Porsche 930 Turbo

08. April 2017 10:05; Akt: 08.04.2017 10:05 Print

Der Volkswagen unter den Supersportwagen

von B. v. Rotz - Der Porsche 911 Turbo war ein Sportwagen, der den Elite-Mittelsportwagen aus Italien in einigen Disziplinen deutlich überlegen war.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wenn Leute über den Porsche 911 schnöden, dann fällt schnell das Wort «Käfer». Zurecht, denn schliesslich geht das technische Grundlayout des Heckmotor-Porsches auf den ebenfalls durch Ferdinand Porsche mitentwickelten VW Käfer zurück. Und das tut es bis heute, obschon statt sechs luftgekühlten inzwischen (noch) dieselbe Anzahl wassergekühlter Zylinder in Boxer-Aufstellung ihren Dienst tun.

Natürlich hatte der Porsche 911 (oder 901) schon bereits bei seiner Vorstellung im Jahr 1963 einen deutlichen Abstand zum Käfer gelegt. Im Jahr 1974 distanzierte sich der erstmals in Serienform präsentierte 911 Turbo aber noch wesentlich deutlicher – mit viel Leistung und Sportlichkeit, ohne dabei die Alltagstauglichkeit zu opfern. Und katapultierte sich direkt in die Liga der Supersportwagen, wo der Porsche 911 Turbo mit Mittelmotorboliden vom Schlag eines Ferrari 365 GT/4 BB oder Lamborghini Countach konkurrierte.

Der Volkswagen unter den Supersportwagen

Nicht, dass ein Porsche 911 Turbo, auch 930 genannt, Mitte der Siebzigerjahre billig gewesen wäre. Für den Preis von DM 66’450 oder CHF 78’650 gabs damals immerhin auch sieben VW Golf zu kaufen, aber die Konkurrenten aus dem Süden waren eben nochmals deutlich teurer, lagen knapp unter der sechsstelligen Grenze (DM) oder sogar darüber (CHF).

Und spätestens beim ersten Wartungsdienst lernte man die bescheidenen sechs Zylindereinheiten schätzen, die dazu noch einigermassen gut zugänglich unter dem Heckmotordeckel sassen, während die Konkurrenz die doppelte Anzahl Zylinder (und Zündkerzen) bemühte und auch noch auf mühselig zu synchronisierende Vergasereinheiten setzte anstatt auf die einfachere Benzineinspritzung.

Alltagstauglicher als die Konkurrenz

Als Beinahe-Volkswagen entpuppte sich der Porsche 911 Turbo aber auch im Alltag. Denn er lief lammfromm an, erlaubte auch das Mitführen von (nicht zu grossen) Passagieren hinten oder das Einladen grösserer Gepäckstücke (auf der Hinterbank). Auch der Einstieg gelang deutlich einfacher, schliesslich war der Porsche rund 20 cm höher als die Mittelmotorflundern aus Italien.

Beim Parken bewährte sich die übersichtliche Form des 911 sowieso und der Turbo-Heckflügel vereinfachte das Rangieren, während man vor allem aus dem Countach kaum heraussehen konnte. An der Tankstelle gehörte man im Turbo sowieso zum Sieger, denn, obschon selber nicht unbedingt sparsam, schlug man die Zwölfzylinderkonkurrenz um 6 bis 10 Liter pro 100 km, was den Durchschnittsverbrauch anging.

Nicht viel langsamer als die Italiener

Selbst in den Fahrleistungen brauchte sich der Porsche nicht zu verstecken. Bis 160 km/h hielt er den Ferrari und den Lamborghini in Schach, erst bei sehr hohen Geschwindigkeiten spielten die Zwölfzylinder-Exoten die höhere Leistung zu ihren Gunsten aus. Und dass beim Porsche bei 250 km/h Ende der Fahnenstange war, während die Quartetthelden aus der Emilia-Romagna über 280 km/h liefen, war fast schon von akademischer Natur, denn damals war der Verkehr meist zu dicht für derartige Geschwindigkeiten. Dafür war er leiser als die Konkurrenz und somit angenehmer auf langen Strecken.

Wer sich heute in einen Turbo der ersten Serie setzt, wird sich weder über Leistungsmangel noch über ungehobelte Manieren beklagen müssen. Wer schon einen Porsche der früheren Jahre gefahren ist, wird auch mit dem Turbo zurechtkommen und optisch überzeugt er sowieso, vor allem in einer silberfarbigen Lackierung.

Weitere Informationen, Tonmuster und viele Fotos finden sich auf www.zwischengas.com.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fabian G. am 08.04.2017 10:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die älteren

    oder sogar schon die alten Autos sind wohl meistens immernoch die Schönsten.

    einklappen einklappen
  • autosammler am 08.04.2017 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unzahlbar

    die sind leider unzahlbar geworden. ich habe meinen noch für 35k gekauft. heute muss man 200k plus rechnen. tolles auto

    einklappen einklappen
  • Daniel W am 09.04.2017 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    Lob an B. v. Rotz

    Ich mag die Auto-Berichte von B. v. Rotz, prima, bitte weiterhin bringen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Brausefritz am 09.04.2017 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwie...

    wirkt bei dem "Beispielporsche", auf der Bildstrecke die Karosserie etwas verzogen, speziell von hinten. Oder hängt rechts hinten das Federbein etwas? Hat ein Porsche eigentlich Drehstäbe wie ein Käfer?

  • Mike Meier am 09.04.2017 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    Unterschiedliche Welten

    Ferrari/Lamborghini und Porsche sind komplett unterschiedliche Welten. Bringt nichts Äpfel mit Birnen zu vergleichen...

    • autosammler am 09.04.2017 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mike Meier

      so ist. Ferrari und Porsche habe viel bessere Renditen

    einklappen einklappen
  • Turbovic am 09.04.2017 15:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    egal welcher Porsche...

    911er sind für mich die schönsten Porsches und könnte ich es mir leisten würde ich nur Porsche fahren! aber ich bin auch mit meinem STI glücklich!

  • Gemischte Gefühle am 09.04.2017 14:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wem es denn gefällt

    Ich habe noch nie verstanden, was die Leute an einem Porsche schön finden. Mein Ästhetikempfinden wird von fast jedem Produkt aus besagtem Haus eher unangenehm berührt. Gleich geht es mir mit Käfer, TT und ähnlichem. Man weiss nie so recht, auf welche Seite es denn fahren soll.

  • namenloses elend am 09.04.2017 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    es ist und bleibt ein

    Frisierter Käfer

    • Nera2626 am 09.04.2017 23:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @namenloses elend

      Dieser Witz ist so alt, er bekommt bald Rente...

    einklappen einklappen