Lancia Stratos

15. Dezember 2018 09:56; Akt: 15.12.2018 09:56 Print

Eine alltagstaugliche Rallye-Legende

von B. von Rotz - Eigentlich gehörte der Lancia Stratos vor gut 40 Jahren nicht zu den Traumwagen. Er verkaufte sich nur schlecht. Heute sieht das anders aus.

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Der Lancia Stratos war so ziemlich das erste Rallye-Auto, das eigens für diesen Zweck entwickelt und gebaut wurde. Die Strassen-Versionen, Stradale genannt, hatten nur die Zielsetzung, die sogenannten Homologationsbestimmungen (500 produzierte Autos) für die Zulassung zum Gruppe-4-Rennsport zu erfüllen.

Im Prinzip war der Stratos damit ein Vorläufer der späteren Gruppe-B-Boliden. Wer nun aber ein im Alltag untaugliches Gerät erwartet, wird allerdings positiv überrascht.

Vom Konzeptfahrzeug zur Serienausführung

1970 stand am Turiner Autosalon der Stratos HF Zero von Bertone, ein Konzeptfahrzeug mit Fronteinstieg und hyper-futuristischer Keilform. Angetrieben wurde es vom Motor der Lancia Fulvia. Obwohl fahrtauglich, eignete sich dieser Showcar natürlich nicht für eine Serienproduktion. Lancia benötigte aber ein neues Rallye-Auto, das gleichzeitig flach, breit, kurz und stark sein musste, einen Mittelmotor haben sollte und in kleiner Serie gebaut werden musste, um die Homologationsbestimmungen der Gruppe 4 zu erfüllen.

Also entwickelte Bertone im Auftrag von Lancia den Zero weiter und präsentierte das Ergebnis bereits ein Jahr später in Turin, lackiert in glanzlosem, aber fluoreszierenden Signalrot. Der Motor kam von Ferrari und tat in ähnlicher Form im Fiat Dino und im Dino 246 GT Dienst. Beim Stratos war er hinter der Passagierkabine quer eingebaut. Rennmässige Einzelradaufhängungen, aufklappbare Front- und Heckverkleidungen und ein enges Cockpit für zwei Personen rundeten das Paket ab.

Im Herbst 1973 setzte die Serienproduktion ein, rund 42'000 Franken kostete ein Stratos damals.

Kein grosser Erfolg auf der Strasse

Unterdessen fuhr der Lancia bereits von Sieg zu Sieg. Die Rennkarriere sollte auf höchster Ebene bis 1981 dauern, viele Rallye-Siege folgten, aber auch auf der Rundstrecke und bei Strassenrennen fuhr er viele Erfolge ein.

Im Verkauf bewährte sich der Stratos allerdings deutlich schlechter als auf den Rallye-Pfaden. Die letzten Neuwagen verkauften sich kaum, sondern standen in Turin auf der Halde. Die Rabatte, die ein Kaufinteressent offeriert bekam, waren mehr als grosszügig. Knapp 495 Stratos sollen insgesamt gebaut worden sein, noch in den 1990er-Jahren waren sie günstig zu haben.

Inzwischen hat sich das deutlich geändert und ein gut erhaltener Stratos wechselt schon einmal für eine halbe Million Franken den Besitzer.

Fahrspass auf normalen Wegen

3,71 Meter Länge und 2,16 Meter Radstand, der Lancia Stratos ist etwa so lang wie ein Ur-Golf, die Achsen sind kaum weiter auseinander als beim Ur-Mini. Dass der Einstieg eine gewisse Gelenkigkeit voraussetzt, versteht sich bei 1,114 Metern Höhe von selbst, zumal die Sitze stark zur Mitte hin montiert sind. Einmal Platz genommen, fällt die extreme Nähe zur Windschutzscheibe und zum Innenrückspiegel auf. Sollte man deutlich über 1,80 Meter gross sein, dann muss der Kopf geneigt werden, damit man oben nicht anstösst.

Einmal losgefahren, zeigt der Stratos seine zweite Natur. Er ist nämlich komfortabler und weniger laut als erwartet. Grosse Kraftanstrengungen braucht es nicht, das Fahrwerk zeigt sich schluckfreudig. Man könnte tatsächlich auch im Alltag einen Stratos benutzen, solange man mit den 145 Litern Gepäckvolumen auskommt.

Was dem Stratos immer gelingt, ist, einen «Keil» zwischen Alltagsstress und -sorgen zu schlagen. Kaum ist die Türe zugeschlagen, findet man sich in einer anderen Welt wieder. Die Welt der Rallye-Seriensieger Sandro Munari halt.

Weitere Informationen, viele historische und aktuelle Fotos sowie ein Tonmuster finden sich auf www.zwischengas.com.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MAX am 15.12.2018 10:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hammer Teil

    So ein Heizgerät mit solch einem Status wird es in der heutigen Zeit nie mehr geben!!! Zu gross und zu schwer ist der ganze Schnickschnack der heute noch dazugepackt wird! Das ist noch ein reines FAHRZEUG welches die Spreu vom Weizen trennt, nähmlich das fahren können!

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  • homer am 15.12.2018 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    das warren noch Autos

    das ist einfach nur zeitlos schön. Warren das noch Autos damals, r5 Turbo 2, Alpine 110/310, Urquattro, Lancia Delta.... Zumidest vom Alpine 110 gibts ne Neuauflage aber der Preis, naja nicht für Jedermann leider

  • Gusti am 15.12.2018 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Lancia Rally 037 oder Delta Integrale

    DAS waren Legenden! Der Stratos hat mir nur so lange halbwegs gefallen, bis ich mal einen Live gesehen habe.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Koni am 16.12.2018 18:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    500 Stück?

    500 produzierte Stratos - ich meine nur 200 Stück brauchte es zur Homologation?

    • mzis am 16.12.2018 22:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Koni

      für die zulassung waren es nur 200 ja.

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  • Eric Kripke am 16.12.2018 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Alltagstauglich?

    Na ja. Bedingt. Das Teil stand ja mehr in der Werkstatt als auf der Strasse. Aber wenn er mal lief, dann ging er ab wie Schmitts Katze. Gelenkig beim einsteigen musste man auch sein, nichts für Leute ab 1.80m. Schade um die Marke. Lancia und Fiat Embleme auf einem Ami passt irgendwie nicht so ganz.

    • Autosammler am 16.12.2018 11:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Eric Kripke

      das lag eher daran das die meisten Mechaniker den Ferrari Motor nicht im Griff hatten

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  • G. Agnello am 16.12.2018 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unbegreiflich

    Marchionne hat Fiat vor dem Untergang gerettet. Was ich aber nicht begreife ist, warum er Lancia aufgegeben hat. Innerhalb FCA hätte Lancia durchaus die Position einnehmen können, wie sie z.B. Audi innerhalb VW hat. Natürlich hätte man der Manufaktur die nötige Freiheit zurückgeben müssen, damit sie sich hätte entfalten können. Einfach das Lancia Emblem auf ein Chrysler aufsetzen war das dümmste das man machen konnte.

    • kurt am 16.12.2018 10:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @G. Agnello

      weil sie am Schluss nur noch hässliche Dinger gebaut haben und dann ganz am schluss Chrysler mit Lancia Logo verkauft hat. das Image ist für viele Jahre kaputt. wenigstens konnte er Alfa retten

    • GT40 am 16.12.2018 14:53 Report Diesen Beitrag melden

      Kurt.

      Sergio hat ein Portfolio von FCA Automarken alle mit "Corse" Ambitionen resp. Speed-Image erstellt. Ferrari ist Grande F1, Alfa ist F1 Junior, Maserati ist Corse Clienti ... FIAT ist Alltag und Jeep ist 4x4. Hier hätte LANCIA mit einer Portion Italia Design Spirit schon gepasst und die 'weniger lauten' Kunden würde es auch geben - die jungen Jags nehmen jetzt den Design Platz ein ...

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  • PS Driver am 16.12.2018 03:28 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bleibe bei meinem

    Donkervoort GTO. Google klärt unwissende gerne auf!

    • kurt am 16.12.2018 07:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @PS Driver

      ist ja kein Vergleich . hier geht es Kulturgut. ist eine rally Legende

    • der Schlagfertige am 16.12.2018 07:25 Report Diesen Beitrag melden

      @kurt

      Wow, wie hilfreich. Darf ich meinen Donki aber bitte trotzdem behalten?

    • Hosche am 16.12.2018 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @PS Driver

      Du vergleichst Äpfel mit Birnen.

    • Fallobst am 16.12.2018 22:46 Report Diesen Beitrag melden

      @Hosche

      Melasse ist nicht Honig, aber Apfelbirnen und Birnenäpfel seien ja mittlerweilen schon auf wunderbare Weise beliebt.

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  • Hiu Ping Bum am 15.12.2018 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Chinesen sollten LANCIA übernehmen

    Und zurück zu STRATOS und DELTA und all den eleganten Automobili aus der Epoche. Es gibt längst genug Ex-Europa-Autotechniker mit Verständnis für Produktion auch in China. Da kommt noch was, ist gut so. Man macht sich ja in die Hose vor lauter Hahaha wenn so ein umlackierter Chrysler x Lancia vorfährt. Das vergess ich dem Sergio M. nie!