Renault Fuego Turbo

24. August 2019 07:28; Akt: 24.08.2019 07:28 Print

Ein feuriger Franzose zündet den Turbo

von B. v. Rotz - Während VW Scirocco und Opel Manta schon in den 1970er-Jahren günstigen Coupé-Spass boten, liess sich Renault bis 1980 Zeit. Dann eröffneten die Franzosen das «Feuer».

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Präsentiert wurde der neue Renault Fuego (Spanisch «Feuer») im Februar 1980, potentielle Käufer konnten sich am Genfer Autosalon im März 1980 zum ersten Mal in das Coupé setzen. Vorausgegangen war eine vierjährige Entwicklungszeit. Ziel war es, ein attraktives und geräumiges Coupé auf Basis von bewährter Technik zu gestalten. Schon frühe Studien entsprachen weitgehend dem Auto, das 1980 vorgestellt wurde, selbst das ungewöhnliche Felgendesign schaffte es in die Produktion.

Viel Gewicht wurden auf eine überdurchschnittliche Aerodynamik (cw-Wert 0,347) und eine elegante Formgebung mit individuellem Anstrich gelegt, was den Designern beim 436 cm langen, 169 cm breiten und 131,5 cm hohen Coupé gut gelang.

Besondere Merkmale waren die grosse Glaskuppel über dem Kofferraum, die an den Porsche 924 erinnerte, und die horizontale Trennlinie in Form einer schwarzen Leiste, die fast um den ganzen Wagen reichte. Der Radstand mass 244,5 cm und entsprach damit dem Schwestermodell Renault 18, das auch einen Grossteil der Technik beitrug. Drei Motoren mit 64 bis 110 PS standen zunächst zur Verfügung.

Mit Turbolader zum 200-km/h-Auto

Mit bisher 110 PS war der Fuego GTX zwar kein langsames Auto gewesen, mit dem Einbau eines Turboladers stieg die Leistung der europäischen ECE-Version im August 1983 aber auf immerhin 132 PS bei 5500 Umdrehungen. Dies wurde mit dem eigentlich betagten Renault-16-Motor mit 1565 cm3, einer Kompression von 8:1 und einem Ladedruck von 0,75 bar im Garrett-T3-Turbolader erreicht.

Dass hier doch einigermassen betagte Motorentechnik ihren Dienst tat, bewies die seitliche Nockenwelle, die Ansteuerung der Ventile über Stösselstangen und Kipphebel, sowie der Einsatz eines Solex-Fallstromvergasers.

Schweizer konnten im Sog der Waldsterbendebatte und eigener Abgas- und Lärmvorschriften (AGV-82) die ECE-Version nicht kaufen. Bei Renault entschied man sich für eine «Spezialausführung CH», bei der die Vergaseranlage durch eine Bosch-L-Jetronic-Einspritzung ersetzt und der Ladedruck auf 0,6 bar gesenkt wurde.

Die Leistung sank auf dem Papier von 132 auf 112 DIN-PS, die bereits bei 5000 Umdrehungen anlagen. Das Fünfganggetriebe wurde anders übersetzt, insbesondere wurde der fünfte Gang kürzer ausgelegt. Trotz dieser negativen «Leistungskur» war die Schweizer Version aber kaum langsamer.

Überraschend gesittet

Und wie fühlt sich der Fuego Turbo über 35 Jahr später an? Weniger aufregend als erwartet, aber auch deutlich gesitteter als befürchtet. Ein eigentliches Turbo-Loch gibt es beim ECE-Fuego eigentlich nicht. Natürlich ist die Kraftentfaltung beim 1070 Kilogramm schweren Coupé im unteren Drehzahlbereich nicht gerade fulminant, aber langsam aus den Startlöchern muss man deshalb nicht kommen.

Gut gefällt die exakte Servolenkung und die gute Rundumsicht im Coupé, die Sitze sind deutlich angenehmer als erwartet und vom in Testberichten beschriebenen Lärm aus dem Motorraum hört man in jenen Drehzahlbereichen, die man einem Klassiker heute zumutet, wenig.

Er macht Spass, der kompakte Renault, gerade in Kurven, wo sich die etwas sattere Abstimmung bei guten Strassenverhältnissen positiv in Erscheinung setzen kann. Man könnte ihn problemlos auch heute noch jeden Tag fahren, wenn er einem nicht zu schade wäre. Schliesslich haben nur wenige Exemplare der über 200’000 produzierten Fuegos überlebt. Sie sind heute seltener zu sehen als mancher Ferrari.

Weitere Informationen und viele Bilder zum Renault Fuego gibt es auf www.zwischengas.com.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus am 24.08.2019 08:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Renault 15 und 17

    Danke für den schönen Bericht. Der Fuego war einer der Traumautos. Aber bis ich ihn mir hätte leisten können, hat er auch nicht mehr gepasst. Der erste Renault-Sportwagen war der Fuego ja doch nicht. 1971 wurden die Modelle R15 und R17 eingeführt, die auf Basis des R12 entwickelt woden sind. Und die waren die Nachfolger der Caravelle. Früher hat auch Renault noch schöne Autos gebaut

  • Ziggie am 24.08.2019 08:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Design

    Absolut geniales & zeitloses Design.

  • Rolf am 24.08.2019 07:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anders als andere...

    Wie so oft bei den französischen Hersteller haben die bei den anderen, die bereits Coupés hatten, "abgeschaut" um dann doch etwas ganz eigenes und besonderes daraus zu machen. Was ihnen letztlich auch gelungen ist!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Don Jonson am 25.08.2019 23:28 Report Diesen Beitrag melden

    Erinnerungen

    Mir ist, der war damals an der Amriswiler Weihnachtsausstellung als 1. Preis vor der Festhütte, in gelb. Kurze Zeit später sah ich ihn beim Kindergalten-Kollegen vor seinem Haus:-) Ja die Form war cool, wie fast alle Autos damals.

  • Helene am 25.08.2019 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Helene Fischer

    ... spürst du das auch? Atemlos! Ja Helene, es liegt am Feinstaub in den Städten.

  • swisscleancar am 25.08.2019 19:26 Report Diesen Beitrag melden

    Do you Remember?

    Ei ei ei, zu seiner Zeit ein völlig unterschätztes Auto trotz rassiger Namensgebung #Fuego#. Für Generation sixty up ist das Fahrzeug heute näher als damals, im positivem Sinne, selten zu sehen auf unseren Strassen, schöne Erinnerungen.

  • Info am 25.08.2019 12:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reihenfolge

    Platz 1) Zu Fuss gehen Platz 2) Fahrrad benützen Platz 3) Elektro Auto mit Solarstrom ... ... ... Platz 99) Verbrenner

    • Walter am 25.08.2019 13:46 Report Diesen Beitrag melden

      Immer wider...

      Es muss halt immer wieder "Stänkerer"haben auf dieser Welt...gibt Leute die auf ein Auto angewiesen sind.Wünsche Ihnen auch eine Behinderung.Und dann nur ein Fahrrad haben und kein Geld für teures E-Auto...

    • F.I.B am 25.08.2019 14:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Info

      Subjektive Reihenfolgen interessieren kein Gramm und keine Sekunde.

    • Jose Perez am 25.08.2019 16:08 Report Diesen Beitrag melden

      Gäääääähn!

      Sunpower spammt wieder herum und meint man erkennt ihn nicht. Interessant ist, dass sein Spam ständig publiziert wird. Nicht?

    • Jose Perez am 25.08.2019 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Info

      Aber ich muss sagen eigentlich hat er recht.

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  • Damian am 25.08.2019 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Autohersteller: Macht wieder mal so was!

    Wenn es so etwas mit Charakter nur noch heute gäbe. Muss bis Herbst ein Auto kaufen, aber nichts gefällt mir ...