Super Fiats

06. Juni 2015 13:04; Akt: 06.06.2015 13:04 Print

Die Kraftzwerge des Carlo Abarth

von Bruno von Rotz - Carlo Abarth baute Rennwagen, mit denen man unter der Woche zur Arbeit fahren konnte. Bis heute steht der Name Fiat-Abarth für alltagstaugliche Kraftzwerge.

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Dreimal Abarth, links der Fiat-Abarth 595 SS von 1969, rechts der moderne Abarth 695 biposto, im Hintergrund der brachiale Fiat-Abarth 1000 TCR von 1970. Rund 160 PS, aber auch über 500 kg treffen den Fiat-Abarth 595 SS aus dem Jahr 1969 vom modernen Nachkommen 695 biposto - der Kraftzwerg dazwischen allerdings leistet über 110 PS bei weniger als 600 kg Gewicht. Die beiden Kraftzwerge rechts sind zwar nicht wesentlich kürzer als der moderne 695 biposto, aber deutlich schmäler und niedriger. Mit klassischem Motortuning und Hubraumvergrösserung trimmte Carlo Abarth den Fiat-Abarth 595 SS auf 32 PS. Keine Chance hätte der über 45 Jahre alte 595 SS gegen den modernen 695 biposto, 32 PS stehen 190 Pferdestärken gegenüber. Deutlich aufgewertetes Fiat 500 Cockpit im 595 SS, auf Schalensitze musste man aber verzichten. Luftgekühlte zwei Zylinder und knapp 600 cm3 Hubraum reichen für 32 PS im 595 SS, Käfer und Konsorten hatten da keine Chance. Eigentlich ein reinrassiger Rennwagen, der Fiat-Abarth 1000 TCR von 1970, eine Strassenzulassung war aber möglich. Unter der Verkleidung vorne verbergen sich Öl- und Wasserkühler, der Fiat-Abarth 1000 TCR kostete rund das Sechsfache eines normalen Fiat 600. Die «Berlina Corsa» hebt schon mal ein Beinchen, wenn sie beherzt gefahren wird. Renntechnik und Ausstattung, Schalensitze und Beinstützen für besseren Seitenhalt im 1000 TCR. Eine Verdichtung von 12:1 ermöglichte 112 PS bei 8200 Umdrehungen, mit dem Serienaggregat hatte die Radiale-Maschine kaum mehr etwas gemeinsam. Im Geiste ist der moderne Abarth 695 biposto ein Nachfahre des Fiat-Abarth 1000 TCR. Die Verwandschaft mit dem heutigen Fiat 500 weist auf Frontmotor und Frontantrieb hin. Mit all den rennsportlichen Extras wird der 695 biposto zum 79000 Franken teuren Kurvenräuber für die Rennstrecke. Rennsportatmosphäre verströmt der 695 biposto auch im Innern, Klauenschaltgetriebe, Stoffgriffe zum Türenschliessen. Kein Glas sondern Kunststoff für die Seitenfenster, aber mit voller Strassenzulassung - nur über derartige Extremlösungen liessen sich die 990 kg Leergewicht beim 695 biposto erreichen. Auf eine offene Motorklappe kann der moderne 695 biposto verzichten - muss er auch, denn der Motor sitzt ja vorne.

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Von 1950 bis 1971 baute Carlo Abarth über 200 verschiedene Autotypen und seine Fahrzeuge siegten in über 7000 Rennen. Grund genug also, zwei seiner Erfolgsmodelle mit einem modernen Nachfolger zu vergleichen. Ein 595 essesse, ein 1000 TCR (Berlina Corsa) und ein 695 biposto traten zum gemeinsamen Termin auf der Rennstrecke an.

Er wirkt klein und zierlich, doch Carlo Abarth wusste auch aus dem Kleinwagen Fiat 500 einen konkurrenzfähigen Pistenräuber zu bauen. Mehr Leistung gab es durch klassisches Tuning. Beim Modell 595 SS lagen so 32 PS an der Hinterachse an. Das mag nach nicht viel klingen, damals aber reichte diese Leistung, um Standard-Minis oder Käfer hinter sich zu lassen, zumal der Wagen nur 470 kg wog.

Heute staunt man über die guten Manieren des kleinen Sportlers, der bezüglich Laufkultur, Geräusch und Fahrbarkeit wenig an einen Rennwagen erinnert.

Rennmässige 600er-Varianten

Als der Fiat 600 Ende der Fünfzigerjahre erschien, gab es schon bald leistungsgesteigerte Abarth-Varianten, zuerst als 750, später als 850 und als 1000. Die berühmtesten waren die auf die Gruppe 5 zugeschnittenen «Berlina Corsa»-Modelle, die von 1965 bis 1971 fast zum Mass aller Dinge wurden. 982 cm3 Hubraum reichten zuerst für 80, später für 85, 90 und schliesslich für 112 PS.

Auch äusserlich gaben sich die schnellsten 600er-Derivate deutlich zu erkennen, denn vorn sassen grosse Öl- und Wasserkühler hinter einer auffälligen Kunststoff-Verkleidung, hinten verlängerte die ausgestellte Motorhaube (und bei einigen Modellen eine fest montierte Karosserieverlängerung aus Kunststoff) den Aufbau und sorgte gleichzeitig für einen tieferen Cw-Wert und mehr Höchstgeschwindigkeit.

Schon nach kurzer Fahrt wird klar, warum diese Abarth-Modelle die Konkurrenz in Grund und Boden fahren konnten. Der kompakte und leichte Wagen lenkt spontan ein und verfügt über hervorragende Traktion.

Vom Charakter her fühlt er sich aber auf der Rennstrecke deutlich wohler als im Alltag. Verwertbare Leistung liefert der Motor nur zwischen 4500 und 8500 (oder mehr) Umdrehungen, die Lenkung reagiert direkt, die Bremsen packen beherzt zu. Die harte Federung und das niedrige Gewicht von weniger als 600 kg machen den nur 353 cm langen und 142 cm breiten Wagen wieselflink in engen Gassen.

Kompromiss im modernen Urenkel?

Schafft der moderne Fiat-Abarth 695 biposto den Spagat zwischen Rennstrecke und Alltag? Auf einem Rundkurs, vor allem wenn dieser eng und kurvig ist, fühlt er sich auf jeden Fall wohl. Die Gänge flutschen je besser hinein, umso zackiger man den Schalthebel bewegt, wenn gewünscht dank rennsportbasierter Klauenschaltung auch ohne Kupplungsbetätigung.

Die Bremsen beissen beinahe in den Asphalt und das Fahrverhalten wirkt trotz Vorderradantrieb sehr neutral, wenn auch eine Tendenz zum Untersteuern nicht zu verheimlichen ist. Keine Frage, auch Anfänger können mit dem modernen biposto schnell fahren. Spass macht es auf jeden Fall.

Und im Alltag, beim Weg zum Bäcker? Nun, natürlich erfüllt der moderne 695 auch diese Aufgabe, aber mit seinen günstigeren Brüderchen kann er bezüglich Komfort und Alltagsausstattung nicht mithalten, zumal Klimaanlage und Stereomusik genauso fehlen wie grosse Seitenfenster zum Öffnen.

Der Fiat biposto ist im normalen Verkehr komfortabler zu fahren als sein Vorgänger 1000 TCR, aber vom Charakter her ist der «kleinste Supercar», wie ihn Abarth nennt, ein Freizeitfahrzeug, das zwar problemlos auf der Strasse zur Rennstrecke gefahren werden kann, sich dort (oder auf der verkehrsarmen Passstrasse) aber wohler fühlt als im Grossstadtverkehr.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Noah am 06.06.2015 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    45'000

    Der 695 Biposto gefällt mir sehr. Aber 79'000 Fr. sind zuviel! In Deutschland ist der Rennzwerg für 45'000 erhältlich und da Euro und Franken momentan gleichviel wert haben würde ich ihn in Deutschland kaufen!

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  • Franz Treller am 06.06.2015 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fiaaaaat

    Tolles Auto.... Ich mag die neue 500er familie von fiat

  • Stephan am 07.06.2015 10:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin kein Fiat Fan

    doch einem 500 Abarth schaue ich fast jedesmal hinterher. Sein Geräusch beim beschleunigen ist einfach nur gute Musik für meine Ohren:)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dan Grey am 07.06.2015 23:55 Report Diesen Beitrag melden

    Würgereflex

    Elefantenrollschuh (Seitenansicht) Oder Kaulquappe? ( Front) Schwer zu sagen, aber Fiat war schon immer Meister im hässliche Autos produzieren... Multipla lässt grüssen.

  • Rolf Stüssi am 07.06.2015 23:07 Report Diesen Beitrag melden

    schrecklicher Lärm

    Hab nun ein paar mal einen solchen kleinen Lärmmachen gehört. Solche Autos haben auf den öffentlichen Strassen nichts zu suchen. Absolut nicht akzeptabel wie laut und schrecklich die tönen.

  • André Gubelmann Brasilien am 07.06.2015 21:57 Report Diesen Beitrag melden

    VW gegen Fiat

    In Brasilien sieht man VW-Käfer und VW-Brasilia noch einige auf der Strasse.....alle über 30-40 Jahre alt.Aber leider kein Fiat in der Altersklasse.Warum.......

  • V8-Power am 07.06.2015 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrshindernisse

    Solche Kisten pule ich täglich aus dem Kühlergrill meines Jeep Grand Cherokee SRT8.

  • Alex am 07.06.2015 20:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lahme Kisten

    Also wenn ich mir je einen Kleinwagen kaufen will (was sicherlich nichz der Fall ist) dann würde ich nicht den Rost nehmen, sondern einen Mercedes A45 AMG oder einen BMW M135i.

    • a.p. am 07.06.2015 21:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      div. klassen

      sie verwechseln kleinwagen mit kleinstwagen:-)

    • Feuertopf am 07.06.2015 22:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Naja

      Die Bonsaimodelle von Mercedes und BMW sind aber auch nixht gerade ernstzunehmen...

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