BMW 2002 Turbo

16. Juni 2018 07:25; Akt: 16.06.2018 07:25 Print

Das Beste, was man aus Abgas machen konnte

von B. v. Rotz - Mit dem BMW 2002 Turbo baute der Münchner Hersteller den ersten deutschen Serien-Turbo. Allerdings wohl zur falschen Zeit.

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Im Rückspiegel erschienen die Aufkleber am BMW 2002 Turbo richtig lesbar, aufgebracht waren sie spiegelverkehrt. Zu viel provokante Optik in der Energiekrise der frühen Siebzigerjahre! Auf den ausgelieferten Serienfahrzeugen fehlten die spiegelverkehrten Schriftzüge auf dem Frontspoiler. Nur die Kotflügel-Verbreiterungen und die Spoiler am Heck und an der Front unterschieden den 170 PS starken BMW 2002 Turbo von den schwächeren Serienpendants. Die Kotflügel schafften Platz für breitere Reifen, die bei 170 PS Spitzenleistung auch angebracht waren. Der übersichtliche BMW 2002 Turbo fährt sich überaus handlich. Locker über 200 km/h schnell war der BMW 2002 Turbo damals. Rund sieben Sekunden brauchte der BMW 2002 Turbo für den Sprint von 0 bis 100 km/h – und dies vor 45 Jahren! Front- und Heckspoiler verringerten den Luftwiderstand und die Seitenwindempfindlichkeit. Die Motorhaube öffnet wie bei BMW früher üblich nach vorne. Der längs eingebaute eingespritzte Vierzylinder-Turbomotor mit 170 PS. Sportliche Optik, das Lederlenkrad und das rot hinterlegte Armaturenbrett gab es so nur im 2002 Turbo. Ladedruckanzeige im BMW-Cockpit. Mit Kunststoff überzogene Sportsitze gaben genügend Seitenhalt. Vier oder wahlweise – gegen Aufpreis – fünf Gänge standen zur Kraftübertragung zur Verfügung. Bei den Vorserienexemplaren war der Heckspoiler noch eingefärbt. Auch als Turbo praktisch - der Kofferraum war gleich gross wie bei den übrigen 2002-Modellen. Ein Vorserien-Exemplar auf Probefahrt - noch mit dem berühmten Schriftzug.

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Im Jahr 1973 war ein Abgasturbolader noch ein ziemlich exotisches Hilfsmittel zur Leistungssteigerung, das primär im Rennsport, aber kaum je auf der Strasse eingesetzt wurde. Aber das war nicht der einzige Grund, warum man den BMW 2002 Turbo so gross und auffällig angeschrieben hatte.

Der BMW 2002 gehörte zu den sportlichen Limousinen, doch die Konkurrenz wurde immer schneller. Da konnte BMW nicht zurückstehen. Erfahrung mit leistungsgesteigerten Zweiliter-Motoren gab es bei BMW genug. Schliesslich hatte man den 2002 für den Renneinsatz gekonnt mit einem Abgasturbolader zwangsbeatmet und gegen 300 PS aus dem braven Vierzylinder herausgeholt. So gerüstet und mit dicken Kotflügelverbreiterungen versehen, gewannen die Bayern die Europameisterschaft der Tourenwagen.

Um den Turbo-Motor im Alltag nutzen zu können, waren noch einige Anpassungen und Optimierungen nötig. Denn anders als im Rennsport besteht der normale Strassenverkehr vor allem aus Teillast-Fahren und Stop und Go.

Die Zähmung des Turboladers

Für den 2002 Turbo machten die BMW-Ingenieure um Alex von Falkenhausen den Motor alltagstauglich, reduzierten die Verdichtung und setzten auf einen relativ niedrigen Ladedruck. Das Ergebnis waren 170 PS bei 5800 Umdrehungen, also 40 PS mehr als die eingespritzte Saugvariante. Das Drehmoment stieg um über ein Viertel.

7,1 Sekunden Zeit nahm sich der BMW 2002 Turbo in einem Test im Sommer 1974 für den Sport von 0 bis 100 km/h, bereits nach 18 Sekunden lagen 160 km/h an und kurz später lief der BMW 211,8 km/h (Spitzengeschwindigkeit bei 6500 Umdrehungen). Das konnte ein Porsche 911 nicht viel besser.

Die Sache mit dem Schriftzug

Als erstes deutsches Serienfahrzeug mit Turbomotor wollte man die neue Technologie natürlich auch publikumswirksam dokumentieren und klebte seitliche Schriftzüge aufs Auto, ergänzt um eine «Turbo»-Aufschrift am Heck. Und damit auch der Voranfahrende sofort erkenne, welche Rakete sich da im Rückspiegel nähert, liess Verkaufsleiter Bob Lutz auch noch seitenverkehrt gedruckte «2002»- und «Turbo»-Schriftzüge auf dem Frontspoiler anbringen.

So wurde der Wagen dann der Presse präsentiert und prompt kam er autokritischen Kreisen in den falschen Hals – schliesslich herrschte die Erdölkrise. So verschwand der Schriftzug wieder vom Frontspoiler, die Serienautos wurden ohne ihn ausgeliefert.

Leichtfüssig

Das Design mit den Kotflügel-Verbreiterungen und den Spoilern sowie die Grundkonzeption des BMW 2002 sind bereits fast 50 Jahre alt, und dies hat durchaus positive Aspekte. So ist der Wagen mit 4,22 Metern Länge und 1,62 Metern Breite kompakt, mit seiner tiefen Gürtellinie und den grosszügig verbauten Glasflächen ausserordentlich übersichtlich.

Das Interieur unterscheidet sich nur durch Sportsitze und ein rotes Armaturenbrett von den anderen 2002-Modellen. Zudem sorgen ein Lederlenkrad und eine Ladedruckanzeige für Abstand zu den günstigeren Versionen.

So richtig will man dem Wagen das Temperament gar nicht abnehmen, was aber am relativ späten Einsetzen des «zweiten Winds» liegt. Erst über 4000 Umdrehungen kommt der Turboeffekt voll zum Tragen und dann schiebt der BMW vehement nach vorne. Leise ist der Motor dabei nicht, als aufdringlich empfindet man die Geräuschkulisse aber auch nicht.

Dank der Übersichtlichkeit und der grosszügig verfügbaren Leistung machen Strassen aller Art viel Spass und man gehört eigentlich immer zu den Schnellen.

Weitere Informationen, viele Bilder und ein Tonmuster gibt es auf www.zwischengas.com.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alpina-Fan am 16.06.2018 07:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schöner Bericht

    Zu dieser Zeit genial. Es fuhr sich wie 'Schmidts Katze' und ist auch heute noch beeindruckend ehrlich zu fahren. Und auch heute ein richtiger Augenschmaus!

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  • Rö No am 16.06.2018 07:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Legende..

    dieser 2002er, gefiel mir schon immer seit meiner Kindheit, habe mir dann aber eine andere Legende gekauft, ein R5 Turbo2 den ich seit bald 20 Jahre besitze und auch von diesen gibts nicht mehr all zuviele zumindest nicht in einem guten Zustand.

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  • Casanova am 16.06.2018 08:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weinrot mit Creme Filet Streifen

    Ich hatte vor 43 Jahren einen BMW 2002. Das war damals ein richtiger Aufreisser Schlitten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • seeblick am 17.06.2018 16:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @Benni

    ein GTI 1.8 112 PS ist auch kürzer übersetzt. 18% steigung im 4. auf der bahn 4'500 u/m.

  • Peter am 17.06.2018 06:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Turboschaden

    Erstaunlich, dass einer dieser Turbos bis heute überlebt hat. Damals hatten sie ja nicht gerade den besten Ruf. Der wievielte ist es denn schon?

  • Eidgenosse. am 16.06.2018 20:33 Report Diesen Beitrag melden

    ........

    Das waren damals noch schöne BMW'S ! Die heutigen sind für mich Schrottkisten und von den Fahrern reden wir gar nicht erst

  • Benni am 16.06.2018 16:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann es fast nicht glauben

    218 km/h Spitze mit 170 PS und mit den damaligen cw-Werten? Da war wohl der Wunsch Vater des Gedankens. Mein Honda hatte auch so viel PS, sicher den besseren cw-Wert und auch noch die kleinere Frontfläche und schaffte das nie.

    • Klaus am 16.06.2018 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Benni

      Wichtig ist in den Autofreundeskreisen, was auf dem Tacho steht. Damit kann man dann am Stammtisch so schöne Geschichten erzählen. Und die Zeit mit den Quartetten war doch eigentlich auch sehr schön.

    • Florian am 16.06.2018 16:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Benni

      Deiner war eben eine Reisschüssel. Die haben einen ehrlichen Tacho.

    • Illumination am 16.06.2018 18:26 Report Diesen Beitrag melden

      @Benni

      Werksangabe war ja 211 km/h Vmax - und die damaligen Testfahrzeuge erreichten auch "echte" Vmax 210 km/h +/-... ;-)

    • Claus am 16.06.2018 18:35 Report Diesen Beitrag melden

      Benni

      Reisschüsseln sind eben langsam. Kollege hatte einen nagelneuen Prelude mit 107 PS, ich ein GTI 1,8 mit 112PS. Ich 3 Mann an Bord, er allein, mein GTI war schneller.

    • ;-) am 17.06.2018 06:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Claus

      Ist ja logisch! Mehr PS und dann noch mehr Gewicht bergab...

    • Giaraa am 17.06.2018 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Claus

      Der Prelude war auch ein Sportcoupe und kein Hatchback, der damalige AE86 hat jeden Hasenstall stehen gelassen, genauso wie der Honda Civic Type r der dem damaligen Golf Gti überlegen war. Auch heute ist der Golf GTI Konkurrenzlos! Konkurrenzlos schlecht...

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  • :-/ am 16.06.2018 15:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schön?

    Na, diese angeklebten Kotflügelverbreiterungen waren nie so mein Ding.

    • D. Stecher am 16.06.2018 15:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @:-/

      Frauen lieben diese Kotflügel. Sie geben besseren halt.

    • Schmusekätzchen am 16.06.2018 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @D. Stecher

      Und es tut nicht so weh, wenn man sich an die Bäume schmiegt..

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