electric Co. Ltd steuert wiederum die Ladeinfrastruktur bei. Für Piëch-Kunden bietet Tgood die Schnellademöglichkeit in der Garage an, wobei sich die Wallbox-Ladestation auch als modularer Speicher nutzen lässt.

Auch Pick-ups auf Mark-Zero-Basis sind denkbar

Eine weitere Besonderheit ist die flexible, offene Fahrzeugarchitektur des Sportwagens, der die Verwendung unterschiedlichster Antriebsformen ermöglicht – wie zum Beispiel Elektroantrieb, Hybrid, Brennstoffzelle oder Verbrennungsmotor. Zunächst sind drei Fahrzeugvarianten geplant: neben einem Zwei- auch ein Viersitzer sowie ein sportlicher SUV. Andere Konzepte in Form von Cabrios oder auch Pick-ups sind ebenso denkbar.

Mit der Präsentation des Mark Zero in Genf wurde somit eins klar: Natürlich kann man warten, was die Zukunft bringt, in einer fragenden wie beobachtenden Haltung zum Wandel verharren. Aber offenbar kann man die Angelegenheiten auch etwas gezielter angehen und – mit einem klaren Gefühl für das Machbare die Sache selbst in die Hand nehmen und zeigen, wie sich Unvernünftiges und Vernünftiges, Vergangenes und Kommendes, Beständiges und Veränderliches miteinander kombinieren lassen. Wobei ja manche behaupten, dass der richtige Sportwagen meist die richtige Lösung ist.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • August Augur am 08.03.2019 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin verwirrt!

    Wieso brauchen wir auf den verstopten Strassen so viele PS? So ein Auto zu bauen ist mit Geld kein Problem. Aber ein Auto zu bauen, was alltagstauglich ist und für die Masse preislich erschwinglich ist viel schwieriger. Und so etwas bräuchten wir und wäre sinnvoll.

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  • Balu am 08.03.2019 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sfr.

    Ich habe das Geld nicht , also habe ich auch das Problem nicht. Eine Milchbuch Rechnung ;-)

  • Prophet am 08.03.2019 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neidisch?

    Wenn Neid und Missgunst brennt wie Feuer- wäre Holz, Öl und Kohle nur halb so teuer. Was seid ihr doch alles für Miesepeters. So eine tolle Kiste, niemand muss sie kaufen, der nicht will- oder nicht kann?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • 31er am 09.03.2019 12:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ladezeit

    Warum gibt man nicht die Ladezeit von 100% an sondern nur von 80%? Gibt es da einen Haken?

    • Joe Frazier am 09.03.2019 15:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @31er

      Die letzten 20 % zu laden dauern ungleich viel, viel länger als die ersten 80 %. Hoffe konnte helfen?

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  • Polizist Wehrli am 09.03.2019 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    untauglich

    Das Auto ist überhaupt nicht durchdacht. Der Preis und die Strassentauglichkeit im heutigen Verkehr wurden total ignoriert.

  • Nicht Neider am 09.03.2019 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Auf Kroatisch

    Nichts Neues. Das können die Kroaten mit dem Rimac c2 schon lange! 1'914 PS, 0-100 1,8 cec

  • S.Kritischer. am 09.03.2019 00:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Braucht kein Mensch

    Diese Ratterkisten braucht niemand und der Lärm noch viel weniger.

    • Joe Frazier am 09.03.2019 09:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @S.Kritischer.

      Was denn für ein Lärm? Haben Sie nicht verstanden? Es geht hier um ein Elektroauto.

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  • Alen am 08.03.2019 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Auto?

    Ist dass ein Aston Martin??? Upsss ist ja gebaut mit voller Leidenschaft sorry ist selbstverständlich selbst Designt

    • Me too am 09.03.2019 08:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Alen

      Genau, der alte (!) V8 Vantage lässt schön grüssen...

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