VW Karmann-Ghia

31. Oktober 2015 10:54; Akt: 31.10.2015 11:10 Print

Warum Amerikaner den VW Karmann-Ghia liebten

von B. v. Rotz - Der Käfer im Sportdress machte auch auf dem Highway eine gute Figur. Kauften die Amerikaner darum mehr VW Karmann-Ghia als der Rest der Welt zusammen?

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Rund die Hälfte aller VW Karmann-Ghia (Typ 14) ging nach Amerika, also in ein Land mit riesigen Distanzen und grossen Strassenkreuzern. Auf den ersten Blick fragt man sich, was die Amerikaner am kleinen und vergleichsweise langsamen Karmann-Ghia fanden, doch wenn man genauer hinschaut, ergibt die deutsch-amerikanische Beziehung sehr viel Sinn.

Im Oktober 1953 verblüffte ein neuer Volkswagen die Besucher des Pariser Autosalons. Es handelte sich um den Prototypen des VW Karmann-Ghia, der in Italien bei Ghia gereift war. Als Designer amteten Luigi Segre und Felice Mario Boano, beide in Diensten des Turiner Karosseriebauers.

Ein kleiner Chrysler

Allerdings griffen die beiden Gestalter auf die Formen der Chrysler-Konzeptfahrzeuge C-200 und D'Elegance aus den frühen 1950er-Jahren zurück und diese wiederum werden gemeinhin dem US-Designer Virgil Exner zugeschrieben.

Wer genau welche Zeichenstriche auf das Papier brachte, ist heute nur schwer nachzuvollziehen. Man kann davon ausgehen, dass sich die kreativen Leute gegenseitig befruchteten. Und im Falle des Karmann-Ghia gelang ihnen eine erfolgreiche Verkleinerung des ursprünglich ausladenden Chrysler-Entwurfs auf die Grundmasse eines VW Käfers, der allerdings in der Breite etwas wachsen durfte.

1955 war das elegante Coupé fahrbereit

Der Entwurf jedenfalls gefiel und 1955 stand das elegante Coupé in leicht überarbeiteter Form bei den Händlern. Die amerikanische Presse liebte den neuen Sportwagen, der gar kein Sportwagen sein wollte. Und die Kunden kauften. Ihnen reichten die 40 PS und 120 km/h Spitze. Dafür war der Volkswagen schliesslich wartungsarm und sparsam.

Das Fahren im Karmann-Ghia unterscheidet sich wenig vom selbigen in einem Käfer. Aus dem Heck tönt (vielleicht ein wenig gedämpfter) das so behagliche und charakteristische Boxer-Viertakt-Geräusch, die Schaltwege sind relativ lang, die Pedale stehen. Mit den knapp über 40 Pferden der 1,5-Liter-Version (ab 1966) ist man gut bedient, vor allem im oldtimer-üblichen Tempo. Da kann man sich auch gut vorstellen, dass der Wagen auf den geschwindigkeitsreglementierten Highways eine gute Figur machte.

Cruisen statt Rennen

Und in der Stadt reichten dem rund 4,2 Meter langen Karmann auch Parklücken, an denen ein Chrysler oder Mercury hoffnungslos scheiterte. Und dank der grosszügig verglasten Kabine ist das Parkieren auch wirklich einfach. Für die Rennstrecke kaufte den Karmann-Ghia kaum jemand. Obschon er sich auch heute noch handlich und griffig anfühlt, jedenfalls deutlich sportlicher als sein höher aufragendes Pendant namens Käfer.

Der Karmann-Ghia war ein Käfer im Ausgehanzug, ein Wagen, der weit teurer aussah, als es der Mehrpreis gegenüber dem normalen Wolfsburger Krabbeltier erwarten liess. Er war aber vor allem auch zuverlässig und einfach zu warten sowie günstig zu betreiben.

Heute ist er eine Herzensangelegenheit

Dies gefiel auch den Amerikanern, die, auch wenn Benzin günstig war, eine halbierte Tankstellenrechnung durchaus zu schätzen wussten. Und so machte der Typ 14 seinen Weg und wurde schliesslich bis 1974 über 445'000-mal gebaut. Davon gingen deutlich mehr als die Hälfte, nämlich über 271'000 Exemplare, in die USA.

Vernunftargumente sind heute nicht mehr gefragt, um einen Karmann-Ghia zu rechtfertigen. Heute ist es eine Angelegenheit des Herzens. Aber natürlich tut es auch der Seele wohl, wenn man auf die gute Ersatzteilsituation und die günstigen Verbrauchsteile hinweisen kann.

Weitere Informationen, viele Bilder, Verkaufsprospekte und ein Tonmuster finden sich auf www.zwischengas.com.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Christian am 31.10.2015 11:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ........

    Letztes Jahr bin ich per Zufall auf ein VW Karmann Ghina gestossen. Ich durfe ihn sofort gratis mitnehmen, jetzt bin ich fleissig dabei ihn zu restaurieren. Ich freue mich jetzt schon auf die erste Fahrt.

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  • junger am 31.10.2015 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    beautyful!

    Damals hatten Alltagsgegenstände und Autos einfach so viel mehr stil als heute!

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  • M. Arcel am 31.10.2015 11:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bei allem Lob...

    ...darf das aber nicht darüber hinweg täuschen, dass der Typ 14, besonders die Urmodelle, Lowlight genannt, sehr teuer geworden sind. Und die Ersatzteilsituation ist nur im Bereich Technik gut, im Karosseriebereich ist sie schlecht, die Preise für Kotflügel etwa befinden sich auf Porsche-Niveau, wenn man denn welche findet.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fritzani am 01.11.2015 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch logisch:

    Wegen den hervorragenden Abgaswerten!

  • Nola am 31.10.2015 18:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vw ja

    ...aber ein T1 und dann selber restaurieren. Mein Traum.

  • Lieselore am 31.10.2015 16:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das war für mich

    schon immer einer der schönsten Sportwagen überhaupt. Würde ich mir heute sofort kaufen.

  • Marcus Ballmer am 31.10.2015 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ähnlichkeit mit dem Chrysler C-200?

    Der Karman soll Anleihen des Chrysler C-200 Konzeptautos von 1952 beinhalten? Da musste ich aber gleich die Autobücher aus den 1950er-Jahr in meiner Bibliothek hervorkramen und nachschauen. Ich weiss nicht, woher Sie diese Information haben, Herr von Rotz, aber ich kann beim besten Willen und mit viel Fantasie keine Ähnlichkeit mit den Konzeptfahrzeugen von Chrysler aus jener Zeit erkennen. Weder mit dem C-200 noch dem K-310 von 1952. Vielleicht ziehen Sie diese Schlüsse, weil Virgil Exner eng mit Felice Mario Boano und Luigi Segre, den Ghia-Inhabern befreundet war.

  • A Bräm am 31.10.2015 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur die Amis

    Ich fand und finde noch immer das es eines der schönsten Autos ist. So wie die alten Porsches 356.