Auto-Salon Genf 2019

26. Februar 2019 10:37; Akt: 26.02.2019 10:37 Print

Das moderne Auto ist ein perfekter Konzertsaal

von Michael Köckritz - Musik wird unterwegs gehört. Wir sprachen mit dem CEO von High-End-Marke Burmester über den perfekten Klang und Garagen-Musik.

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Andreas Henke, Burmester steht für das Klangerlebnis schlechthin. Musik wird nicht gehört, sie wird erlebt. Sie kommen von Porsche: Ist das Auto eigentlich nicht der natürliche Feind des guten Klangs?
Ja und nein. Natürlich spielen auf der einen Seite Geräusche durch Wind, Räder oder Motor eine gewisse Rolle. Aber im Konzert gibt es auch Menschen, die nebenher noch ihr Bonbon auspacken oder mit ihren Nachbarn tuscheln. Selbst zu Hause rauscht vielleicht gerade die Strassenbahn vorbei oder knallt der Nachbar die Tür zu. Insofern sind Störgeräusche eigentlich immer und überall ein Faktor, den wir bei echter Ergriffenheit aber ausblenden. Der Vorteil im Auto ist, dass man genau weiss, wo der jeweilige Hörer sitzt. Die Musik kann also optimal in einem definierten Hörraum auf die Insassen abgestimmt werden. Baulich kann durch den Besitzer auch nichts geändert werden, kein Sofa verrückt, keine Pflanze in den Weg geschoben werden. So lässt sich das Klangerlebnis viel besser, viel berechenbarer abstimmen als im heimischen Wohnzimmer. Das Auto wird auf diese Weise zu einem idealen Konzertsaal.

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Nehmen wir mal den Porsche Panamera: mindestens 8200 Franken, sagt die Aufpreisliste. Ein Must-have trotzdem?
Ja, und da bin ich ehrlich. Nicht mal nur aus Gründen des Musikgenusses. Wenn man in so ein emotionales Produkt wie ein schönes Auto investiert, dann sollte meiner Meinung nach wirklich alles passen. Es sollte nicht nur um Fahrwerk, Lenkung, Leistung oder Optik gehen. Gerade heute ist das Auto der Ort, wo man ein wenig bei sich sein kann. Eventuell sind das die einzigen Minuten überhaupt am Tag, in denen man ungestört ist. Und dann ist da die Musik, die vielleicht einzige Art von Kunst, die wirklich jeden berührt. In sie einzutauchen, einen Klang zu erleben, wie es die Künstler beabsichtigt haben, ist, meine ich, sehr emotional und befriedigend. Ein High-End-Soundsystem ermöglicht genau das. Darüber hinaus bekommt man mit dem System weit mehr als nur den nahezu perfekten Klang ins Auto. Auch die Telefonie wird deutlich verbessert. Das heisst, während der Fahrt versteht man sich besser und ist im Gespräch deutlich entspannter. Man ist gedanklich eher beim Inhalt der Unterhaltung und erzielt ein besseres Ergebnis, als wenn das Gehirn im Hintergrund permanent angestrengt noch schlechten oder unnatürlichen Klang «passendrechnen» muss. Wir reduzieren also die kognitive Last beim Fahrer.

Andererseits ist der Preis auch verschwindend klein, bedenkt man, dass für eine Heimanlage von Burmester gerne mal weit über 100'000 Franken bezahlt werden. Im Porsche gibt es obendrein ein tolles Auto dazu. Wenn man so will, gratis.
Wenn man es so betrachtet, ja, das könnte eine der günstigsten Möglichkeiten sein, um an den Klang zu kommen, für den wir bei Burmester stehen. Sie werden schmunzeln: Wir haben auch tatsächlich Rückmeldungen von Porsche- und Mercedes-Kunden, dass der eine oder andere zum Musikhören in die Garage geht.

Aber gibt es den perfekten Klanggenuss – ob im Auto oder woanders – überhaupt?
Ich glaube, es gibt ihn, wenngleich er natürlich individuell definiert werden kann. Musik, sie zu hören, ist immer etwas Persönliches. Jeder Mensch nimmt Musik anders wahr. Daher würde ich es vielleicht so ausdrücken: Es gibt den perfekten Moment, um Musik auf einem maximal möglichen Klang-Level zu hören.

Wann ist so ein Moment gekommen?
Auch das ist natürlich individuell. Sei es die Tour mit dem Auto durch die Alpen oder die bereits erwähnten «fünf Minuten» am Tag, die man für sich, und nur für sich, im Auto hat.

Jetzt entwickelt sich das Auto gerade massiv in Richtung Zukunft. Wird es hier auch Gestaltungsräume und neue Technologien für Soundsysteme geben?
Ganz bestimmt sogar. Das elektrische Fahren wird neue Geräuschkulissen erzeugen, und damit für uns vollkommen neue Möglichkeiten – aber eben auch Herausforderungen. Aber vor allem das autonome Fahren wird vieles revolutionieren, weil sich die Nutzungsgewohnheiten verändern werden. Zum Beispiel die Zeit zwischen zwei Terminen, in der man abschaltet nach dem Motto: «Der Teilnehmer ist vorübergehend nicht zu erreichen.» Wenn man sich ganz dem Musik- oder dann auch Videogenuss hingeben kann. Oder das Auto wird zur Cocooning-Zelle, in der man die Scheiben abdunkelt und entspannt chauffiert wird. Oder aber das Gegenteil ist der Fall, und im Auto findet die geschäftliche Telefon- oder Videokonferenz statt. Dabei spielen natürlich auch Klang- und Stimmübertragungsqualität wie schon erwähnt eine sehr grosse Rolle.

Damit folgt man den grossen Megatrends. Wie weit kann das eine Marke wie Burmester verändern?
Wir werden nicht irgendwelchen Trends hinterherlaufen, so viel ist sicher, sondern unser Qualitätsverständnis zur Geltung bringen. Wir werden mit unserer unternehmerischen Unabhängigkeit wo nötig sehr bewusst gegen den Mainstream, gegen den Strich bürsten und für Kontinuität stehen. Dafür, dass man weiss, wofür ein Burmester-Soundsystem steht, über das klangliche Erlebnis hinaus. Ähnlich wie es bei einem ikonischen Fahrzeug oder einer besonderen Uhr ist. Die Philosophie von Burmester steht für uns über allem Schaffen, vor allem über jedem Trend.

Könnte man mit diesem Wissen in Zukunft ein Soundsystem wie das von Burmester noch stärker als Differenzierungsmerkmal, gar als ein Kaufargument für ein bestimmtes Auto bewerten?
Das wünsche ich der Automobilindustrie nicht, glaube aber auch nicht, dass einzelne zugelieferte Komponenten wichtiger werden als die eigentliche Kerndisziplin: das Auto und individuelle Mobilität zu schaffen. Aber mit Sicherheit wird der Stellenwert von Soundsystemen zunehmen. Und es wird für herausragende
Marken auch essenziell sein, ein auf Augenhöhe agierendes Soundsystem bzw. eine entsprechende audiovisuelle Einheit anzubieten.

Sie spielen auf das Premiumsegment an, und Burmester ist eine echte Luxusmarke. Was macht Ihrer Meinung nach Luxus im Moment des Erlebens aus?
Luxus ist für mich ein schwieriger Begriff. Es gibt ein tradiertes, überkommenes Luxusverständnis, mit dem ich persönlich nicht viel anfangen kann. Da geht es oft sehr stark um Show-off und Standards, die scheinbar einfach zu einem gewissen Wohlstand dazugehören sollen. Das ist für mich wenig authentisch. Für mich ist Luxus eine Qualität, die ich mir gönnen möchte. Luxus steht für ein sehr individuelles und bewusstes, nicht existenziell notwendiges Erlebnis, für Genuss und Wertschätzung. Das kann ein schöner Urlaub, eine ruhige Stunde Spazierengehen oder ein sehr guter Apfel sein, den ich mir bewusst gönne. Oder die Freude an einem tollen Auto – die Liste ist ebenso vielfältig wie lang.

Noch was ganz anderes: Sie waren lange und erfolgreich bei Porsche. Was reizt Sie an der Aufgabe an der Spitze von Burmester?
Wir haben eine überschaubare Unternehmensgrösse, Wachstum ist für uns kein erstrebenswertes Ziel per se, sondern es geht uns um die Wertschöpfung. Unsere Unabhängigkeit ist unser höchstes Gut. Wenn Marianne Burmester und ich einer Meinung sind, können wir schnell und effizient gestalten. Das sind ein Freiheitsgrad und eine Handlungsgeschwindigkeit, die man in grösseren Unternehmen kaum vorfindet. Davon mal ganz abgesehen habe ich so eine weitere meiner drei grossen Leidenschaften – Auto, Musik, Fotografie – zum Beruf gemacht.

Spielen Sie eigentlich selber auch ein Instrument?
Ja, ich habe sehr lange Klavier gespielt, fange jetzt aber gerade an, E-Bass zu lernen. Auch, weil das ein Instrument war, das Dieter Burmester neben der Gitarre vornehmlich gespielt hat. Zu meinem Ausstand habe ich von meinen Kollegen bei Porsche einen E-Bass geschenkt bekommen, damit ich mich sozusagen auf seinen Spuren bewegen kann.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Herr Max Bänzli Live bei Bose am 26.02.2019 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    ein Auto wird nie zu einem edlen Konzertsaal, da vibriert alles nur mit der Musik. Besser zuhause investieren in edle Geräte und Boxen

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  • Stefan Meier am 26.02.2019 13:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vag Werbung

    schon wieder VAG Werbung. kennt Ihr eigentlich keine anderen Hersteller?

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  • Herbert von Karajan am 26.02.2019 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Gönner

    Dem Erfindergeist sind keine Grenzen gesetzt um den Kunden jeden Schmarren anzudrehen, den in Wirklichkeit keiner braucht. Hauptsache, die Angebereien kosten viel. Ich mag's dem Anbieter auf jeden Fall gönnen, wenn er möglichst viel verkaufen und damit Geld verdienen kann.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Renate am 27.02.2019 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lauter Wahnsinn auf Rädern

    Also ich würde mich bedanken, wenn durch meinen Konzertsaal Autos fahren würden.

  • Numpty am 27.02.2019 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    LOLlerama

    Beim Auto mit Fahrgeräuschen würd ich unbedingt über Klirrfaktoren von 0.0001% diskutieren :)

  • Türen dämmen am 27.02.2019 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    hat jemand eine gute Garage

    die Türdämmung anbietet und noch bezahlbar ist? Danke für die Infos!

    • heiko am 28.02.2019 09:55 Report Diesen Beitrag melden

      phontastik

      phontastik härdi in wetzikon. absolut empfehlenswert was preis, aber vorallem leistung anbelangt

    • Türen schliessen am 28.02.2019 23:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Türen dämmen

      Ja, ich habe eine gute Garage. Sie ist sogar geheizt und hat zwei Plätze.

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  • Klassikfan am 27.02.2019 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Dauerwerbesendung für den VW Konzern

    Burmester ist Spitze. Wenn man schon so viel Geld für eine Anlage im Auto ausgibt, muss aber auch das Auto stimmen. Und dafür sind nur die obersten 5% geeignet, die jeglichen Komfort bieten (Geräuschdämmung, Abrollkomfort usw). Ich konnte mir endlich mit gutem Gewissen eine Anlage von Burmester fürs Heim leisten. War teurer als mein Auto. Der Musikgenuss zuhause ist einfach und schlichtweg sensationell. Jetzt kommt meine Schallplattensammlung so richtig zur Geltung. Daneben ist die ganze Anlage ein Eyecatcher.

    • Hüstel Räusper am 27.02.2019 18:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Klassikfan

      Genau! Da kommt das Kratzen, Knistern und Eiern der Platten doch zu Hause gleich viel besser rüber und hebt sich auch wirklich deutlich vom Umgebungslärm ab.

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  • Bärgbur am 27.02.2019 10:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles recht und gut ,aber....

    Lärm" im" Auto ,das ist jedem seine Sache ,wenn er das mit seiner und anderer Sicherheit vereinbaren kann ,aber Lärm ausserhalb seines Autos ,sprich " Megarohre und Sportklappenüberfall auf Babys usw. bei Tag und Nacht" das ist absolutes no go und muss mit allen Mitteln bekämpft werden vom Gesetzgeber !