Abarth Scorpione EsseEsse

09. Februar 2019 10:04; Akt: 09.02.2019 10:04 Print

Vom Scheunenfund zum Concours-Schönling

von B. v. Rotz - Zwei Sitze, Schlafaugen, Motor hinter der Besatzung – so lässt sich auch ein Lamborghini Miura beschreiben – oder ein Abarth Scorpione.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ein Abarth Scorpione war zwar klein, aber deshalb keineswegs wohlfeil. Im Gegenteil: 16'000 Franken mussten die Käufer berappen. Ein Opel GT 1900 (14'600 Franken) oder ein VW-Porsche 914 (15'950 Franken) waren günstiger zu haben.

Vorlage Lombardi

Das Design des «Grand Prix» stammte von Giuseppe Rinaldi, der in den 1960er-Jahren in Diensten von Francis Lombardi arbeitete. Mit dem neuen Sportwagen war ihm ein interessanter Wurf gelungen, der sich einiger Designansätze des Lamborghini Miura bediente.

Die Türen ragten weit über die Fahrerkabine nach vorne, die Front konnte dank Klappscheinwerfern tief gehalten werden, ein breiter Getriebetunnel und ein mächtiger zentraler Instrumententräger trennten Fahrer und Beifahrer. Und genauso wie beim Miura gab es auch beim zweisitzigen Lombardi 850 Grand Prix keinen nutzbaren Kofferraum. Was nicht im Cockpit Platz hatte, musste zu Hause bleiben.

Krötenartige Gesichtszüge

Die Eleganz eines Miuras erreichte Rinaldis Kreation allerdings nicht. Zwar gefiel die schwungvolle Linienführung mit dem kraftvollen, hochbauenden Heck, aber sobald die Scheinwerfer ausgefahren waren, zeigte der kleine Sportwagen krötenartige Gesichtszüge, was zu Kritik führte.

Die Abmessungen waren kompakt, gerade einmal 3,55 Meter lang war der Sportwagen, die Breite betrug 1,485 Meter, die Höhe war mit 1,065 Metern besonders niedrig ausgefallen. 685 kg wog der Italiener vollgetankt, damit waren eigentlich gute Voraussetzungen für sportliche Fahrleistungen und -eigenschaften gelegt.

Technisch basierte der Lombardi 850 Grand Prix auf dem Fiat 850. Das Fahrwerk, der Motor und das Getriebe waren Standardteile aus der Grossproduktion. 47 PS brachten den kleinen Flitzer auf 153,8 km/h, Zeugnis für die gute Aerodynamik des Coupés.

Plattform-Strategie

Für Carlo Abarth kam die Neuentwicklung zum richtigen Zeitpunkt. Er hatte schliesslich bereits das Fiat 850 Coupé umfangreich modifiziert und als Fiat-Abarth 1300 (auch 1324 genannt) mit dem leistungsgesteigerten Motor des Fiat 124 beschleunigt. Dieselbe Technik passte natürlich auch unter die Hülle des Lombardi.

Apropos Hülle: Bestand die Karosserie anfänglich noch teilweise aus Kunststoff (zum Beispiel Türen, Rückwand, Sitze), wurden im Laufe der Produktion immer mehr Stahlblechteile eingesetzt, also auch für die Türen und die Rückwand. Am Schluss war eigentlich nur noch die Heckabdeckung hinter dem Motor aus Kunststoff gefertigt.

Dem von 1197 auf 1280 cm3 vergrösserte Fiat-124-Motor mit seitlicher Nockenwelle entlockten die Abarth-Techniker bei einer Verdichtung von 10,5:1 (anstatt 8,8:1) solide 75 PS bei 6000 Umdrehungen. Der Vierzylinder wurde gegenüber dem Fiat 124 verkehrt herum an das 850-Getriebe montiert.

Am Lenkrad des Mini-Miura

Hat man sich einmal in das mit nur 1,05 Metern Aussenhöhe überaus flache Auto eingefädelt, fühlt man sich tatsächlich ein wenig wie im Lamborghini Miura. Die Platzverhältnisse sind knapp, denn mit 3,61 Metern Länge und 1,495 Metern Breite bleibt für die Kabine nur wenig Raum.

Wenn man dann losfährt, sollte man sich einfach bewusst sein, dass die Piloten moderner Autos den kleinen Sportwagen kaum im Rückspiegel erkennen können, aber die auffällige rote Lackierung beschert dem Scorpione trotzdem die nötige Aufmerksamkeit.

Rund 12 Sekunden benötigte der Scorpione damals für den Spurt von 0 auf 100 km/h. Das ist heutzutage nicht mehr sehr sportlich. Aber an Auffälligkeit mangelt es dem kleinen Flitzer trotzdem nicht.

Weitere Informationen, viele Bilder, Testberichte, ein Verkaufsprospekt und ein Tonmuster gibt es auf www.zwischengas.com.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ford Capri 2.3 am 09.02.2019 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jugenderinnerungen

    Wir wohnten 1972 neben einer Fiat Garage, dort stand mal so einer für einige Zeit. Für uns Buben war dies ein Fahrzeug von einem anderen Stern. Guter Beitrag.

  • S. Berger am 09.02.2019 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bewährtes Konzept

    Naja, der Opel GT hatte in der stärksten Version 90 PS und fuhr 190 km/h. Unterm Blech gab's Grossserientechnik. Da war der Abarth sicher cleverer mit Fiat-Teilen unterwegs.

  • Gregi am 09.02.2019 17:09 Report Diesen Beitrag melden

    Lombardi Abarth 903ccm

    Mein erstes Auto, gekauft während meiner Lehre als Automechaniker in einer ua. Fiat Vertretung. Der kleinere hatte eine von Abarth frisierten 850er Fiat Motor auf 903 ccm und 85 PS. Der grössere Bruder hatte eine 1300 Maschine. Von wegen kein Platz. Für die Eishockeyspiele hatten mehrere Stöcke und zwei Taschen hinter den Sitzen problemlos Platz. Der Motor mit Doppelfeden an den Ventilen drehte sehr hoch und musste von mir generalüberholt werden. Geschmiedete Übermasskolben leisteten noch mehrere Jahre ihren Dienst. Opel GT hat mechanische, Seilzug Schlafaugen, der Lombardi eletrische.

Die neusten Leser-Kommentare

  • jay jay am 12.02.2019 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    Design ist Geschmacksache

    In anbetracht, dass Design subjektiv ist, hier mal meine Meinung zu dem Auto. Die Radkästen sind nicht gleich gross. Der hintere ist kleiner und das im zusammenhang mit dem zu hohen Heck macht mich unglücklich. Ausserdem finde ich schade das der Auspuff nicht besser versteckt oder integriert wurde. Die klapplichter sind zwar cool aber sie stehen auf der Liste der Probleme auch ganz oben. Nur schon das sie nicht sauber schliessen.

  • E-Guru am 09.02.2019 21:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sentimental

    Neues ist unbequem. Neues bedeutet Umstellung. Neues kann weh tun, obwohl es besser ist. Deswegen finden viele Menschen das Verharren beim Alten bequemer.

    • E-Guru am 17.02.2019 08:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @E-Guru

      An alle Daumen-runter-Drücker: Für mich persönlich war es auch schwierig auch schwierig zu akzeptieren das ich selber Transgender bin, mich der Hormon-Therapie zu unterziehen und unter das Messer zu legen. Bye, bye Verbrenner

    einklappen einklappen
  • Info am 09.02.2019 20:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tesla

    Tesla Model X 90D knackt die 482.803 Kilometer-Marke. Die Batterie verschlechterte sich nur um 13%.

    • Bürger am 09.02.2019 21:13 Report Diesen Beitrag melden

      Wieder diese E-Gurus

      Warte mal ab wenn die Batterie 10 Jahre alt wird dann sieht das mit der Kapazität anders aus. Eine Teslabatterie innert 3 Jahren 500000 km abzuspulen sagt noch gar nichts und was hat das mit dem Thema zu tun ? Solche E -Gurus wie Sie einer sind erreichen beim Volk das Gegenteil , viele jugendliche stehen wieder auf Oldtimer und das wird Wieder Mode kommen

    • lore am 10.02.2019 07:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Info

      da geht es um einen klassiker und sie erzählen geschichten über e-schrott vehikel.

    • Alfred A. am 10.02.2019 07:24 Report Diesen Beitrag melden

      @Bürger

      Kann ja sein, dass sich Junge finden lassen, die auf Oldtimer stehen. Es gibt auch Welche, die auf alte Dampflokomotiven stehen. Die haben auch besonders grosse Freude, wenn die Loks episch viel Rauch entwickeln und Feuer spucken wenn an Steigungen das Letzte aus der Maschine heraus geholt wird.

    • Ronny C. am 10.02.2019 08:29 Report Diesen Beitrag melden

      @Info

      Hören sie auf von einem Auto zu erzählen, dass Sie sich nie leisten werden können und überlassen Sie die Tesla Kommentare jemanden, der einen besitzt und im Alltag fährt.

    • Bepis am 10.02.2019 09:10 Report Diesen Beitrag melden

      @Info

      Was hat das mit dem vorgestellten Oldtimer zu tun?

    einklappen einklappen
  • Gregi am 09.02.2019 17:09 Report Diesen Beitrag melden

    Lombardi Abarth 903ccm

    Mein erstes Auto, gekauft während meiner Lehre als Automechaniker in einer ua. Fiat Vertretung. Der kleinere hatte eine von Abarth frisierten 850er Fiat Motor auf 903 ccm und 85 PS. Der grössere Bruder hatte eine 1300 Maschine. Von wegen kein Platz. Für die Eishockeyspiele hatten mehrere Stöcke und zwei Taschen hinter den Sitzen problemlos Platz. Der Motor mit Doppelfeden an den Ventilen drehte sehr hoch und musste von mir generalüberholt werden. Geschmiedete Übermasskolben leisteten noch mehrere Jahre ihren Dienst. Opel GT hat mechanische, Seilzug Schlafaugen, der Lombardi eletrische.

  • S. Berger am 09.02.2019 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bewährtes Konzept

    Naja, der Opel GT hatte in der stärksten Version 90 PS und fuhr 190 km/h. Unterm Blech gab's Grossserientechnik. Da war der Abarth sicher cleverer mit Fiat-Teilen unterwegs.