Triumph Spitfire 1500

23. Februar 2019 09:46; Akt: 23.02.2019 09:46 Print

Als Sportcabriolet-Fahren noch günstig war

von B. v. Rotz - 18 Jahre bot Triumph den Spitfire an. In dieser Zeit war er etwas sportlicher, sparsamer und hübscher geworden, blieb aber günstig und einfach.

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Der Triumph Spitfire 1500 aus der Vogelperspektive. Nicht ganz 3,8 Meter lang und 1,125 Meter niedrig ist der Triumph Spitfire. Das Dach ist in weniger als einer Minute offen, nur das Aufknöpfen der Persenning verschlingt noch etwas zusätzliche Zeit. Das Design stammt von Giovanni Michelotti, über die Zeit wurde es mehrfach modifiziert, was sich vor allem an Front und Heck zeigt. Mit dem Übergang zum Mk IV erhielt der Spitfire 1970 ein flaches Heck im Stil des Triumph Stag. Natürlich will der Triumph Spitfire offen gefahren werden, auch bei Temperaturen um 0 Grad. Es gilt das Motto: Es gibt kein falsches Wetter, nur die falsche Kleidung. Immerhin knapp über 160 km/h lief der Triumph Spitfire 1500 damals im Test, den Sprint von 0 bis 100 km/h absolvierte der knapp über 800 kg schwere Roadster in weniger als 13 Sekunden. Typisch britisches Ambiente mit Holzarmaturenbrett (!) und klassischen Rundinstrumenten. Grosse Anzeigen für Geschwindigkeit und Drehzahl, ein Ölthermometer fehlt leider, wäre aber sinnvoll gewesen wegen der Empfindlichkeit des Motors, in kaltem Zustand «gejagt» zu werden. Braver Grossserienmotor, 72 PS aus 1,5 Litern waren damals schon nicht viel, dafür werden sie sparsam generiert: Verbräuche um 7 Liter pro 100 km sind machbar. Nur echt mit dieser Etikette. Im Ernst, der Triumph Spitfire 1500 war auffällig beschriftet. Nein, im 90-Grad-Winkel lassen sich die Räder nicht einschlagen, aber fast, so scheint es. Wendekreis 8,2 Meter, damit kriegt man den Spitfire in jede Parklücke.

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Mit dem Triumph Spitfire 1500 verhielt es sich Ende der Siebzigerjahre ähnlich wie mit Asterix und Obelix. Eigentlich waren seine Zeiten vorbei, aber er überlebte dank (fast schon) magischer Kräfte. Auf dem Genfer Autosalon im März 1980, wo er immer noch zu sehen war, stach er heraus wie eine Rose in einem Salatbeet – farbig (gern in Senfgelb oder Orangerot), kompakt, günstig (13'890 Franken) und betörend offen.

Cabriolets waren zu jener Zeit Mangelware, fast ausgestorben. Nur noch wenige Anbieter boten überhaupt noch komplett offene Autos ohne Überrollbügel an. Der Triumph Spitfire aber stammte aus einer anderen Epoche.

Fünf Generationen

Im Herbst 1962 wurde der Triumph Spitfire als Alternative zum Austin-Healey vorgestellt. Auf der Basis von Chassis und Technik des Triumph Herald hatte Giovanni Michelotti einen hübschen Roadster realisiert. Mit 60 PS aus 1147 cm3 hatte er genug Kraft, die rund 750 kg sportlich vorwärtszubewegen. 1964 erhielt er ein paar zusätzliche Pferdestärken, was ihn zum Spitfire 4 Mark 2 machte. Am Genfer Autosalon 1963 stand dann der Mark 3 mit 1,3-Liter-Motor und höher angebrachten Stossfängern. 75 PS reichten nun für 160 km/h Spitze.

Im November 1970 brachte die vierte Auflage ein modernisiertes Karosseriekleid mit moderner Front und an die übrige Triumph-Palette angepasster Heckpartie. Vorerst wurde der 1,3-Liter-Motor noch beibehalten, doch im Dezember 1974 durften sich auch die Europäer über einen kräftigen 1,5-Liter-Motor freuen, der den amerikanischen Versionen schon seit einiger Zeit gedient hatte. 72 PS leistete der 1493 cm3 grosse Motor, den man auch schon aus dem Triumph Toledo kannte, bei 5500 U/min.

Überaus kompakt

Ansonsten war die Zeit am Spitfire weitgehend spurlos vorbeigegangen. Wie zu Anfang sorgten vorne Dreiecksquerlenker mit Schraubenfedern für die Radführung, während die hinteren Räder einzeln an einer Pendelachs-Konstruktion aufgehängt war. Immerhin war das Chassis im Detail immer wieder verbessert worden und auch die Bremsen – vorne Scheiben, hinten Trommeln – wurden der Zeit angepasst.

Profitiert hatte auch der Innenraum von mehreren Überarbeitungen, eine gut funktionierende Heizung und ein einfach abklappbares Dach waren beim Spitfire 1500 Serienausstattung. Nur das Hardtop kostete Aufpreis, allerdings vergleichsweise bescheidene 650 Franken oder 880 Mark. Auch den überaus kompakten Dimensionen von 3,785 x 1,488 x 1,125 Metern war der Spitfire nie entwachsen, heute hat auf dieser Grundfläche nicht einmal ein moderner Fiat 500 mehr Platz.

Unglaublich wendig

Dass der Triumph Spitfire 1500 kompakt ist, spürt man spätestens dann, wenn man einsteigt. Zwar bietet er selbst grossgewachsenen Personen bis ca. 1,85 Meter genügend Platz auf den gut ausgeformten Sitzen, aber von grosser Bewegungsfreiheit kann sicherlich nicht die Rede sein. Das ist auch gut so, denn diese sportliche Enge gehört natürlich zum Naturell des hübschen Sportwagens.

Gestartet wird modern mit Zündschlüssel an der Lenkradnabe und sofort ertönt ein wohltönendes Vierzylindergeräusch. Die Gänge rasten satt ein und schon bald ist Landstrassentempo erreicht. Hier fühlt sich der offene Triumph auch am wohlsten. Die Rundumsicht ist perfekt. Und hat man sich verfahren, kann man fast auf jeder Landstrasse ohne Zurücksetzen wenden, dank eines nur 8,2 Meter grossen Wendekreises.

Weitere Informationen, Bilder, ein Tonmuster, Verkaufsprospekte und ein Video zum Spitfire 1500 gibt es auf www.zwischengas.com.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • pater007 am 23.02.2019 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz schön schön - und so britisch

    Schönes Auto. Ich hatte in grauer Vorzeit mal einen. Allerdings nur gut zwei Jahre. Da reihte sich Reparatur an Reparatur - ein echter Brite halt ;-)

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  • Bruno am 23.02.2019 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Mein erster Spidu

    Ich hatte auch so einen! Himmelblau und schwarzes Leder (Kunstleder?) innen. Die seinerzeitige Multi-Garantie von British Leyland (3 Jahre) war schon cool. In den 4 Jahren machte ich mehr als 90'000 km! Offen - schnell - ehrlich - hart - zügig. War eine schöne Zeit gewesen. Nachher machte er einem Alfa Romeo Spider 2000 Platz. Spidu - ich hatte dich gerne!

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  • Martial2 am 23.02.2019 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das hatte noch Klasse...

    Das war ein tolles Wägelschen, das Auto war vor allem von den Frauen sehr beliebt, wie der Renault Floride oder Caravelle!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Züger Erich am 24.02.2019 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne assistenten

    Hauptsache Brithis fahre ein etwas größeres Tr6 Pi macht spass

  • André am 24.02.2019 18:28 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt sie noch.

    Preisgünstige, spassige und erst noch zuverlässige Roadster gibt es noch heute. Vielleicht fehlt der britische Charme. Aber ich bin glücklich damit - Mazda MX5

  • DerDani am 24.02.2019 17:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwann nach...

    ... der Pensionierung steht so einer vor dem Haus. In Gelb. Erklärtes Ziel :-)

  • U. Schulz am 24.02.2019 15:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Roadster made in USA

    Ich fahre einen amerikanischen Roadster (Z3) in der Sechszylinder-Version. Grossserientechnik machen ihn zuverlässig, unter dem Blech ist BMW-3er-Technik verbaut. Funktioniert seit 22 Jahren und macht riesig Spass.

  • Groba am 24.02.2019 14:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spity forever

    Als glücklicher Besitzer eines knallroten 1500er Spity kann ich nur eines sagen; dieser kleine Engländer macht einfach nur Spass. Und "gehackt" werden kann er auch nicht, es ist alles noch reine Mechanik. Schlicht und einfach cool.