Lorenz & Rankl Silver Falcon

09. November 2019 18:02; Akt: 09.11.2019 18:02 Print

Ein seltener Traumwagen aus Deutschland

von B. v. Rotz - Nur zwölf Exemplare wurden vom Sportwagen Silver Falcon produziert. Es war der Realität gewordene Traum von Friedrich Lorenz und Heiner Rankl.

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In den Achtzigerjahren gab es nur noch wenige klassische Cabriolets, viele Autobauer waren dazu übergegangen, der Targa-Bauweise den Vorzug zu geben oder ganz geschlossene Wagen zu bauen. Es gab aber sehr wohl eine Kundschaft, die gerne ein richtig offenes Auto kaufen wollte. Dieser sollte Mitte der Achtzigerjahre mit einem exklusiven Automobil geholfen werden.

Dafür verantwortlich war Friedrich Peter Lorenz. Er wurde 1922 geboren. Im Alter von 31 Jahren begann er seine Karriere bei Ford in Köln. 1978 dachte er an eine Frühpensionierung, doch dann baute er ganz für sich privat in 1500 Stunden eine Cobra-Replica. Fortan träumte Lorenz vom eigenen Sportwagen und er hatte klare Vorstellungen, wie dieser auszusehen hatte.

Alleine, für die Entwicklung und den Bau benötigte er Geld. Als er den vermögenden Heiner H. Rankl kennenlernte, konnte er ihn für sein Projekt begeistern, und die beiden gründeten die Firma Lorenz & Rankl GmbH & Co, um sich ihren Traum des eigenen Sportwagens zu erfüllen.

Sportwagen nach eigenen Vorstellungen

Ein erster Prototyp des Silberfalken (so die deutsche Übersetzung) entstand 1983/84, anschliessend sollte die Serienreife angestrebt werden. 4,26 Meter lang und 1,75 Meter breit war das 1,2 Meter flache Cabriolet und es kam auf ein Leergewicht von rund 1150 Kilogramm.

Unter der Kunststoffhülle sorgte der von der Cobra-Replica bereits bekannte Rahmen für Stabilität. Dieser Rohrrahmen aus Edelstahl war ausserordentlich robust gehalten. Aufhängungselemente und Motoren stammten aus dem Hause Daimler-Benz, genauso wie die Automatik, die wahlweise anstelle eines Getrag-Fünfgangetriebes für die Kraftübertragung sorgte.

Das exklusive Vergnügen liessen sich Lorenz & Rankl natürlich fürstlich bezahlen. Die Preise starteten bei rund 190'000 Franken, je nach Motor und Optionen konnte man aber auch weit über 200'000 Franken ausgeben. Ein Grosserfolg wurde der Silver Falcon nicht, es entstanden 12 Autos mit Mercedes-V8-Motoren, von denen das Gros heute noch existieren dürften.

Am Lenkrad

«Das ist sicher ein Ferrari», hört man immer wieder, wenn man mit dem Silver Falcon auftaucht. Sobald der Motor gestartet ist, schwenken allerdings die Passanten zu anderen Markenbezeichnungen, denn der V8 mit 252 PS tönt mehr nach Amerika als Italien. Erraten, um welche Marke es sich handelt, können allerdings nur die wenigsten – kein Wunder bei der geringen Stückzahl. Dem Fahrer soll es Recht sein. Er kann auf bequemen Schalensitzen Platz nehmen und hat wenig Mühe, das Auto zu bedienen, solange er nicht gerade die Motorhaube (über eine versteckt platzierte elektrische Entriegelung) öffnen will.

Der Achtzylinder stellt genügend Schub zur Verfügung, um nie zum Verkehrshindernis zu werden, im Gegenteil: In rund fünf Sekunden ist die 100 km/h Marke erreicht, und auch die Höchstgeschwindigkeit von 260 km/h dürfte für fast jede Gelegenheit ausreichend sein. Die Lenkung arbeitet erfreulich direkt und die Bremsen verzögern erwartungsgemäss. Die Funktion der unbeschrifteten Knöpfe sollte man allerdings vor dem Losfahren eruieren, sie erinnern eigentlich mehr an britische Kitcars als an eine deutsche Exklusivproduktion.

Aber das ist schon schnell vergessen, denn um den Kopf fächelt die Frischluft, vom Heck her hört man das Bollern des Fünflitermotors.

Weitere Informationen, viele Bilder, Testberichte und technische Daten gibt es auf www.zwischengas.com.