Maserati Khamsin

24. Februar 2018 09:19; Akt: 24.02.2018 09:19 Print

Der schönste Keil der Siebzigerjahre

von B. v. Rotz - Der Nachfolger des Maserati Ghibli ist deutlich weniger bekannt und seltener als sein Vorgänger. Dabei konnte der Khamsin fast alles besser.

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Anfang der 1970er-Jahre waren Mittelmotor-Sportwagen das Gebot der Stunde. Lamborghini hatte mit dem Miura vorgelegt, Maserati folgte dem Trend der Zeit mit dem Bora und Ferrari mit dem 365 GT/4 BB. Doch es gab nach wie vor eine Kundschaft, die einen klassisch aufgebauten Granturismo schätzte, und natürlich bediente man diese auch gerne.

Als Nachfolger des 1973 auslaufenden Ghibli nahm Maserati den Khamsin ins Programm auf, der gleichzeitig mit Schwächen des Ghibli aufräumen und mit Teilen des neuen Firmenbesitzers Citroën in die Zukunft weisen sollte. Erstmals wurde der Khamsin 1972 in Turin als Prototyp gezeigt, ein paar Monate später erfolgte die Serienpremiere am Genfer Auto-Salon.

Von einem Meister seines Fachs

Begonnen wurde die Entwicklung im Jahr 1971 und es war Marcello Gandini bei Bertone, der die Linienführung entwarf. Bei identischem Radstand und vorne liegendem Motor schuf er ein keilförmiges Coupé, das kaum etwas mit dem von Giorgio Giugiaro gezeichneten Vorgänger, dem Maserati Ghibli, gemein hatte.

Die Seitenlinie stieg von vorn bis hinten stetig an, das Glashaus war sozusagen auf diese Grundlinie aufgesetzt. Um die Front tief zu halten, wurden Klappscheinwerfer verbaut. Die Überhänge waren relativ kurz, die Radhäuser von den Rädern mit der Dimension 215/70 VR 15 gut ausgefüllt.

Ein besonderes Detail, das Gandini von «seinem» Espada/Marzal übernahm, war die transparente Rückwand zwischen den Rücklichtern, die beim Khamsin sogar direkt in die Glaswand eingelassen waren.

Nicht allen gefiel der Khamsin damals auf Anhieb, doch lässt sich sagen, dass er gut gealtert ist und sich zu einem Design-Klassiker entwickelt hat. Er ist vielleicht das schönste Auto der Keilform-Ära überhaupt.

Bewährte Technik mit französischem Gewürz

Technisch hatte der Khamsin deutlich mehr mit dem Ghibli – beide Namen stehen für heisse, afrikanische Wüstenwinde – gemein, als das unterschiedliche Design erahnen liess. Der Motor mit 4930 cm3 kam direkt vom Vorgänger und leistete nun 320 DIN-PS bei 5500 Umdrehungen. Mit vier oben liegenden Nockenwellen und Leichtmetall-Block und Kopf war der V8 auf der Höhe der Zeit und gleichzeitig über Jahre gereift. Geschaltet wurde mit einem ZF-Fünfganggetriebe oder einer Borg-Warner-Dreigangautomatik.

Wer die Motorhaube öffnete, erkannte sofort einige Citroën-Bauteile. Deren Hydrauliktechnik sorgte nämlich für den nötigen Druck, um Kupplung, Lenkung und Bremse leichtgängiger zu machen. Selbst bei der Sitzverstellung half die Hydraulik. Was sich beim Citroën DS oder SM gut bewährt hatte, war allerdings manchem Sportwagenfahrern zu empfindlich.

Dies dämpfte die Erfolgschancen, und auch Erdölkrise und Rezessionen machten dem Khamsin das Leben schwer, sodass in zehn Baujahren bis 1982 nur knapp über 400 Exemplare entstanden.

Wie alter Wein

Wer sich heute in einen Khamsin setzt, vergleicht den Wagen mit ganz anderen Fahrzeugen, als die Autotester dies vor vierzig Jahren konnten. Direkte Lenkungen und massive Servo-Unterstützung sind heutzutage nicht mehr so ungewöhnlich wie damals, und bezüglich Übersichtlichkeit ist der Siebzigerjahre-Keil den meisten modernen Nachfahren auf jeden Fall überlegen. Einparkmanöver gehen dank dem verglasten Heck ganz besonders einfach vonstatten und auch die Kurbelei erfordert kaum Kraft. Schön ist er sowieso, oder etwa nicht?

Weitere Informationen, viele aktuelle und historische Fotos sowie vier Verkaufsprospekte zum Maserati Khamsin gibt es auf Zwischengas.com.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pfannkuchen am 24.02.2018 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    My Favorit

    Jedesmal wenn ich den Wagen sehe denke ich an die Zeit in den 1980er als ein solches Mod. absolut top Zustand bei Spreitenbach in einer Garage für CHF 24000.- zu haben war aber das Geld dafür nicht locker sass. Für mich ein absoluter Traumwagen.

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  • Markus am 24.02.2018 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wunderschöner Keil

    ..ich kann mich an den Formen dieses Autos fast nicht satt sehen. Wirklich wunderschön. Vielleicht liess sich Honda von dieser Heckscheibe für ihren CRX inspirieren?

  • frizz am 24.02.2018 12:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klare Sprache

    Wunderschöne, klare Liniengebung. Nichts zuviel. Irgendwie kann man heute - da Vieles derart überreizt daherkommt, auf der krampfhaften Suche nach Identität, Marktanteil - vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr erkennen. Zuviele Köche.....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sarawak am 25.02.2018 21:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Edel und schön

    Eines der schönsten und begehrenswertesten Autos die je gebaut wurden.

  • Martial2 am 24.02.2018 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Karre...

    Sehr elegantes Auto, gleicht ein bisschen dem Monteverdi, auch aus den 70er Jahre!

  • Äskolopollo am 24.02.2018 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Italowagen

    Super schöner wagen, dasselbe gilt auch für alfaromeo Gulia und stelvio für mich das schönste was es im Moment gibt sagt sogar ein Freund der eine Toyotagarage hat er würde das glatt kaufen das sind mal erliche Worte

  • Ronny C. am 24.02.2018 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Unterschätzte Marke

    Ich mag nicht nur die Marke, sondern besonders die Namen der Maserati. Quattroporte, passender geht's nicht für die grosse Limousine, aber auch Ghibli und Levante klingen irgendwie cool und interessanter als die üblichen Nummer- und Buchstabenkombinationen. Die Marke wird unterschätzt, hatte einen Ghibli als Mietwagen. Die Verarbeitung, früher oft ein Thema, war absolut super. Nichts knarzte, nichts rappelte. Die Materialien sind ebenfalls ok, die Chrysler-Schalter könnte man ersetzen, ist aber ein Detail und wohl was für die nächste Modellgeneration.

  • kuulerboi am 24.02.2018 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unweltschutz

    Bitte verbieten solche Cars die stossen zu viel Benzin aus. Niemand braucht so viele PS unnötig. Ist kein Verlust ist eh zu teuer für Normalverdiener deshalb verbieten pronto

    • Reto am 24.02.2018 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @kuulerboi

      Habe noch nie ein Auto gesehen, das Benzin ausstösst.

    • kuulerboi am 24.02.2018 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Reto

      sie wollen doch nur ihr teures auto beschütze. Ich meine logischerweise das Abgas dass alles zerstört

    • Reto am 24.02.2018 15:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @kuulerboi

      D.h., jedes Auto, dass du dir nicht leisten kannst, soll man verbieten? Wo fehlt es dir denn? Ich habe einen guten Job, verdiene gut, habe ein Auto in der 100'000 Klasse (bar bezahlt) - willst du mir jetzt sagen, was ich zu fahren habe?!

    • VW-Mech am 24.02.2018 15:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Reto

      Ich schon! - War eine wirklich gefährliche Situation bis der Motor kalt und wieder trocken war.

    • kuulerboi am 24.02.2018 15:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Reto

      Ja 100000 besser gespendet Sauerei ist das. Umweltverschmutzung!

    • Reto am 24.02.2018 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @kuulerboi

      Hast du schon mal Hilfe gesucht? Vielleicht kann man etwas machen. Allenfalls selbst mal etwas leisten, dann vergeht der Neid vielleicht.

    • louisIII am 25.02.2018 12:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @VW-Mech

      Als VW Mech kennst du dich ja aus damit!

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