Lotus Esprit Turbo

09. Januar 2016 10:21; Akt: 09.01.2016 10:21 Print

Was selbst 007 nicht über sein Dienstauto wusste

von B.v.Rotz - Der Lotus Esprit wurde auf einen Schlag weltberühmt. Nach seiner Unterwasserfahrt in «Der Spion, der mich liebte» kannte ihn jedes Kind.

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Nach dem eindrücklichen Auftritt des weissen Lotus Esprit S1 im James-Bond-Film «The Spy Who Loved Me» von 1977 entschied man sich wohl, im Folgefilm «Moonraker» (1979) komplett auf Autos zu verzichten und setzte lieber eine venezianische Gondel als Luftkissenboot oder ein Space Shuttle in Szene. 1981 aber war der Lotus Esprit zurück auf der Leinwand, als Turbo-Modell mit gut sichtbarem Heckspoiler.

Offiziell vorgestellt hatte man den Lotus Esprit S1 1976, doch schon 1978 begann man bei Lotus, an einer schnelleren Esprit-Version zu arbeiten. Eine V8-Version erwies sich zunächst aber als zu aufwendig und kostspielig, so nutzte man das vorhandene 2,2-Liter-Triebwerk und brachte es mit einem Turbolader auf über 210 PS.

Mit Unterstützung des F1-Sponsors

Die Erdölfirma Essex, die zu jener Zeit der F1-Sponsor von Lotus war, unterstützte die Entwicklung des Esprit Turbo finanziell, und so hiess dann auch das Modell, das früh im Jahr 1980 in der Royal Albert Hall in London mit einer spektakulären Show und Shirley Bassey vor 700 VIP-Gästen vorgestellt wurde, Lotus Essex Turbo Esprit.

Mit einem ungefähren Preis von 78’000 Franken katapultierte sich der Essex Turbo direkt in die höchste Liga im Sportwagenumfeld. Zum Vergleich: Der Lotus Esprit S2 kostete «nur» 52’800 Franken, ein Maserati Bora 4,9 77’000 Franken, ein Ferrari 308 GT 56’600 Franken, ein 512 BB 98’000 Franken, ein Porsche Turbo 930 81’000 Franken.

Da musste man auch bei den inneren Werten nachlegen und staffierte mit Hilfe des Designers Giugiaro, der auch den S1 bereits gezeichnet hatte, das Interieur komplett neu mit viel Echtleder aus. Auch eine Klimaanlage und eine Panasonic-Stereoanlage mit vier Lautsprechern, die wie in einem Flugzeugcockpit über eine Dachkonsole bedient werden konnte, gehörten zum Serienumfang.

100 Essex Turbo sollten gebaut werden, ganz so viele wurden es nicht. Um preislich etwas volkstümlicher zu werden, wurde der Essex Turbo entschlackt und er mutierte ab April 1981 zum Lotus Esprit Turbo. Der tiefere Preis wurde durch den Wegfall der Trockensumpfschmierung, der Klimaanlage und der aufwändigen Audioanlage ermöglicht. Zudem wurden die Compomotive-Räder durch BBS-Felgen ersetzt.

Supersportwagen

Mit rund sechs Sekunden für den Spurt von 0 bis 100 km/h und einer Spitzengeschwindigkeit von 240 km/h reihte sich der Turbo Esprit bei den schnellsten Sportwagen der Zeit ein. Dabei blieb der rund 1200 kg schwere Sportwagen um die 15 Liter pro 100 km im Testbetrieb, was angesichts der guten Fahrleistungen sicherlich in Ordnung ging.

Der Lotus Esprit Turbo war ein Erfolgsmodell. In manchen Jahren war er das meistproduzierte Modell, obschon daneben Viersitzer wie der Excel und günstigere Modelle wie der Esprit S3 ohne Turbo verkauft wurden. Bis 1987 waren es schliesslich über 2000 Exemplare.

Und James Bond?

In «For Your Eyes Only» (1981) konnte James Bond gleich auf zwei frühe Modelle zurückgreifen, die technisch dem Essex Turbo entsprachen, aber ohne die spezielle Lackierung geliefert wurden. Das erste, weiss gespritzte Coupé tauchte in Spanien auf und flog in die Luft, als die Schurken es aufzubrechen versuchten – eine wirksame, aber aufwendige Diebstahlsicherung. In Cortina d’Ampezzo fuhr Bond dann in einem kupferrotfarbenen Esprit mit Skiern über der Heckscheibe vor.

Weitere Informationen und viele Bilder zum Lotus Esprit finden sich auf www.zwischengas.com.


Der weisse Turbo in «For Your Eyes Only», bevor er in die Luft flog. (Video: Youtube)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M. D. am 09.01.2016 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Klasse für sich

    Gefällt mir super! Heute sehen leider alle Autos in etwa gleich aus.

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  • Durian am 09.01.2016 11:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    80s

    Ein wirklich schönes Auto! Ich mag die Designs der 80er total!

  • MoneyBoy am 09.01.2016 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Freizeitgestaltung

    Cool, jetzt habe ich Bock die alten Bond Filme nochmal zu watchen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Turbo S.E. am 10.01.2016 19:58 Report Diesen Beitrag melden

    Kultauto pur!

    Auch in Basic Instinct und in Pretty Woman kam der Lotus Esprit nochmals gross zur Geltung mit dem Nachfolgermodell Turbo S.E. Die kleinen Verarbeitungsmängel oder wartungsintensive Motoren interessieren doch bei solchen Klassikern keinen mehr. Das gehört doch bei solchen 80er Jahre Autos einfach dazu!

  • Illumination am 10.01.2016 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    "Design und Funktion"...

    Das Besondere am Esprit war die Kunststoff-Karosserie mit feuerverzinktem Chassis (schwierig bis kaum reparierbar bei Unfallschäden), wie generell die Leichtbauweise bei Lotus mit ("ausgequetschten") Mittelmotoren, mit entsprechender Fahrdynamik für "aktive" Fahrer...lol. M.E. wurde "das Ganze" wie generell (früher?) bei Lotus nicht ganz ausgereift umgesetzt, zu teuer produziert und verkauft. Insbesondere beim Esprit zeigten sich Konstruktions-/Qualitäts- und Verarbeitungs-Mängel inkl. empfindlicher, wartungsintensiver Motoren. Immerhin wurden 1976-2003 ca. 10`500 Esprit-Modelle produziert.

  • Soili am 09.01.2016 18:50 Report Diesen Beitrag melden

    Beim ersten Bild

    "Kantiges Design" naja, das wurde bereits von der Tatsache verraten, dass das Auto aus den 80ern Stammt.

  • Michi L. am 09.01.2016 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Zeitlos und schön

    mehr kann ich dazu nicht sagen. Ein Traumauto.

  • Ebnat-Kappel am 09.01.2016 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Preis

    Kostete der Masserati Bora wirklich fast 5'000'000 CHF??

    • R136a am 09.01.2016 13:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ebnat-Kappel

      die 4.9 ist die motorengrösse und hat nichts mit dem preis zu tun.

    • Ebnat-Kappel am 10.01.2016 01:10 Report Diesen Beitrag melden

      Danke

      Uj, danke. Wer lesen kann ist klar im vorteil

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