Schnelle Italiener

26. November 2016 09:23; Akt: 26.11.2016 09:23 Print

Generationentreffen der sportlichen Abarths

von B. v. Rotz - Rund 44 Jahre nachdem der 124 Rally für Aufsehen sorgte, hat Abarth ein Nachfolger präsentiert, der einiges mit seinem Ahnen gemein hat.

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Mehr als 40 Jahre Altersunterschied trennt die beiden - Fiat Abarth 124 Rallye (Gruppe 4, 1973) links, Abarth 124 Spider (2016) rechts. So fühlten sich wohl auch Rallye-Fahrer wie Markku Alén oder Hannu Mikkola im Fiat Abarth 124 Rallye. Deutlich komfortabler geht es im modernen Abarth 124 Spider zu, dem Wasser vermag natürlich auch er zu trotzen. Dieser Fiat Abarth 124 Rallye aus dem Jahr 1973 ist nach Gruppe-4-Regeln für Rallyes vorbereitet worden - rund 160 PS treffen auf etwas 950 kg Gewicht. Der Motor des modernen Nachfahren leistet sogar 170 PS, hat aber auch rund 100 kg mehr zu bewegen. Trotzdem bietet er insgesamt bessere Fahrleistungen, was auch der Elektronik und den modernen Reifen geschuldet ist. Typisch Rallye-Auto, zahlreiche Scheinwerfer und nur ein kleiner Aussenspiegel, denn man schaut natürlich primär nach vorne. Elektronische Hilfen und Xenonlicht sowie grosse Rückspiegel bieten zeitgemässe Sicherheit im modernen Abarth 124 Spider. Normalerweise tendieren beide bei zu ungestümem Kurvenfahren zum Untersteuern. Der moderne Abarth 124 Spider hat ein Stoffdach zum Öffnen, der alte Fiat Abarth 124 Rally wurde mit einem fest verschraubten GFK-Hardtop ausgeliefert. Viele Gemeinsamkeiten, z.B. Heckantrieb, Frontmotor, nur zwei Sitze. aber auch viele Unterschiede, z.B. Turbo und Einspritzung beim modernen Wagen, zwei Doppelvergaser beim alten Sauger. In 44 Jahren ist viel passiert ... Das auf den Rallye-Einsatz ausgelegte Cockpit des Fiat Abarth 124 Rallye Gruppe 4. Leder und Alcantara, aber auch Navigation und (auf Wunsch) Automatik-Getriebe gibt es natürlich nur beim modernen Nachfolger. Alles im Blick im Rallye-Auto der Siebzigerjahre. Das Instrumentenlayout erinnert mehr an zeitgenössische Ferraris als an den Vorgänger Fiat Abarth 124 Rally. 128 PS produzierte der Motor in der Stradale-Variante (gebaut von 1972 bis 1974), die Rallye-Werkswagen brachten es auf über 200 PS. Während beim modernen Abarth 124 Spider viel vom Mazda MX-5 stammt, kommt der Motor aus der eigenen Produktion, man kennt ihn auch aus den Abarth 595-Modellen und er leistet im Spider 170 PS. Der Fiat Abarth 124 Rally trug noch das alte Fiat-Zeichen im Kühlergrill. Beim modernen Nachfolger fehlt das Fiat-Zeichen, dafür gibt es den Skorpion von Abarth. Auf dem Genfer Autosalon präsentierte Fiat/Abarth eine Variante, die dem Gruppe-4-Wagen von 1973 deutlich ähnlicher sieht. An einer Oldtimermesse wurden der legendäre Rallye-Wagen von 1973 und sein moderner Nachfolger Seite an Seite gezeigt.

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Es regnet, es ist nass und kalt – eigentlich das typische Wetter für eine Monte-Carlo-Rallye. Und das richtige Auto steht auch bereit: ein Fiat 124 Abarth Rally im Gruppe-4-Trimm aus dem Jahr 1973.

Wir setzen uns hinter das kleine Lederlenkrad und blicken in die klassischen Fiat-Rundinstrumente. Der Motor wird per Zündschlüssel gestartet und verfällt sofort in einen leicht unruhigen und gut hörbaren Leerlauf. Der erste Gang rastet mit einem hörbaren Knacken ein, das Getriebe ist gerade verzahnt. Los gehts.

Der zweite Gang wird mit Zwischenkuppeln eingelegt, der dritte folgt sogleich. Der Vortrieb ist trotz glitschiger Fahrbahn eindrücklich – immerhin ist der Wagen über 40 Jahre alt. Schnelle Reaktionen auf Lenkbewegungen und nur geringe Seitenneigung in Kurven zeigen, dass wir es mit einem richtigen Sportgerät zu tun haben, einem, das mehrfach auf das Podium bei der historischen Rallye-Schweizermeisterschaft gefahren ist.

6 Kilogramm pro PS

So muss sich damals Markku Alén gefühlt haben, als er im Jahr 1975 die Rallye Monte Carlo auf Platz 3 beendete, knapp hinter Hannu Mikkola (auch im 124 Abarth) und Sandro Munari im Lancia Stratos HF. Der kräftige Motorensound weist eindrücklich darauf hin, dass für eine Verständigung mit dem Kopiloten Mikrofone zu empfehlen sind und dass man nicht unbedingt nach Hamburg fahren möchte mit dem Rallye-Auto. Aber der Fahrspass ist enorm, kein Wunder, denn nur gerade etwa 950 kg stehen geschätzten 160 PS gegenüber, macht knapp 6 kg pro PS.

Wir wechseln das Fahrzeug. Der schwarze Sportwagen trägt stolz das Abarth-Zeichen auf dem Bug. Wie sein Urgrossvater hat auch der moderne Abarth 124 Spider Heckantrieb und einen Vierzylindermotor im Bug. Allerdings leistet der dank Turbolader imposante 170 PS, was bei einem (für die Neuzeit tiefen) Leergewicht von 1060 kg rund 6,3 kg pro PS bedeutet.

Von der Vergangenheit in die Neuzeit

Der Motor wird per Knopf gestartet und schon der Leerlauf ist eindrücklich laut. Auf dem engen Rundkurs zeigt der moderne Zweisitzer, dass er über ein gutes Fahrwerk und eine neutrale Gewichtsbalance verfügt. Davonfahren kann der Rallye-Abarth von 1973 seinem Nachfahren jedenfalls nicht.

Der heutige Abarth hat einiges vom Urahnen übernommen, etwa die mattschwarze Lackierung von Motorhaube und Kofferraumdeckel. Aber als Strassenfahrzeug muss man ihn natürlich eher mit der damaligen Stradale-Version des Fiat 124 Abarth vergleichen.

Homologationsserie

Dass es überhaupt eine Strassenversion des Fiat 124 Abarth Rally gab, war den damaligen Homologationsvorschriften für die Gruppe 4 zu verdanken. Diese besagten, dass 500 Exemplare zu bauen seien, um als Spezial-Gran-Turismo an den Rallye-Start gehen zu können. Die Basis lieferte der bereits 1966 vorgestellte Fiat 124 Spider, aber für den erfolgreichen Renneinsatz musste der Wagen umfangreich umgebaut werden.

Pininfarina sorgte für Styling-Retouchen, die Ingenieure von Abarth unterzogen den bereits sechsjährigen Spider einer Frischzellenkur. Eine drastische Gewichtsreduktion, mehr Motorleistung und eine hintere Einzelradaufhängung anstelle der Starrachse waren das Ergebnis.

Nur knapp über 1000 Exemplare des 24’950 Franken teuren Fiat Abarth 124 Rallye wurden gebaut. Vom 43’800 Franken teuren, modernen Nachfolger wird es sicher deutlich mehr geben. Spass am Lenkrad bereiten sie beide, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise.

Weitere Informationen, Bilder und ein Tonmuster finden sich auf www.zwischengas.com.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • BombayStyle am 26.11.2016 10:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Cars

    Die Schweizer haben die geilsten und teuersten Auto der Welt damit sie auf der Autobahn mit 100 auf der mittleren Spur rumtrödeln

    einklappen einklappen
  • Bruno Brunner am 26.11.2016 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Love it!

    Bin seit 2 Wochen stolzer Besitzer eines Abarth 124 Spider. Die Leute schauen und lächeln, wenn sie ihn erblicken. Er hat das, was dem Mazda fehlt: Italo-Style, geiler Sound und Glamour. Gebe ihn nicht mehr her!

    einklappen einklappen
  • Fritz Zürich am 26.11.2016 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach toll

    Ich als Autofan bin begeistert über diese kleinen Winzlinge die den anderen das Fürchten beibrachten. Es war eine absolut wunderbare Zeit die ich vermisse.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Timi am 27.11.2016 14:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Speedster

    Wieso baut Opel eigentlich den Speedster nicht mehr? Der Nachfolger, Opel GT, ist es nicht würdig. Spedster Turbo: 945 Kg Leergewicht, 200 PS, 4.9 S 0-100, 250 km/h. Krasses Gerät zum Hammerpreis. Nur Carosserie ist teuer, da nichts mehr Produziert wird.

    • Opa am 27.11.2016 17:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Timi

      Weil dem Opelfahrer sonst Hut und Stumpen davon fliegen, mit so einer Rackete

    einklappen einklappen
  • Spiderduemila am 27.11.2016 10:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rallygene

    Endlich wieder ein schöner Roadster auf unseren Strassen. Ein grosses Kompliment muss man auch an Mazda machen, dass über all die Jahre das Gewicht des MX-5 so niedrig halten konnte. Der Fiat sieht spitze aus und ich könnte mir gut vorstellen, dass Fiat mit diesem Auto wieder im Rallysport einsteigen könnte.

  • Kwore Sportivo am 26.11.2016 15:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fiat 124 spider

    Für mich der schönere Miata MX 5 ;-)

  • Lehrer Nötzli am 26.11.2016 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Akkusabarth

    "Das Nachfolger". Ob es wohl stimmt, dass Abarth Fans das mit dem Akkusativ nicht verstehen. Schwierig, schwierig...

  • gaston lagaffe am 26.11.2016 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wow,

    ist der alte schön und der neue nicht.