AMC Gremlin

18. Januar 2015 12:55; Akt: 18.01.2015 12:55 Print

Die amerikanische Antwort auf den VW Käfer

von Bruno von Rotz - Was haben Al Bundy, Bill Clinton und George W. Bush gemeinsam? Sie fuhren alle einen AMC Gremlin. Was für ein Auto!

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«Ganz schön schräg» ist ein häufiger Kommentar, wenn man in einem AMC Gremlin auftaucht. Und die Leute meinen damit nicht die Linienführung des Hecks, sondern eher das ganze Auto. Die ungewöhnliche Form machte den Wagen zum Kultobjekt.

Ende der Sechzigerjahre machten sich die amerikanischen Hersteller zunehmend Gedanken darüber, wie sie der stetig wachsenden Konkurrenz aus Übersee begegnen sollen. Die Importfahrzeuge stillten insbesondere den Hunger jener US-Autofahrer, die sich kompaktere Wagen wünschten. Nach einigem Zögern beschloss Detroit zu reagieren. Die Nase vorne hatten aber nicht die Grossen wie Ford oder GM, sondern die American Motors Corporation (AMC).

Entworfen auf einer Kotztüte

Bereits 1966 diskutierten AMC-Designchef Richard A. Teague und Designer Bob Nixon eine Kurzversion des Javelin. Auf einem gemeinsamen Flug skizzierte Teague das abgeschrägte Heck auf einen der Beutel, die im Flugzeug zur Verfügung stehen, wenn es einem schlecht wird. Die Form führte dann zum AMX GT, der als Konzeptfahrzeug an der New York International Auto Show im April 1968 gezeigt wurde.

Aus Kostengründen musste man dann für die Produktionsvariante auf bestehende Technik und Teile zurückgreifen – und so entstand die endgültige Version auf Basis des AMC Hornet, dessen Radstand man um fast 30 cm kürzte. Bis zur A-Säule waren Gremlin und Hornet praktisch identisch, ab da aber setzte ein eigenständiges Design ein, dessen Besonderheit das schräge Kurzheck war.

Die Gesamtlänge betrug 4,09 Meter, war also direkt mit der eines VW Käfers vergleichbar, die Breite blieb aber bei fast 1,8 Meter. Das Einstiegsmodell verfügte nur über zwei Sitze und über einen nur von innen zugänglichen Kofferraum, teurere Varianten hatten auch eine knappe Fondsitzbank und ein Heckfenster, das den Zugang zum Gepäck freigab.

Doppelte Weltpremiere und günstige Preise

Erstmals öffentlich präsentiert wurde der «erste Kleinwagen Amerikas» am Genfer Automobilsalon im März 1970, aber die Amerikaner feierten natürlich den Auftritt in New York einen Monat später als Weltpremiere.

Die Enthaltsamkeit bei der Konstruktion – man hätte auch von einer Plattform-Strategie sprechen können – schlug sich in unschlagbaren Preisen nieder. 1879 Dollar kostete die zweisitzige Einstiegsvariante im Jahr 1970, damit war der AMC Gremlin der günstigste Wagen aus amerikanischer Produktion und lag auf gleicher Ebene wie der Käfer. Mit dem Gremlin erhielt man aber 2,5-mal mehr Kraft, ähnliche Platzverhältnisse und sogar noch einen engeren Wendekreis.

Das Feedback war generell wohlwollend und die meisten Kritiker konnten auch dem ungewöhnlichen Styling einiges abgewinnen. Das Paket aus Kompaktheit und gleichzeitig amerikanischer Fahrkultur kam an.

Neue Konkurrenz

Dem Gremlin wurde das Feld natürlich nicht kampflos überlassen. Ein Jahr nach seiner Lancierung brachte Ford den Pinto, GM zog mit dem Vega nach. 1974 präsentierte Volkswagen den Golf, der in den USA Rabbit hiess. Diese Wagen übertrumpften den kompromissbehafteten Gremlin bezüglich Raumausnutzung und Treibstoffökonomie.

So musste der kurze AMC 1978 nach 671'475 gebauten Wagen, von denen die meisten einen Sechszylinder, einige aber auch einen Audi-Vierzylinder oder einen V8 unter der Haube hatten, wieder abtreten. Nach Europa schafften es nur wenige Exemplare.

Weitere Informationen, Fahreindrücke, technische Daten und viele Bilder finden sich auf zwischengas.com.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • No Mam am 18.01.2015 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Al Bunfy Auto

    Al Bundy fährt doch nicht einen Gremlin on AMC.. Al Bundy fährt einen Dodge.

  • a.fo am 18.01.2015 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    AMC toll

    Schade um American Motors. Sie haben tolle amerikanische Autos produziert. Super Design, gute Qualität. Leider war die Firma zu klein um zu Überleben.

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  • Ronny C. am 18.01.2015 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    Flops haben Charakter

    Schön ist anders aber wer so ein Teil hat, der soll es hegen und pflegen. Ich habe auch ein paar halbwegs schräge Exoten um nicht zu sagen Flops : Mustang 2 Mach 1 - Variante, Delorean DMC 12 und einen Fisker Karma EVer. Alles weit weg vom Mainstream, nicht gross gefragt und deshalb bezahlbar und irgendwie erhaltenswert. Den Karma benutze ich sogar als Daily Driver im Sommer.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Leser am 20.01.2015 00:12 Report Diesen Beitrag melden

    Nettes Auto

    Das ist ja ein nettes Auto, aber 5 Liter Hubraum, 8 Zylinder und nur 150 PS und eine 3-Gang-Automatik - das verspricht nicht gerade viel Fahrspass...

  • Andrew am 19.01.2015 20:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meiner

    Hat irgendwie eine ähnlichkeit mit dem Honda Civic V-tec ED9 aus dem Jahre '91, einfach leider ohne V8

  • Bonita am 19.01.2015 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ola

    Amber Rose gefällt mir besser

  • Zack am 19.01.2015 15:04 Report Diesen Beitrag melden

    Cool

    Ein ganz cooles Auto mit eigenem Charakter.

  • DeBa am 19.01.2015 15:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr selten

    Wer möchte einen Gremlin kaufen? Besitze genau den gleichen Gremlin mit seltener "X" Ausstattung. Einfach melden, deine Chance!

    • Clever-Smart am 19.01.2015 16:03 Report Diesen Beitrag melden

      Du bist auf

      Falsche Seite... Schau mal auf autoricardo.ch, da kannst du deinen Gremlinanbieten ;-)

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