Renault 5 Turbo

27. Dezember 2015 09:50; Akt: 27.12.2015 09:50 Print

Ein PS-gewaltiger Wirbelwind

von B. v. Rotz - Er war fast doppelt so stark wie alle anderen Renault 5 und 23 cm breiter. Sein Motor sass hinten und er konnte es locker mit 911, Quattro und Co. aufnehmen.

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Geboren für die Rallye-Piste, aber Spass bereitet der Renault 5 Turbo auch auf normalen Strassen und innerhalb der Geschwindigkeitslimiten. Kurze Überhänge, kompakte Statur - die Silhouette entspricht den «normalen» Renault-5-Modellen. Die hinteren ausgestellten Kotflügel prägen die Optik - 23 cm breiter wurde der R5 Turbo deswegen. Hinter der Besatzung gibt es nur Motor und ganz wenig Kofferraum. Die Scheiben waren dünner, die Türen aus Aluminium, die hinteren Kotflügel aus Kunststoff - Leichtbau der Siebzigerjahre. Das Ergebnis: 970 kg. Mit den breiten Reifen und dem gesenkten Schwerpunkt wirkt der 5 Turbo richtig kräftig. Die wilden Siebzigerjahre zeigen sich im Innern des R5 Turbo - die Gestaltung erfolgte bei Bertone, und vor Farben hatte man keine Angst. Auch das Cockpit war individuell gezeichnet, der ab 1982 gebaute Renault 5 Turbo 2 übernahm dann die Interieurgestaltung des normalen R5. 240 km/h schnell war der R5 Turbo nicht, dazu war die Aerodynamik zu schlecht. Aber bis 160 km/h kamen damals nicht viele Gegner mit. Der Vierzylindermotor ist längs eingebaut und nimmt praktisch den ganzen Raum hinter der Besatzung ein. Für einen kleinen Kofferraum reicht es doch noch. Wärmeempfindlich sollte das Transportgut nicht sein - und allzu gross auch nicht, wie man am Vergleich mit einem A4-grossen Magazin sehen kann. Fronthaube mit Kühlauslass und Renault-Rhombus. Der Renault 5 Turbo verfügte natürlich über einen Turbolader. Was hätte man von einem Hersteller, der den Turbo in der Formel 1 salonfähig machte, auch anderes erwarten können. Vorserienversion des Renault 5 Turbo Serienmässig verfügte der Renault 5 Turbo über ein derartiges Kunststoff-Lenkrad, das optisch sicherlich Zeichen setzte. Der Renault 5 Turbo am Bergrennen Arosa ClassicCar 2015. Eine Rallye-Version des Renault 5 Turbo am Eifel Rallye Festival 2013. Die berühmtesten und erfolgreichsten Renault-5-Turbo-Fahrer - Jean Ragnotti (rechts) und Jean-Marc André gewannen unter anderem die Rallye Monte Carlo im Jahr 1981.

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Ende der 1970-Jahre gingen die Zeiten des Lancia Stratos zu Ende und seriennähere Ford Escort oder Fiat 131 rückten mit ihren Rallye-Siegen ins Rampenlicht. Bei Renault aber glaubte man an die Stratos-Konzeption und stellte 1980 ein Rallye-Basisgerät mit Mittelmotor vor, den R5 Turbo.

Die Entwicklung begann 1976, ein Prototyp wurde in Paris im Oktober 1978 gezeigt, 1980 stand die Serienversion in den Startlöchern.

Mittelmotor

Frontantrieb war aus Sicht der Entwickler genauso wenig eine Option wie ein vorne liegender Motor, denn der Wagen sollte agil und traktionsstark sein, an Allradantrieb dachte man 1976 noch nicht. Vier Zylinder und 1,4 Liter Hubraum mussten reichen, wurden mit Turbolader aber in strassentaugliche 160 und für Renn- und Rallye-Zwecke in über 350 PS umgewandelt.

Zwar griff man bei der Grundkarosse auf die Basis des Renault 5 zurück, doch wurde mit der Motorverpflanzung kaum ein Stein auf dem anderen belassen. Bei der Vorderradaufhängung konnte man mit Dreieckslenkern noch auf den R5 Alpine zurückgreifen.

Für die Hinterräder, die vom längs und mittig eingebauten Vierzylinder über ein Fünfganggetriebe angetrieben wurden, gelangte aber eine Neukonstruktion mit Doppelquerlenkern zum Einsatz. Dicke TRX-Reifen sorgten für Seitenführung. Gelenkt wurde servolos, gebremst über kräftige Scheiben an allen vier Rädern.

Für die Umgestaltung der Karosserie wandte man sich an Bertone und dort schwang Marcello Gandini seinen Zeichenstift. Die dicken Koftlügel, die Karosserieapplikationen und das bunte Interieur gehen auf das Konto des italienischen Designhauses.

Agiler als Quattro und 911

Die Zeitschrift «Auto Motor und Sport» verglich den Renault 5 Turbo 1982 mit konzeptionell unterschiedlich aufgestellten Sportwagen wie Audi Quattro, Porsche 911, Porsche 944 und Mercedes-Benz 500 SL. Der Renault war fast in allen Disziplinen der Schnellste, gefolgt vom 911.

Bei der Beherrschbarkeit wendete sich allerdings das Blatt, denn auch die Testfahrer monierten starke Lastwechsel und die schwierig zu kontrollierende Agilität um die Mittelachse beim R5 Turbo. Die deutlichen Vorteile des Renaults bei Querbeschleunigung, Wedeln und Slalom bewiesen aber, dass der französische Hersteller mit dem Mittelmotorkonzept den richtigen Entscheid getroffen hatte.

Rallye-Gene im Alltag

Dass man es mit einem für den Rennsport geborenen Wagen zu tun hat, spürt man bald nach dem Einstieg, spätestens aber dann, wenn man den Aussenspiegel einrichtet und die breiten Kotflügel hinten wahrnimmt. Entgegen den Befürchtungen startet der Motor einwandfrei und verfällt in einen ruhigen Leerlauf. Von hinten vernimmt man ein dumpfes Pochen, bei offenem Fenster hört man das Böllern des Auspuffs.

Die Sitzposition stimmt, Pedale und Schalthebel sind genau richtig positioniert. Die Gänge lassen sich exakt schalten, nur vom Temperament spürt man zunächst wenig, bis der Turbolader richtig ins Atmen kommt. Sind 3000 U/min überschritten, zieht ein Orkan durch das Triebwerk und man kommt kaum nach mit Schalten. Das macht Spass!

Es ist die Handlichkeit, die echte Freude am Fahren macht. Gerade einmal 3,7 Meter Aussenlänge, kurze Überhänge und eine übersichtliche Kabine sowie gute Sitze erlauben ein exaktes Kontrollieren des R5. Man glaubt gerne, dass die meisten Konkurrenten Mühe hatten, ihm zu folgen, wenn er von kundiger Hand auf kurvigen Strecken gemeistert wurde.

Weitere Informationen, viele Bilder und ein Tonmuster finden sich auf www.zwischengas.com.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andreas am 27.12.2015 09:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Stück Autogeschichte

    Wirklich ein super Klassiker unter den Autos! Eine Meisterleistung von Renault.

    einklappen einklappen
  • Röönooooh am 27.12.2015 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Absoluter Kult

    Uhhh.. wie ich meinem R5 Turbo nachtrauere.. ich hab so ein Ding gefahren in den 80-ern. War andauernd kaputt.. aber die kurzen Phasen zwischen zwei Pannen war einfach "geil".. smile.. "Chip-Tuning" machte man mit einem 20 Rappen-Stück das man unter die Feder des "Blow off Ventiles" klemmte um der Feder mehr Vorspannung zu geben - undenkbar heutzutage.

  • Cerbi79 am 27.12.2015 10:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dicke Berta

    Man nannte den R5 auch die dicke Berta :)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Denise Dubler am 02.01.2016 11:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein Erster

    Mein erstes Auto war ein weinroter R5 Turbo. 17 Jahre alt, mit Joke und ohne Servolenkung, ABS, etc. Ging aber ab auf der Autobahn. Habe locker jeden Neuwagen damit überholt. Werde ihn nie vergessen. War ein perfektes erstes Auto. Der Wendekreis war übrigens auch sehr geil. Mit dem konnte man fast auf der Stelle wenden.

  • Sarawak am 02.01.2016 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Auto

    Da war nur noch fliegen schöner. Auch war die Stimmung in der Bevölkerung gegen Autos nicht so negativ wie heute.

  • Marquez am 31.12.2015 17:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Renault 5 Turbo

    Das ist ein Traum von jedem Autofan!

  • Francis am 30.12.2015 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    Turbo vs. Turbo 2

    Zur Info, einen R5 Turbo 1 hat es nie gegeben. Er hiess einfach R5 Turbo. Der Renault 5 Turbo wurde von Mitte 1980 bis Ende 1982 produziert 1687 Stück, danach folgte ihm der Renault 5 Turbo 2, der bis Ende 1985 gebaut wurde 3084 Stück. Danach kamen noch 200 Stück Turbo2 "8221" die leicht modifiziert für den Rally Sport wurden. Der Turbo 2 hatte die Innenausstattung des R5 Alpine Turbo und einige Karosserieteile waren nicht in Wagenfarbe sowie eine geänderte Vorderachs Aufhängung. Deshalb war der 2er auch ca. 10000.- CHF günstiger als der Turbo.

  • Gian am 30.12.2015 09:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    R5 Turbo forever

    Man kann auch heute noch Töfffahrer ins Staunen versetzen wenn man ihnen voraus über einen Pass fährt.