Ford Granada 2.3 L

17. März 2018 09:49; Akt: 17.03.2018 09:49 Print

Kölner Eleganz mit Misstönen

von B.v.Rotz - Wer Anfang der 80er-Jahre eine günstige und elegante Sechszylinder-Limousine kaufen wollte, kam am Ford Granada nicht vorbei.

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Im August 1977 stellte Ford die zweite Generation des Granada vor. Er löste den Erstling, vorgestellt am Genfer Autosalon 1972, ab und räumte dabei mit der Hüftschwung-Romantik zugunsten eines deutlich nüchternen und gradlinigeren Stils auf.

Uwe Bahnsens Entwurf wies ein schnörkelloses Karosseriekleid auf, das die einen an Peugeot 604, andere an den Fiat 130 (beide von Pininfarina) erinnerte. Die Familienähnlichkeit zum Taunus war ebenfalls gut zu sehen.

Prägnantes Detail war der Lamellengrill, der erstmals 1976 an einem Ford gezeigt worden war. Ford hatte ihn patentieren lassen und er hatte die Fähigkeit, die Kühlluft bei niedrigen Geschwindigkeiten ungehindert in den Motor fliessen zu lassen, während der Luftstrom dann bei höheren Tempi über den Motor hinweg respektive über die Kühlerhaube gelenkt wurde.

Viele Verbesserungen

Angepasst wurde aber nicht nur die Form, sondern auch die Grösse. Der Neue war sechs Zentimeter länger und einen Zentimeter flacher, was nun Grunddimensionen von 4,63 x 1,79 x 1,41 Meter (Länge x Breite x Höhe) bedeutete. Gleichzeitig war der hintere Beinraum um 2,5 Zentimeter gewachsen und der Fahrer konnte alle Karosserieecken einsehen, wenn er grossgewachsen war. Zudem wurde mit einer um 39 Prozent vergrösserten Heckscheibe eine Rundumsicht von nun 86 Prozent erreicht, ein Wert, den moderne Autos nicht einmal annähernd erreichen.

Auch das Interieur war überarbeitet worden, auch wenn es dem des Vorgängers ähnlich sah. Die Technik stammte weitgehend vom Vorgänger.

Baukasten-Prinzip

Den Granada konnte man hierzulande in unterschiedlichen Ausstattungsversionen bestellen. Da gab es die Basis-Ausstattung, die L-Version, LS-, GL- und GLS-Varianten sowie die besonders luxuriöse Ghia-Version. Auch eine Automatik, elektrische Fensterheber, Servolenkung, Schiebedach oder Klimaanlage sowie einiges mehr waren gegen Aufpreis zu haben.

17’500 Franken kostete der Granada 2.3 L in der Schweiz. Das war ein echter Kampfpreis, denn selbst die Vierzylinderkonkurrenz von Opel oder Renault kostete mehr.

Gebaut wurde der Granada bis 1985, dann folgte der Scorpio – eine ganz andere Geschichte.

Ruhiger Gleiter

Wer sich heute in einen inzwischen seltenen Granada – besonders wenn er nur zwei Türen hat – setzt, beurteilt den Wagen anders als die Testfahrer damals. Die Übersichtlichkeit überzeugt, das Interieur wirkt hell und trotz des reichhaltig verbauten Kunststoffs freundlich. Die Anzeigeinstrumente lassen an Ablesbarkeit kaum Wünsche offen.

Der Motor startet dank automatischem Choke problemlos, freut sich aber über etwas Rücksichtnahme des Piloten während der Aufwärmphase. Das Getriebe mit vier Gängen lässt sich problemlos schalten, auch Pedal- und Lenkkräfte sind human.

Ein kleines Auto ist der Granada nicht, ein sportliches noch weniger. Der 2,3-Liter-V6 dreht sanft hoch, ist aber weder ein Drehmomentriese (177 Nm) noch ein Drehwurm (Höchstleistung bei 5000 U/min), was zusammen mit 1290 kg Leergewicht natürlich kein Rezept für den Rennsport ist. Aber dafür wurde der Granada auch nicht geschaffen, er sollte vier oder fünf Personen samt ansehnlichen Mengen von Gepäck komfortabel über lange Strecken befördern.

Und dass ihm dies gelang, kann man auch heute noch gut nachvollziehen. Wer es damals sportlicher haben wollte, der griff zum 2,8-Liter mit S-Paket, oder gleich zum Ford Capri.

Weitere Informationen, viele Bilder und Werbesujets von damals gibt es auf Zwischengas.com

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Müller am 17.03.2018 10:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das waren noch Zeiten

    Ja ich bin ihn Jahrelang gefahren. War wirklich ein Auto zum Gleiten. Am schlimmsten war, dass meine Kollegen immer fragten ob der Türken- Mercedes noch läuft.

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  • DS am 17.03.2018 10:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oldshool

    Ein sehr schönes und schlichtes Auto!!! Gefällt mir...

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  • frizz am 17.03.2018 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Goldene 80er

    Ja, dieser Ford achte Freude. Als Consul unterwegs, bevor der Granada ihn ablöste. Der Kombi hatte Platz ohne Ende. Mit dem 6Zyl./2.3 Liter war ein unaufgeregtes Dahingleiten möglich, sonorer, schöner Klang, kein Vergleich zu den heutigen nervigen Furzern. Diese 80er Jahre waren wirklich ein Traum, auch in Sachen Mobilität. Die Verkehrsdichte im grünen Bereich, man liess sich leben. Es herrschten goldene Konjunkturzeiten, alle hatten Jobs, man trampelte dem Andern nicht auf den Füssen herum. Man nahms gelassen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • ChriguBern am 18.03.2018 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Granada gegen Commodore

    oder auf deutsch: Granate gegen Kommode waren damals die Ampel-Duelle der Familienkutschen. An solchen Erinnerungen merkt man dass man etwas älter wird.

  • chooglin am 18.03.2018 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Zeit

    Damals sahen noch nicht alle Autos gleich aus. Und BMW war nicht die Abkürzung für "Bank Moneten Wagen".

  • Walter Gugger am 18.03.2018 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    victor

    1978 bewältigte ich im Winter mit meinem simplen 2CV unbekümmert noch mit Sommerreifen Steigungen, an denen mein Nachbar mit seinem winterreifenbestückten Granada regelmässig steckenblieb.

  • Triathlet am 18.03.2018 08:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nostalgie versus Realität...

    Ich wuchs in einem Ford Capri 2.3 mit Sechszylinder auf! Ich war Fan von Ford als Kind! 1982 musste mein Vater den Capri vom Rost zerfressen verschrotten lassen, obwohl er nur im Sommer gefahren wurde....als Student 1993 kaufte ich mir vom Garagisten einen fast neuen Fiesta: ständig Reparaturen, und jeder Service kostete mind. 1500 fr, weil allemal was repariert werden musste! Ehrlich: in den 80 igern und 90 igern sparte sich Ford und Opel zu Tode, und produzierten nur noch Müll....

    • Willy am 18.03.2018 09:39 Report Diesen Beitrag melden

      How to fix a Ford, buy a Chevy

      Das ist leider heute noch so, mit dem Müll von Ford. Aussen fix, darunter Altes nix.

    • ChriguBern am 18.03.2018 21:57 Report Diesen Beitrag melden

      Deutsche Qualitätsarbeit

      Bei den US-Cars mag dies gestimmt haben, doch die in Deutschland gebauten Ford waren qualitativ wesentlich besser als die Amis. Die Rangliste war etwa: Ford und Opel aus D, Ford und Chevy aus USA, und am Schluss die Ford und Vauxhall, die in den Streik-Pausen in GB zusammengebastelt wurden.

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  • leser am 18.03.2018 06:16 Report Diesen Beitrag melden

    Ford Granada

    so ein teil steht hier bei uns in der tiefgarage. sieht noch richtig gut aus. eben ein klassiker, der Ford Granada