Mercedes-Benz 600 SL

23. Juli 2016 10:22; Akt: 23.07.2016 10:22 Print

Mehr Luxus unter freiem Himmel geht fast nicht

von Bruno von Rotz - Luxus ist, was man nicht unbedingt braucht, schrieb ein Auto-Tester 1992 über den 600 SL. Auch gut 25 Jahre später begeistert der Wagen noch.

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1989 gehörte das Mercedes-Benz-Cabriolet der Baureihe R129 zu den Hauptattraktionen des Genfer Auto-Salons. Der auf Sicherheit und Komfort getrimmte Wagen überzeugte mit seinem modernen Design, das Bruno Sacco zu verdanken war. Es gab ihn mit drei oder fünf Litern Hubraum respektive sechs oder acht Zylindern.

Der neue Sportwagen wurde zwar etwas teurer als sein Vorgänger, repräsentierte gleichzeitig aber auch das Machbare. Allein schon seine Dachkonstruktion war ein Meisterwerk: Auf Schalterdruck öffnete oder schloss sich das Dach vollautomatisch, sogar die Scheiben und der Deckel des Verdeckkastens hoben und senkten sich wie von Zauberhand. Dafür war neben diversen Elektromotoren und Mikroprozessoren eine Hydraulikanlage mit 15 Druckzylindern und elf Magnetventilen nötig.

Komfort wird grossgeschrieben

Nach den vorausgeschobenen 300- und 500-SL-Varianten erschien Mitte 1992 SL mit Zwölfzylindermotor. 100 kg Mehrgewicht wurden durch nunmehr 395 PS locker kompensiert, mit 6,5 Sekunden für den Spurt von 0 bis 100 km/h konnte sich aber kaum jemand beklagen.

Schon die günstigeren Modelle waren für Mercedes-Begriffe reichhaltig ausgestattet, der 600 SL aber setzte noch einen drauf: Bei ihm waren ADS (adaptives Dämpfersystem), viel Holz im Interieur, Metallic-Lackierung und Memory-Ledersitze bereits im Serienumfang dabei. Das Spitzenmodell konnte man natürlich noch weiter individualisieren, etwa mit orthopädischen Sitzen, Unterhaltungselektronik, Standheizung oder Sitzen im Fond.

Satte 207'000 Franken kostete ein Serien-600-SL anfänglich, der Aufpreis zum 500 SL mit acht Zylindern betrug rund 50'000 Franken. Da kauften sich viele dann doch lieber eine Eigentumswohnung.

Viel Auto für das Geld

Und heute? Aktuell pendeln die Preise für inzwischen über 20-jährige 600 SL in gutem Zustand zwischen rund einem Achtel und einem Zehntel des damaligen Neupreises. Für den Preis eines gut ausgestatteten neuen VW Golf erhält man also enorm viel Auto. Das spürt man bereits beim Einsteigen, denn Karosserie und Interieur strahlen auch nach 80'000 km noch eine hohe Wertigkeit aus, das Leder wirkt noch fast wie am ersten Tag, das Holz ist edel wie eh und je.

Auch mehr als 25 Jahre nach der Vorstellung verblüffen die Komfort-Attribute des Cabriolets, etwa das automatische Dach oder die gespeicherte Sitzposition samt Einstellungen der Spiegel sowie des Lenkrads und der Kopfstützen. Man versteht nun die grosse Anzahl der nötigen Motoren und den Aufwand für die gesamte Verkabelung.

Erfreuliche Testfahrt

Wir führen also den mit einem Metallbart ausgestatteten Zündschlüssel in den Schlitz und drehen ihn, denn einen Startknopf gab es damals bei Daimler noch nicht. Schon beginnt der grosse Motor vorne zu säuseln, wobei man vor allem die Nebenaggregate hört. Man führt den Automatik-Wahlhebel durch die winklige Gasse in die Drive-Position und los gehts.

Mühelos setzt sich das Cabriolet in Bewegung, die Geschwindigkeit nimmt stetig zu, schon nach kurzer Zeit ist der vierte (und oberste) Gang drin und der Motor dreht im knappen Tausenderbereich. Heruntergeschaltet wird kaum, alle Fahrten werden im vierten Gang abgewickelt. Krawall macht der 600 SL dabei kaum. Nicht einmal, wenn man ihn ausdreht, um die Fahrleistungen auszukosten. Ferrari-Symphonien darf man vom Mercedes nicht erwarten. Aber das hätten die Kunden auch sicherlich gar nicht gewollt.

Weitere Informationen und Bilder sowie ein Tonmuster zum Mercedes-Benz 600 SL gibt es auf www.zwischengas.com.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Minimum ein V8 am 23.07.2016 11:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hubraum statt Downsizing

    Schade, dass heute nur noch äusserst selten solche Motoren verbaut werden. Dieses ganze Downsizing ist nichts für mich, was zählt ist Hubraum!! Alle meine Autos haben mindestens einen 8-Zylinder!!

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  • Marc Bjorg am 23.07.2016 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sammeln

    Super Auto. Im Gegensatz zum 911 Carrera 4 hat es nur wenige auf dem Markt. Ungefähr 25 sind zu verkaufen in der CH. Gegen über 1'000 Carrera 4.

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  • Experte am 23.07.2016 10:34 Report Diesen Beitrag melden

    Ein tolles Auto

    Aber sowas liegt wie Blei in der Garage! Es ist, als Gebrauchtwagen, schlichtweg unerkäuflich. Die Unterhalts- und Reparaturkosten sind astronomisch! Der R129 ist ein tolles Auto und es gibt ihn mit vielen Motorisierungen. Beliebt und verkäuflich sind die kleineren Hubräume wie 280 und 320. Aber sicher nicht der V12!!! Den will wirklich niemand mehr. Für den finanziellen Aufwand gibt es einiges spannendere Oldtimer.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial Kohler am 17.08.2016 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    MB ist immer noch die Krönung...

    Neben Jaguar, ist Mercedes der attraktivste, qualitativ, technisch und optisch eines der besten Fahrzeuge der Welt. Wir sind im Bild, wir besass beides !!

  • Simon Otto / Thun am 02.08.2016 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stars & Sternchen

    Ich habe mir vor kurzen einen 2007er - S-600 Mercedes zugelegt und bin überrascht wie sich der Wagen trotz seines Gewichts fahren lässt! Ich hatte auch schon mal einen VW Phaeton mit der 12 Zylinder Motorvariante und war damals auch von diesen Schlachtschiff sehr angetan! Ich habe zur Zeit noch einen 2012er Chevrolet Camaro und fuhr auch mal eine Weile einen VE Up! jedoch muss ich wirklich sagen das der Mercedes garantiert das beste Auto ist was ich hatte! Der letzte wird es sicher nicht sein und ich nehme an das ich doch langsam zu einen Mercedes Fan mutiere!

  • Ueli Seppetoni am 02.08.2016 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mercedes-Benz

    Kennst Du Rückenschmerz ? Nicht ? Dann fahrst Du sicher einen Merz , stimmts ? Ich fuhr ihn , aber nicht lange , das mit dem Schmerz ist kein Witz , den kennt ein Merzdriver nicht ! Dann hat Deine Mutter also dazugelernt und die alte Rostbeule endlich eingetauscht ? Ja doch , sie hat meinen ausprobiert und wollte ihn per Du , gleich behalten ! Und Du , hockst ? Momentan , auf der alten Rostbeule !

  • Stuzo am 01.08.2016 16:49 Report Diesen Beitrag melden

    e240

    Ich liebe meinen alten w211. E240, 6cyl mit ca 2.6 hubraum. Fährt seidenwich. Ist halt 13 jährig... aber erst ca 90Tkm... Jaaa, durstig ist er...

  • P. Hermann am 31.07.2016 19:08 Report Diesen Beitrag melden

    Mercedes #1

    Ich habe bis jetzt 7 verschiedene Automarken gefahren. Auch Top Deutsche Marken. Aber keine überzeugt mehr als Mercedes. Und nein, ich bin kein Pensionär sonder 39.