Jensen Interceptor Convertible

11. Mai 2019 18:14; Akt: 11.05.2019 19:33 Print

Stilvolles Fahren mit viel Kraft und Sonne

von B. v. Rotz - Wer hohe Ansprüche an ein sportliches Automobil hatte und nicht unbedingt auffallen wollte, für den war der Jensen Interceptor wie gemacht.

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Beim Jensen Interceptor trafen britische Handarbeit auf italienisches Design und amerikanische Grossserientechnik – allerdings mit einem Preisschild, das die Käuferschaft weitgehend auf Industrielle, Ärzte und Adlige reduzierte.

Als Jensen einen Nachfolger für den C-V8 benötigte, wandte man sich für das Design an die Carrozzeria Touring. Gebaut wurden die ersten Exemplare aber bei Vignale, bevor Jensen die Fertigung selber übernahm.

Schlichte Eleganz

Der Interceptor überzeugte als Coupé mit schlichter und eleganter Linienführung, Doppelscheinwerfern und einer imposanten Gestalt, die sich aus 4,78 m Länge und 1,75 m Breite bei 1,35 m Höhe ergab. Das Leergewicht wurde mit 1590 kg angegeben. Im Interieur wurde an nichts gespart, um den erwarteten Luxus zu bieten. Viel Leder und eine reichhaltige Instrumentensammlung verströmten sportliches Flair.

Unter der Stahlblech-Karosserie nach Superleggera-Bauweise (der Vorgänger C-V8 trug einen Kunststoff-Aufbau) fand sich weitgehend wieder die Technik des C-V8, was ein Rohrrahmenchassis mit vorn einzeln an Trapezdreieckslenkern aufgehängten Rädern und eine hintere Starrachse bedeutete. Gebremst wurde rundum mit Scheiben.

US-Kraft unter der Haube

Der Motor stammte von Chrysler und hatte einen Hubraum von 6276 cm3 verteilt auf acht Zylinder. Mit einem Fallstrom-Vierfachvergaser und einer Verdichtung von 10:1 ergaben sich 335 SAE-PS bei 4600 Umdrehungen.

Übertragen wurde die Kraft durch eine Torqueflite-Automatik mit 3-Gang-Planetengetriebe und hydraulischem Wandler. Auf Wunsch war auch ein Viergang-Schaltgetriebe verfügbar, das aber wohl nur selten verlangt wurde.

(Fast) zum Schluss das Cabriolet

Nach zwei Modellpflegen in den Jahren 1969 und 1971, die unter anderem modifizierte Interieurs und einen grösseren Motor mitbrachten, erschien zur New York Auto Show 1974 eine Cabriolet-Version des Interceptor III. Ähnlich wie beim VW Käfer und beim Rolls-Royce Corniche überragte das Verdeck des Convertible den Kofferraum deutlich und wurde durch eine umfangreiche Persenning abgedeckt.

Der nun 7212 cm3 grosse V8 leistete 284 PS bei 4800 U/min, die via Dreigangautomatik auf die weiterhin starre Hinterachse übertragen wurden. 1850 kg schwer war der Convertible, der in der Schweiz 88’500 Franken kostete. Das waren 40 Prozent mehr als das mit 64’500 Franken auch schon reichlich teure Coupé. Auch einen Ferrari konnte man für weniger Geld kaufen.

Rasante Luftbefächelung

Für das viele Geld erhielt der Käufer durchaus sportliche Fahrleistungen, die auch heute noch spürbar sind. Man überlässt der Automatik das Schalten, auch Lenk- und Bremskräfte bleiben dank Servo gering. Die Sicht nach vorne ist hervorragend, nach hinten stört das aufgeklappte Verdeck. Während man vorne angenehm belüftet wird, kann der Fahrtwind auf den Rücksitzen bei hohen Geschwindigkeiten zum Orkan werden.

Die Leute schauen neugierig, wenn man sich im Jensen nähert, aber der Neidfaktor ist wegen des schlicht-eleganten Kleides vergleichsweise gering. Und an der Tankstelle wird man dann eher bemitleidet, wenn der 90-Liter-Tank nach gut 400 Kilometern Fahrt wieder komplett gefüllt werden muss.

Den Besitzer eines gut erhaltenen Interceptors Convertible, von dem bis 1976 nur etwa 500 Exemplare entstanden sind, wird es kaum kümmern. Denn Restaurierungsrechnungen haben wegen des relativ komplexen Karosserieaufbaus noch ganz andere Dimensionen.

Weitere Informationen, Bilder und Verkaufsunterlagen gibt es auf www.zwischengas.com.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bürger am 11.05.2019 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Autos von damals

    Das wollen wieder die meisten Autokäufer, ein Auto das nach auto ausschaut mit Charakter ohne Bling Bling und viel Plastik. Heute sehen die aus wie Raumschiff ohne ein Hauch von Persönlichkeit. Auch der Motor soll schön wieder zur Geltung kommen ohne Kunstoff Bauteile, zugänglich

  • mar pro am 11.05.2019 18:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Top

    Durch Chrysler-power auch ein zuverlässiger Brite. Sehr schön

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  • Max Brillo am 11.05.2019 18:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wer hat's erfunden?

    Der Jensen FF, weitgehend baugleich mit dem Interceptor, hatte Allradantrieb lange vor dem Audi Quattro.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 12.05.2019 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Elegantes Fahrzeug...

    In der Schweiz gab's nur wenige. Damals fuhr der Karli Odermatt (FCB) mit diesem Auto. Wagen und Sound waren super!

  • K. Klever am 12.05.2019 09:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur zum Vergnügen

    Es ist schon auffällig: Bei dieser Rubrik betonen die Blogschreiber immer wieder, wie viel cooler und besser die Autos waren, die vor 40 und mehr Jahren waren. Dabei werden mir viele Yougtimerfahrer bestätigen, dass mit diesen Fahrzeugen die heutigen Alltagsansprüche nicht mehr erfüllt werden. Ich fahre meinen 75er Opel Commodore 2.8 GS nur zu ca. 5000 km pro Jahr, welche ich jeden Einzelnen geniesse. Für den Alltag begnüge ich mich mit einem 08er Mercedes C350 mit 7-Gang-Automat und 200 KW.

  • Oletahoe1 am 12.05.2019 06:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ikonen aus der Vergangenheit

    Da waren nicht nur tolle Autos das waren auch tolle Zeiten man war stolz auf das was man kreierte und das sieht man auch. Heute dagegen schauen alle gleich aus = 08/15 wo bleibt der Stolz.

  • Phil Krill am 12.05.2019 01:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ... eigenes Gesicht ...

    ... A, es ist kein typisches 60iger Jahre Gesicht, wenn schon ein 70iger und B, damals gab es noch gar keine typischen Gesichter - jede Automarke brachte es noch fertig ein eigenes Gesicht zu haben ...

    • Röck n Röll am 12.05.2019 14:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Phil Krill

      ja es ist wie mit der Musik... früher war Sie besser!

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  • Realist am 12.05.2019 01:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War Monteverdi zuerst?

    Wieso erinnert mich dieser Jensen sehr an den High Speed von Peter Monteverdi, allerdings fuhr dieser schon 1967?

    • Urs Meier am 12.05.2019 11:23 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig erkannt

      Peter Monteverdi hatte dies seinerzeit meines Wissens immer wieder moniert. Ob zu Recht, ist schwierig zu sagen. Der Aston Martin DBS von 1969 (?) hatte ebenfalls auffällige Ähnlichkeiten mit dem High Speed 375. Wie auch immer - schöne Autos waren sie alle.

    • Realist am 12.05.2019 17:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Urs Meier

      Wie wahr! Der Monteverdi HAI war auch ein Prachtstück. Schade konnte der Basler Autobauer nicht bestehen. Wer schliesslich der Erste war, ist heute nicht mehr so wichtig, jedenfalls gab es damals noch "richtige" schöne Autos!

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