Audi 50

08. Dezember 2018 10:10; Akt: 08.12.2018 10:10 Print

Der vergessene Geniestreich

von B.v.Rotz - Anfang der 70er beherrschten Franzosen, Briten und Italiener das Kleinwagengeschäft. Dann wurde der Audi 50 lanciert, der erste deutsche Mini.

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Ein Audi 50 GLS des letzten Baujahres im Abendrot. Nur vier Jahre lang wurde der Audi 50 gebaut, als VW Polo lebte er weiter Als moderner Kleinwagen hatte der Audi 50 natürlich eine Heckklappe und eine umklappbare Rücksitzbank. Nur 3,5 Meter lang war der Audi 50, dabei bot er Platz für 4 bis 5 Personen und eine ganze Menge Gepäck. Der Audi 50 erbte das Gesicht des Audi 80, das Design entstand bei Audi selbst, Bertone beriet in Details. 60 PS auf knapp über 700 Kilo reichen für Fahrleistungen, mit denen man auch heute noch im Alltagsverkehr mitschwimmen kann. Wie zierlich der Audi 50 war, sieht man auch im Vergleich zu modernen Fahrzeugen. Keineswegs ärmlich: Das Armaturenbrett war typisch für die Audi der 1970er-Jahre. Komplette Instrumentierung, aber kein Drehzahlmesser im Audi 50 GLS. Den Zigarettenanzünder gab es nicht für alle Modelle serienmässig, bei einigen zahlte man dafür einen Aufpreis. Querliegender Vierzylindermotor mit Querstromkopf, das Getriebe daran angebaut, unterschiedlich lange Antriebswellen für den Vorderradantrieb. Die vier Ringe von Audi schmückten natürlich auch den kleinsten Wagen. 4 1/2 Zoll grosse Stahlfelgen und verchromte Raddeckel – das war der Luxus der Zeit. Typisch für die Schweizer Modelle – der Kleber in drei Landessprachen. Als in der Schweiz noch Autoreifen hergestellt wurden: Die Reifen des Audi 50 stammen aus Pratteln und haben bis heute überlebt. So wurde für den Audi 50 geworben. Der VW Polo unterschied sich optisch nur marginal vom Audi 50.

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Die deutschen Autobauer hatten den Kleinwagen lange Herstellern wie British Leyland, Fiat oder Renault überlassen. Doch 1974 wendete sich das Blatt, der Audi 50 erschien.

Im Juli 1971 begann die Entwicklung, im September 1974 wurde das neue Modell präsentiert. Dass man in nur drei Jahren ein komplett neues Modell, dazu noch mit einem neuen Motor, hatte entwickeln können, löste damals einiges an Bewunderung für die fleissigen Autoentwickler aus.

Modern und vielseitig

Mit querliegendem Vierzylinder, Vorderradantrieb und Schrägheck samt Heckklappe folgte man zwar bereits bewährten Pfaden, vieles machte man aber anders als die Konkurrenz, manches auch besser. Und das auf nur 3,5 Metern Länge. Bei der Sicherheit machte man keine Kompromisse, denn alle europäischen Anforderungen wurden erfüllt.

Als Motor kam ein Vierzylinder mit Querstromkopf und 1093 cm3 zum Einsatz, der je nach Modell und Spezifikation zwischen 50 und 60 PS bei 5800/6000 Umdrehungen entwickelte. Das mit dem Motor verblockte Getriebe wies vier Gänge auf und verteilte die Kraft über zwei ungleich lange Antriebswellen auf die beiden Vorderräder.

Während die Vorderräder an McPherson-Federbeinen aufgehängt waren, sorgten hinten gezogene Längsschwingen mit Federbeinen für die unabhängige Radführung. Scheibenbremsen vorne und Trommelbremsen verzögerten den Wagen. Eine Zahnstangenlenkung komplettierte die moderne Konstruktion.

Die selbsttragende Karosserie hatten die Ingolstädter auf Leichtbau getrimmt, das Ergebnis waren ein Leergewicht von 685 Kilogramm. Die Vorserienautos waren noch leichter gewesen. Es war die relativ umfangreiche Ausstattung, die auf das Gewicht schlug.

Hochwillkommen

Die gesamte deutschsprachige Autopresse brannte natürlich darauf, den ersten deutschen Mini der Neuzeit zu testen. Die Resonanz war überwiegend positiv: Der kleine Audi kam gut an.

Der Audi 50 zeigte sich aber nicht nur als Auto mit guten Eigenschaften, sondern auch als zuverlässiges Alltagsfahrzeug. Im Dauertest bei «Auto Motor und Sport» kam der Kleinwagen praktisch problemlos über die 50'000 km.

Es gab Nachahmer

Im März 1975 – zu diesem Zeitpunkt waren bereits etwa 43'000 Audi 50 verkauft – erschien dann der VW Polo, zunächst mit einer 895 cm3 und 40 PS starken Sparmotorisierung. Überhaupt war der Polo (zunächst) klar unterhalb des Audi 50 positioniert, davon zeugten die billigen Türverkleidungen, viel sichtbares Blech im Innern und eine Sparausstattung, wie sie ein Buchhalter nicht besser hätte erfinden können.

Den Käufern schmeckte der Spar-Polo nicht, sodass Wolfsburg den VW-Mini zunehmend aufwertete. Er wurde dem Audi immer ähnlicher (abgesehen vom Markenzeichen) und verdrängte jenen schliesslich aus der Modellpalette der Ingolstädter, die man auf grössere und luxuriösere Autos fokussieren wollte.

1978 verliess der letzte Audi 50 das Werk, insgesamt wurden 180'812 Exemplare gebaut. Der Polo aber wurde gepflegt und bis heute in immer verbesserten Baureihen gebaut. Bei Audi sorgte erst der A2 und später der A1 für eine Fortsetzung, während der Audi 50 fast vergessen ging.

Leichtfüssiger Kamerad

Dass der Audi 50 leicht gebaut war, spürt man sofort, wenn man die Türe schliesst. Ärmlich aber wirkt er sicher nicht, dafür sorgen angenehme Stoffsitze, viel Teppich und ein Holzfurnier rund um das Instrumentenbrett. Mit manueller Choke-Hilfe wird der Vierzylinder zum Leben erweckt. Der kompakte Wagen fährt sich leicht und locker, dank guter Übersichtlichkeit und kompaktem Abmessen ist er gerade im dichten Verkehr angenehmer als mancher modernere Mini.

Weitere Informationen, technische Daten, viele Bilder, den Verkaufsprospekt und eine Geräuschprobe gibt es auf www.zwischengas.com.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kleinwagenfahrerin am 08.12.2018 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    reicht vollkomen

    airen in dieser bauart ohne schnickschnack würden auch heute noch vollkommen reichen, um von a nach b zu kommen. all diese 2tonnen-kisten und suv sin überflüssig. gruss von einer leidenschaftlichen kleinwagenfahrerin

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  • Realistischer Darwin am 08.12.2018 11:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Modellbau-Felgen?

    In der Bildunterschrift sind die Felgen mit 4 1/2 Zoll angegeben. Das wären dann wohl Felgen aus dem Modellbau...

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  • Jan Grauert am 08.12.2018 11:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Waren geile Zeiten...

    Mein Lehrlingskollege wollte den 50er gerne, aber das reichte leider nicht u konnte sich dafür aber den fast gleich aussehenden Polo leisten. Ob Audi oder VW, vergleicht man mit heute, war das früher mehr Blech auf Rädern, aber man konnte damals alles selber reparieren. Heute muss man nicht nur studiert haben, sondern braucht auch passendes Werkzeug.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rängdängdäng am 09.12.2018 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    Kenner fahren DKW

    Noch besser waren die Audi Vorläufer von DKW. Zweitakter ( keine Ventile), Thermosyphon (keine Wasserpumpe), stabiler Kastenrahmen und keine Elektronik.

  • sc am 09.12.2018 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gibt's nicht mehr

    als Audi noch gut war...

  • Ronny C. am 09.12.2018 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    Alles old school oder was ?

    Sind hier alle im Rentenalter, oder warum hat hier jeder zweite persönliche Erfahrungen mit diesen alten Blechbüchsen ? Ich kenne diese Waggen nur von Youngtimertreffen, die ich mit meinen Kids besuche ;-)

    • Dumby am 09.12.2018 15:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ronny C.

      Ehm...schon mal was von Sammlern gehört? Die gibts in jedem Alter!

    • Hebamme am 09.12.2018 21:43 Report Diesen Beitrag melden

      Alterssex

      Glückwunsch wenn Mann mit 65 noch Kinder zeugen kann.

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  • Dani Fäh am 09.12.2018 12:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Audi 50 GLS mein erstes Auto!

    Da kommen Erinnerungen auf! Der Audi 50 war mein erstes Auto. Gefolgt von einem Derby, der Stufenheckvariante. Entgegen der Bildbeschreibung gab es sehr wohl einen Drehzahlmesser , allerdings als Zusatzausstattung gegen Aufpreis. Ich hatte bei meinem den originalen Drehzahlmesser nachgerüstet. Leider sind diese Klassiker nahezu von der Bildfläche verschwunden.

  • Kück am 09.12.2018 12:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopieren wie heute auch

    interessant wie dieser Audi dem Golf GTI gleicht