Auto-Salon Genf 2019

23. Februar 2019 05:00; Akt: 25.02.2019 11:00 Print

Kraftstoff vom Designer – Lösung aller Probleme?

In der allgemeinen Elektro-Aufregung geht vergessen, dass es noch eine weitere Antriebsart mit Zukunftspotenzial gibt – den mit synthetischen Treibstoffen betriebenen Verbrennungsmotor.

storybild

Labor-Benzin In dieser Versuchsanlage in Deutschland hat Audi 2018 die ersten 60 Liter künstliches Benzin hergestellt. (Bild: Audi)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wir wissen es: Die CO₂-Emissionen von Personenwagen und Nutzfahrzeugen müssen in den kommenden Jahren drastisch gesenkt werden. Wie die gesetzlich festgelegten Grenzwerte so schnell einzuhalten sind, ist dagegen vielen Herstellern ein Rätsel. Und auch die Käufer von Neuwagen tun sich schwer: Preis und Prestige kommen noch immer vor den Emissionen. Deshalb sind beispielsweise Batterie-Elektroautos erst dort erfolgreich, wo der Staat mit Kaufprämien und anderen Privilegien nachhilft.

Um die Flotten-CO2-Emissionen zu senken, haben Autohersteller oder Fahrzeugimporteure viele Möglichkeiten, naheliegend sind Anpassungen beim Modellangebot. Kleinere und leichtere Fahrzeuge mit weniger Antriebsleistung erzeugen geringere Emissionen. Ausserdem gibt es eine Vielzahl von Elektrifizierungskonzepten – vom effizienzoptimierten Mildhybrid bis zum leistungsstarken Plug-in-Hybrid. Rein elektrisch betriebene Fahrzeuge lassen sich lokal sogar völlig emissionsfrei bewegen, wenn die Antriebsenergie aus einer Batterie stammt. Einzig Wasserdampf emittieren Modelle, die mit Wasserstoff-betriebener Brennstoffzelle ausgestattet sind.

Viele Hybrid- und praktisch alle Elektroantriebskonzepte erfordern jedoch den grundlegenden Neuaufbau eines Fahrzeugs. Plattform und Gesamtkonzept müssen der alternativen Antriebsform angepasst werden. Damit lassen sich zahlreiche Vorteile erzielen, etwa beim Raumangebot oder bei der Gewichtsverteilung. Allerdings sind diese Vorteile konstruktiv teuer zu bezahlen. Genau darum gibt es auch gute Gründe, schadstoffarme respektive schadstofffreie Antriebe zu entwickeln, die auf bestehenden Konstruktionen basieren und daher fahrzeugbezogen kostengünstiger möglich sind.

CO₂-neutrales Fahren ist möglich

Die Verbrennungsmotoren haben heute einen hohen Reifegrad erreicht. Anstatt diese Aggregate beiseite zu legen – vorschnell sogar zu verbieten –, könnte man sie mit neuen, synthetisch hergestellten Treibstoffen versorgen. Schadstoff- und CO₂-armes oder gar CO₂-neutrales Fahren ist im Verbrennerfahrzeug möglich, wenn sogenannte Power-to-Gas- (PtG) und Power-to-Liquid-Treibstoffe (PtL) genutzt werden. PtG und PtL, zusammenfassend auch als PtX bezeichnet, sind aus Strom und CO₂ synthetisch hergestellte chemische Energieträger. Da sie bei der Herstellung CO₂ binden, wird das Treibhausgas so zum Rohstoff, der zusammen mit regenerativ erzeugtem elektrischem Strom zu Kohlenwasserstoffen wie Benzin, Diesel oder Erdgas verarbeitet werden kann. Das CO₂ kann dabei aus industriellen Anlagen, aus Biomasse oder aus der Luft stammen.

Schon in den 00er-Jahren haben mehrere Autohersteller mit Flex-fuel-Autos Treibstoffe propagiert, die durch Ethanol-Beimischungen wesentlich klimafreundlicher wurden. Jene «Biotreibstoffe» standen jedoch in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion, waren also politisch nicht korrekt. In der zweiten Generation kamen für die Herstellung nur noch Pflanzenreste zum Einsatz; trotzdem blieben die Treibstoffe bis heute wenig gefragt.

Für die Herstellung synthetischer Treibstoffe – sogenannte Designertreibstoffe – gibt es mehrere Prozesse, revolutionär neu ist keiner. Mit Strom, idealerweise aus Windparks, Solaranlagen oder Wasserkraftwerken, wird stets per Elektrolyse Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff getrennt. Dieser Wasserstoff (H2) kann entweder zum Betrieb von Brennstoffzellen verwendet oder bei der Methanisierung zusammen mit CO₂ zu Methan (CH4) umgewandelt werden. Mit Methan, chemisch Erdgas entsprechend, können Ottomotoren betrieben werden. Der Wirkungsgrad bei der Methanisierung liegt bei 80 bis 90 Prozent.

Mit H2 und CO₂ können im sogenannten Fischer-Tropsch-Verfahren Diesel, Benzin oder Kerosin hergestellt werden. Ein dritter PtX-Weg führt über die Methanolsynthese, mit der sich Methanol oder DME (Dimethylether) respektive OME (Oxy-
methylenether) erzeugen lassen. Mit DME- und OME-Beimischungen werden Dieselmotoren betrieben. Da die Abgase dann keine Russpartikel enthalten, kann man sich bei der Abgasnachbehandlung auf die Absenkung der Stickoxidemissionen (NOx) beschränken. Bei Fischer-Tropsch-Umwandlungen und Methanolsynthese bleibt der Wirkungsgrad jedoch auf rund 60 Prozent beschränkt.

Durch die synthetische Herstellung der Treibstoffe werden fossile Rohstoffe substituiert. So lassen sich qualitativ hochstehende Treibstoffe mit guter Klopffestigkeit erzeugen, die eine optimale Verbrennung und hohe Motorleistungen sowie eine sehr gute Qualität der Rohemissionen ermöglichen, weil sie weder Aromaten noch Schwefelverbindungen enthalten. Ein weiterer Vorteil dieser Lösung ist, dass das bestehende Tankstellennetz unverändert genutzt werden kann. Das bedeutet auch, dass die Tankvorgänge genauso wenig Zeit beanspruchen wie beim Einsatz konventioneller Treibstoffe.

Saubere Dieselmotor dank e-Diesel?

Audi hat vor einigen Jahren mit der Errichtung der PtG-Anlage in Werlte, Norddeutschland, ein Zeichen gesetzt. Dort entsteht aus Windstrom und CO₂ synthetisches Methan, das ins bestehende Erdgasnetz eingespeist oder direkt in CNG-Fahrzeuge getankt werden kann. Audi spricht von e-Gas. Zudem hat Audi vor kurzem zusammen mit Partner Global Bioenergies auch erste Motorentests mit synthetischem Benzin, sogenanntem e-Benzin, gestartet. Selbst der Dieselmotor soll mit e-Diesel wieder rehabilitiert werden. Audi plant, im aargauischen Laufenburg ein entsprechendes Werk zu bauen.

Ein weiteres Beispiel liefert der deutsche Sportwagenbauer Gumpert, der sein neustes Hochleistungs-Elektroauto namens Nathalie mit Batterie und Brennstoffzelle ausstattet. Der von der Brennstoffzelle benötigte Wasserstoff wird dabei von einem Reformer aus Methanol gelöst. Methanol kann wie e-Benzin oder e-Diesel synthetisch hergestellt werden.

Offen bleibt die Frage, ob sich synthetische Treibstoffe für Personenwagen wirtschaftlich vernünftig herstellen lassen. Nachteilig ist der Wirkungsgrad über die gesamte Prozesskette Strom-Gas-Flüssigtreibstoff. Diese Schritte benötigen vergleichsweise viel Energie; ausserdem muss der Strom unbedingt regenerativ erzeugt worden sein, und es muss eine grosse Menge an Wasser zur Verfügung stehen. Heutigen Einschätzungen zufolge sind die neuen Treibstoffe aus diesen Gründen weniger geeignet für den grossflächigen Einsatz in Personenwagen, sie dürften eher für schwere Nutzfahrzeuge, Schiffe und Flugzeuge eine attraktive Alternative darstellen – dort eben, wo grosse und schwere Batterien für den Elektroantrieb
ungeeignet sind.

(lab)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Naturbuab am 23.02.2019 06:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Elektromobilität

    Und Emmissionsfrei. Zwei sich kompromitierende Worte. Physikalisch gesehen muss die Energie irgendwo erzeugt werden. Sogar wenn sie von einer Solar oder Windanlage kommt hat diese Grauenergie erzeugt und somit eine Emission. Wer glaubt sein Tesla sei so viel besser als ein Dieselmotor der irrt. Denn das meiste des Schweizer Stroms kommen aus Akws und Deutts hen Kohlekraftwerken. Wer ein E auto fährt müsste zu Hause zwingend auch eine PV anlage haben!!

    einklappen einklappen
  • Petrolhead V12 Twin Turbo am 23.02.2019 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Herzig

    Elektroautos sind herzig. Man packt das Autöli mit giftigen Sondermüllklötzchen aka Akkus voll um hinterher mit dem Anlasser fahren zu können. Niedlich diese Teslafreunde.

    einklappen einklappen
  • Felix T. Katzenmeier am 23.02.2019 07:27 Report Diesen Beitrag melden

    Alles schon mal dagewesen

    Künstliches Benzin gabs im 2. Weltkrieg bei der Wehrmacht...ist also nichts neues. Und falls ihr es noch nicht wisst. In der Lufthülle der Erde ist der Anteil an CO2 so 0.4%. Also ist es komplett egal wieviel CO2 ein Motor produziert. Hört bitte auf solche Klimalügen zu verbreiten.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • E-Guru am 01.03.2019 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weltpremiere

    Am 4. März hat Sono Motors ihr neues Elektromobil vorgestellt. Wahnsinn, alles voll mit Solarzellen. Das macht Sinn.

  • Michel am 26.02.2019 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem

    Kein Problem die Autofahrer zahlen ein bischen mehr steuern und die Welt ist gerettet. Aber das 15 der Grössten schiffe der Welt so viel Co2 verursachen wie 850000000 Autos interessiert niemanden.

  • E-Guru am 25.02.2019 21:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bank

    Bank of America sagt, die Elektroautos werden die Ölnachfrage innerhalb von zehn Jahren zerstören.

    • Alea iacta, est am 12.03.2019 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @E-Guru

      Also fahren die benzin/dieselfahrzeuge am günstigsten weil überfluss?;-)

    einklappen einklappen
  • ER WACH (S)EN am 24.02.2019 07:40 Report Diesen Beitrag melden

    Wie wäre es...

    Wie wäre es, wenn man einfach nicht mehr Auto fahren würde? Ist das so schwer zu verstehen? Wie kleine Kinder. Lernt mal Verantwortung zu übernehmen!

    • Neumann am 24.02.2019 17:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ER WACH (S)EN

      Ich will aber meinen SUV Boliden fahren! Erstens kann ich es mir leisten und zweitens wie kann ich sonst der (Damen-) Welt zeigen, dass ich wer bin und es vermag?

    • Zersch Überlege am 26.02.2019 15:44 Report Diesen Beitrag melden

      studieremal

      ähm ja... nicht mehr Auto fahren. Sehr clever. Wenn sich dann die Millionen Leute morgens auch noch in die S-Bahn quetschen haben wir Zustände wie in Indien. Fahren sie dann auf dem Dach mit, ERWACHSEN?

    einklappen einklappen
  • Markus ottinger am 23.02.2019 23:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    effizient

    Problem ist Verbrennungs Motor ist nicht effizient höchstens 40% Rest ist Abwärme Elektromotor ist viel besser leichter und leiser