Mercedes-Benz 280 E

07. April 2018 10:03; Akt: 07.04.2018 13:05 Print

Der letzte echte Mercedes

von B. v. Rotz - Vor 34 Jahren wurde die neue mittlere Baureihe von Mercedes, intern W 124 genannt, vorgestellt. Sie hatte kaum noch etwas mit dem Vorgänger zu tun.

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Kaum hat man ihn im Alltagsverkehr gesehen, ist er schon ein Oldtimer oder Youngtimer. Die ersten W124-Mercedes fuhren schon vor über 30 Jahren auf unseren Strassen. Drei Generationen Mercedes-Mittelklasse: /8 (W114), W123 und W124 – alle mit 2,8-Liter-Einspritzermotor. Gemeinsam mit ihren Vorgängern ist der Hinterradantrieb, aber auch die Reihensechszylindermotoren für die schnelleren Varianten. Bereits nach der ersten Modellpflege entstand dieser 280 E, darauf weisen die sogenannten «Sacco-Bretter», also der Flankenschutz hin. Der Eindruck täuscht nicht – die Aussenspiegel links und rechts haben weder dieselbe Form noch sind sie gleich gross. Die Farbe heisst Beryll, sie steht der Limousine hervorragend – heute verlässt kaum mehr ein Mercedes die Produktion in einer derartig bunten Farbe. Funktionelles Interieur mit kompletter Instrumentierung – das Lenkrad ist nicht ledereingefasst, bei einem Neupreis von fast 60'000 Franken! Ungefähr 230 km/h schnell ist die 2,8-Liter-Limousine mit knapp über 190 PS. Die meisten Sechszylinder wurden mit Automatik ausgeliefert, hier aber darf man noch selber schalten – fünf Vorwärtsgänge sind vorhanden. Kein Leder, aber die Stoffsitze verströmen eine deutlich wärmere Note. 2,8 Liter Hubraum, zwei obenliegende Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, sechs Zylinder in Reihe – turbinenartiger Lauf und kaum Vibrationen. Der Stern sass noch bis zur zweiten Modellpflege im Jahr 1993 auf dem Kühlergrill, dann wanderte er auf die Motorhaube. Die Baureihe 124 wurde als Limousine, Coupé und Kombi (T-Modell) gebaut – hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1989. Der Nachfolger kam mit Baureihe W 210 und Vieraugengesicht – im Vergleich dazu der 1995 abgelöste W 124.

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Der W 124 trat ein gewaltiges Erbe an: Die Vorgänger-Baureihe W 123 war ein Besteller gewesen. Fast 2,7 Millionen Limousinen, Coupés und Kombis wurden von 1975 bis 1986 gebaut. Die Fahrzeuge, optisch konservativ gestaltet, waren so beliebt, dass Käufer teilweise mehrere Jahre zwischen Bestellung und Übernahme warten mussten. Die Ablösung dieses Erfolgsmobils war nicht einfach. Entsprechend bereitete man die Baureihe 124 mit langer Hand vor. Bereits im Herbst 1976 begann die Vorentwicklung. Acht Jahre vergingen bis zum Serienstart im Herbst 1984.

Der Mercedes-Benz der Baureihe 124 war ein komplett neu konstruiertes Auto, sogar die Motorenpalette wurde neu konzipiert. Auch optisch war der Fortschritt enorm. Natürlich gab sich auch der von Bruno Sacco und seinem Team eingekleidete W 124 mit seinem stattlichen Kühlergrill sofort als Mercedes zu erkennen, aber die Linien wirkten runder und vor allem aerodynamischer.

Im Windkanal war die neue Limousine mit cw-Wert 0.29 gemessen worden, ein damals sensationell tiefer Luftwiderstand, zumal er kaum negative Auswirkung auf die Funktionalität und die Übersichtlichkeit des Wagens hatte.

Komplett neue Sechszylinder

Das Gewicht des neuen Mercedes-Benz 200 konnte im Vergleich zu seinem Vorgänger bei kaum veränderten Aussenmassen (plus 1,5 cm in der Länge, minus 4,5 cm in der Breite) um 100 kg reduziert werden – und dies trotz massgeblicher Steigerung der Sicherheit, die derjenigen der grösseren und schwereren S-Klasse in nichts nachstand.

In der Baureihe W 124 kamen neue Sechszylindermotoren zum Einsatz, welche die 2,5- und 2,8-Liter-Varianten, deren Wurzeln bis in die Fünfzigerjahre zurückgingen, ablösten. Der neue Motor war trotz Beibehaltung der Reihenanordnung der Zylinder nicht nur kleiner, sondern vor allem deutlich leichter, was sich in einer Gewichtseinsparung von 42 Kilogramm äusserte.

Geburt der E-Klasse

1992 erschien der 280 E mit Vierventilzylinderköpfen und zwei Nockenwellen. Dieses Aggregat löste zusammen mit dem 320 E die 2,6- und die 3-Liter-Versionen ab. Am Heck wies die Bezeichnung 280 E auf den neuen Antrieb hin, dies allerdings nur bis zur Modellpflege 1993, denn ab jenem Zeitpunkt hiess die mittlere Baureihe von Mercedes offiziell E-Klasse und das E wurde der Hubraumbezeichnung vorausgestellt, womit am Heck nun E 280 stand.

Solid und irgendwie wie ein alter Kumpel, den man gut kennt, auch wenn man ihn über Jahre nicht mehr gesehen hat, wirkt der 280 E, wenn man sich heute hineinsetzt. Alles ist dort, wo es zumindest Mercedes-Kenner erwarten, sprich der Lichtschalter sitzt links vom Lenkrad, die Feststellbremse wird (auch beim Handschalter) mit dem linken Fuss bedient und mit der linken Hand gelöst.

Holzverkleidungen und freundliche Polsterstoffe machen den Innenraum heimelig, die übersichtlichen Armaturen und die deutlich beschrifteten Schalter sind funktionell.

Mehr Mercedes braucht niemand

Mehr Mercedes braucht kein Mensch, könnte man sagen und irgendwie stimmt es. Der gefahrene 25-jährige 280 E mit drei Erdumrundungen auf der Uhr jedenfalls meistert den modernen Autoalltag kaum schlechter als die semiautonom fahrenden Nachfolger. Und er dürfte deutlich besser altern über die nächsten Jahrzehnte. Nicht umsonst gilt die Baureihe 124, produziert von 1984 bis 1995, heute für viele Fans als der letzte richtige Mercedes – stabil, zuverlässig und (fast) für die Ewigkeit gebaut.

Weitere Informationen und viele aktuelle und historische Bilder zum Mercedes-Benz 280 E gibt es auf Zwischengas.com.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Brausefritz am 07.04.2018 14:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diese Artikel über Oldtimer...

    ...lese ich immer wieder gern! -Keine unreflektierten Hasstiraden gegen das Kraftfahrzeug als politisches Statement von ÖV-Fetischisten. -Keine, von Null-Ahnung dominierten negativen Sprüche über das Antriebskonzept Verbrennungsmotor -Kein unaufhörliches "Öko" hier und "Bio" da..

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  • Rudiwild@gmx.ch am 07.04.2018 14:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meinung als Benzfahrer

    Ja Bruno hat recht, der W 124 war ein hochwertiges Langzeitauto, mit Ausnahme der Lenkung "Kugelumlauf", des Hubscheibenwi. der schmierte. Karosserie noch hochwertig lackiert, dies änderte beim Nachfolger W 210, aber auch "C" Klasse ab 95 W202, W203, bis Ca. 2005, selbst "S" Klasse war betroffen. Falsche Sparmassnahme für ein ganzes Jahrzehnt ruinierte sich Mercedes sein sonst guten Ruf. Zum Glück hat man seit über 10 Jahren das ""Rostproblem"" im Griff bis wieder einer sparen will ???

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  • Spaniel am 07.04.2018 13:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das war ein Super Auto

    300000 km bin ich damit gefahren und habe ihn anschließend sogar noch verkauft. Allerdings mit 45000 km spendete mir MB einen fabrikneuen Motor völlig kostenlos. Eine Pleuelstange war gebrochen und hat sich durch den Motorblock. Verabschiedet. Ein Faustgroßes Loch im Motorblock war die Folge. Würde das Fahrzeug jederzeit wieder kaufen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Meliert am 01.05.2018 14:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reparaturanfällig

    Ich hatte eine neuer 260E W124 1986 gekauft, war ein tolles Auto mit dem 6 Zylinder und mit Katalysator, aber leider SEHR viele Reparaturen; Einspritzung, Servolenkung etc. defekt. Daher seit damals nie mehr ein MB gekauft.

  • Karin F. am 12.04.2018 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Bleibe beim W114er

    Ich liebe meinen W114er /8 250er/CE. Läuft und läuft und läuft.

  • Jürg am 10.04.2018 23:59 Report Diesen Beitrag melden

    Mängelkiste

    Ich erinnere mich daran, dass ein Kollege dieses Auto wegen der vielen Mängel verzweifelt verkauft hatte. Am Schluss wurde er noch von einem VW Käfer abgeschleppt.

  • Martial2 am 08.04.2018 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit MB waren stets sehr zufrieden...

    Wir besassen auch dieses Modell, eine der besten MB Limousine zu seiner Zeit. Kraftvoll, Robust, einwandfreies Finish, wie mans kann von Mercedes erwarten!

    • Nkeme Dubois am 09.04.2018 16:07 Report Diesen Beitrag melden

      Wie mans kann von Mercedes erwarten

      Genau das sagen wir hier in Uagadougou auch.

    • Martial2 am 09.04.2018 17:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nkeme Dubois

      In Uagadugu können sich die nur die Felgen leisten...

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  • Fred Vom Jupiter am 08.04.2018 15:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein super Auto

    Habe mir vor 2 Jahren einen 260E in machallitmetallic gekauft. Technik ist gemacht, jetzt braucht es noch ein wenig an der Aussenhaut, dann ist der wieder bestens. Motor läuft kaum hörbar und das Ding fährt wie eine Sänfte. Noch 3 Jahre und der ist ein würdiger Veteran.