Zimmer Quicksilver

18. Januar 2020 11:38; Akt: 18.01.2020 11:38 Print

Ein exzentrisches Coupé aus Florida

von Daniel Koch - Die Amerikaner nennen sie Neoklassiker. Für unsere europäischen Augen muten die Kreationen von Paul Zimmer eher etwas kitschig an.

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In die Ruhmeshalle des Autodesigns hat es der Zimmer Quicksilver zwar nicht geschafft, aber er ist dennoch ein Hingucker. Sein Design polarisiert. Für den europäischen Geschmack ist er vielleicht etwas zu opulent gezeichnet, aber originell ist er allemal. Zimmer spielte Mitte der Achtzigerjahre in der Liga der exklusiven Hersteller wie Excalibur, Clénet oder Stutz.

Zwischen 1978 und 1988 stellte Zimmer Fahrzeuge her, die sich beim Design kräftig an den 1930er-Jahren orientierten. Als Basis der Fahrzeuge dienten meistens Modelle von Ford, denen er eine neue Karosserie schneiderte und den Innenraum aufwertete. Die Grossserie war aber immer an Türen, Scheiben, Spiegeln und anderen Teilen erkennbar.

Technik von General Motors

Der Quicksilver nahm innerhalb der Zimmer-Modelle einen Sonderstatus ein. Der Designer Donald Johnson hat hier modernere Designelemente aufgegriffen, als Paul Zimmer dies bei früheren Modellen tat. Er hat ein aussergewöhnliches Coupé mit einer Kunststoffkarosserie geschaffen, das auf dem Mittelmotor-Sportwagen Pontiac Fiero basierte.

Der unveränderte Sechszylinder-Mittelmotor mit einem Hubraum von 2,8 Litern und einer Leistung von 140 PS trieb die Hinterräder an, geschaltet wurde über eine Dreigangautomatik. Die zurückhaltende Motorisierung, die schon im Fiero keine Beschleunigungsorgien zuliess, dürfte auch den Quicksilver eher zum Cruiser als zum Renner gemacht haben.

In der Länge gewachsen

Die Form des Coupés hatte nur noch wenige Gemeinsamkeiten mit dem Fiero. In der Länge wurde es zwischen Kühler und A-Säule um rund 40 Zentimeter gestreckt. Die zusätzliche Länge kam nicht dem Innenraum zugute, sondern ermöglichte vorne einen kleinen Kofferraum. Obwohl im Interieur noch vieles an den Pontiac erinnert, hatte Zimmer doch auch dort Hand angelegt und die Sitze sowie das Armaturenbrett mit Leder und Holz aufgewertet.

Fachpresse mit Fragezeichen

Die Redaktoren der «Automobil Revue» waren sich 1986 nicht ganz sicher, was unter der Kunststoffhaut des Zimmer Quicksilver steckte und schrieben in der Ausgabe 36: «Möglicherweise ist der Quicksilver unter seinem pompösen Kleid mit dem ebenfalls zweisitzigen, aber deutlich kürzeren Pontiac Fiero verwandt. Wenn auch der Quicksilver-Radstand mit 278 cm deutlich länger ist, so stimmen doch die vordere und die hintere Spur mit 148 beziehungsweise 150 Zentimetern mit jener des Fiero genau überein. Mit dem Quicksilver will Zimmer gegen den Cadillac Allante, den kommenden Buick Reatta und den Chrysler-Maserati antreten.»

Nichts für introvertierte Fahrer

Sicher ist, dass der Quicksilver auch heute noch auffällt. Der Fahrer muss also gewillt sein, bei jedem Stopp Auskunft zu geben, und darf sich nicht daran stören, unter ständiger Beobachtung zu stehen. Er kann sich aber daran erfreuen, zu einem exklusiven Kreis von Autofahrern zu gehören. Die Kundenkartei von Zimmer soll so illustre Namen wie Frank Sinatra, Dolly Parton und Hulk Hogan umfasst haben.

Auktion in Arizona

Der abgebildete Quicksilver wurde 1986 gebaut, stammt aus erster Hand und wurde erst 464 Meilen (rund 747 km) gefahren. Er gelangte am 17. Januar bei RM/Sotheby's in Arizona zur Versteigerung. Das Angebot startete ohne Mindestpreis, das Auktionshaus erwartete einen Preis von 40'000 bis 50'000 Dollar (39'000 bis 49'000 Franken).

Weitere Informationen, viele Bilder, Testberichte und technische Daten gibt es auf Zwischengas.com.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Grundsätzlich finde ich am 18.01.2020 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    jedes Auto cool,

    solange es nicht mit Batterien fährt!

    einklappen einklappen
  • Tonto am 18.01.2020 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    90% cool

    Speziell aber cool. Bloss der Motor geht gar nicht!! Fiero!?!? Oh Mann...

  • Mike am 18.01.2020 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Hübsch...

    Hätte das Ding einen V8 und mindestens 300 PS, würde ich es sofort nehmen...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Henri am 19.01.2020 19:39 Report Diesen Beitrag melden

    verkauft für 21280 Dollar

    Gemäss der Homepage von Sothebys Arizona wurde der Wagen für nur 21280 Dollars verkauft. 40-50000 Dollar - wie erhofft wurde - waren somit viel zu optimistisch.

  • Kpt. Bear am 19.01.2020 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    Basta

    Aus Florida kann ja nix gescheites kommen. Hätte es ein Kalifornier designt, hätte das Teil wenigstens anständige Formen und einen vernünftigen Motor.

  • DamalsSchön am 19.01.2020 16:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    heuteDreck

    Die schönsten autos gabs bis in die 80gern, nachher kam die degenerierte gesellschaft und heute sehen wir was fpr ein desaster sie angerichtet hat!

  • Wasserwelt am 19.01.2020 07:22 Report Diesen Beitrag melden

    Batterien und Brennstäbe

    Die sog. Emissionslose Klimahyper Zukunft wird von Rest- und Wertstoffen "gepflastert" sein, deren Schwierigkeitsgrad wir zwar heute bereits kennen, aber gerne bequem mainstreammässig ignorieren. Die einen wandern zum Regenbogen die andern entlang der Wertschöpfungskette ...

    • Kurti am 19.01.2020 13:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Wasserwelt

      Gibt es für dieses wirre Zeug auch eine Übersetzung?

    einklappen einklappen
  • Igel am 19.01.2020 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Langweilig

    Frühet haten die Autos noch einen eigenständiegen eigenen Styl. Heute fast ein Ei wie das andere.