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07. Oktober 2019 00:00; Akt: 07.10.2019 15:45 Print

Happy End für die kranke Kuh Royale

Unterwegs mit der Grosstierärztin: Wieso ein krankes Tier nicht geschlachtet wird und wann man das Fleisch von behandelten Tieren geniessen kann.

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Besuch bei einer Patientin: Grosstierärztin Sarah Balzli untersucht Kuh Nevada am Tag nach der erfolgreichen Operation am Magen. Das Tier... ...hatte ein Problem im Verdauungstrakt. Dank dem Eingriff hat sie nun keine Beschwerden mehr am Labmagen. Ihr geht es gar nicht gut: Royale hat zwar ein gesundes Kalb geboren, drei Tage später jedoch hohes Fieber. Das Tier ist 800 Kilo schwer,... ...lässt sich von Balzli aber ohne Muhen pflegen. «Ich war als Kind viel auf dem Hof und wollte schon immer Veterinärin für Nutztiere werden», sagt sie. Bauer Hans Marolf assistiert. «Nicht alle können so gut mit grossen Tieren umgehen wie Sarah», sagt er - und freut sich, dass es seiner Kuh nach der Behandlung schnell besser geht. Jeder Einsatz wird registriert. Seit Anfang Oktober muss die Veterinärin zudem sämtliche Antibiotika-Abgaben zusätzlich elektronisch erfassen. «Das mache ich am Abend, der Laptop passt nicht in den Stall», sagt Balzli. Ein Job fürs Leben: Seit 22 Jahren behandelt die Bernerin Nutztiere und führt seit einigen Jahren die eigene Praxis im Berner Seeland. Nachgeburtliche Kontrolle: Kuh Kordula hat Probleme mit der Gebärmutter und erhält deshalb eine entsprechende Behandlung und ein natürliches Hormon gespritzt. Liefert hochwertiges Fleisch: Dieses Jungrind ist gesund - wie die meisten Tiere der 26 Herden, die Balzli für die Bestandbetreuung alle zwei Wochen routinemässig kontrolliert. Will sich erst nicht untersuchen lassen: Das junge Wagyu-Kalb Taromi bleibt lieber im Stall. Mit gutem Zureden... ...wagt es sich aus dem Stall in die aufregende Welt auf dem Hof im Berner Seeland. Die Untersuchung zeigt: Das Aufzuchtkalb hat eine Lungenentzündung. Deshalb erhält es eine Antibiotika-Spritze. «Bei Grosstieren verwenden wir regelmässig Antibiotikagruppen, welche beim Menschen längst nicht mehr verwendet werden», sagt Balzli. Für das Tier ist die Spritze nicht angenehm,... ...doch die Gesundheit geht vor. Nach der Behandlung darf Taromi zurück zu seinen Artgenossen. Es gehört zu Balzlis eigener Zucht. Die Tiere... ...wachsen im Offenlaufstall und in der Mutterkuh-Haltung auf. «In diesem System ist der Ertrag für die Bauern niedriger, da sie keine Milch produzieren können. Aber die Tiere machen mir als Veterinärin weniger Arbeit», sagt Balzli.

Fehler gesehen?

Als Sarah Balzli im bernischen Epsach in den Stall tritt, steht vor ihr eine eine 800 Kilo schwere Kuh mit 41 Grad Fieber. Sie heisst Royale, hat vor vier Tagen ein Kalb zur Welt gebracht und ist offensichtlich nicht in bester Stimmung.

«Dem Kalb gehts gut, doch die Mutterkuh frisst nicht richtig und ist apathisch», sagt Bauer Hans Marolf. Die Grosstierärztin berührt die Kuh sanft am Rücken, sagt ein paar beruhigende Worte und zieht einen Plastikhandschuh bis zur Schulter hoch. Sie steht hinter das Tier und untersucht von Innen die Gebärmutter.

Die Diagnose ist eindeutig: Die Nachgeburt hat sich nicht komplett gelöst, Royale leidet an Gebärmutterentzündung. Balzli entfernt das unerwünschte Gewebe und spritzt der Kuh Entzündungshemmer und etwas gegen das Fieber. Das grosse Tier lässt die Behandlung ruhig über sich ergehen.

Medikamente gehören dazu

Bauer Marolf ist erleichtert: Der Test der Milch zeigt keine erhöhte Keimzahl und kurze Zeit später frisst Royale bereits wieder. Sie wird wohl noch einige Kälber für die Fleischproduktion gebären. Balzli trägt die Behandlung in die Buchführung über die Nutztiere des Hofes ein, verabschiedet sich und fährt weiter zum nächsten Patienten.

Bei ihrer Tour durch das Berner Seeland wird sie auf jedem Hof zu Medikamenten greifen - und spricht zwischen den Behandlungen sehr direkt über dieses Thema, das bei zahlreichen Konsumentinnen und Konsumenten für Verunsicherung sorgt. Balzli versteht die Bedenken, aber für sie ist klar: «Es ist wie bei den Menschen: Medikamente retten auch vielen Tieren das Leben». Eingesetzt werden sie nur, wenn nötig.

Gesunde Tiere sind wichtig

Die Schweiz ist weitgehend frei von hochansteckenden Tierseuchen und die Nutztierbestände haben im Vergleich zum Ausland einen sehr hohen Gesundheitsstatus. Zudem kann Schweizer Fleisch von den meisten Tierarten bis zu den Geburtsbetrieben zurückverfolgt werden.

Die Ursachen für den Gebrauch von Tierarzneimittel sind vielfältig. An diesem Vormittag im Herbst bekommt Nevada Antibiotika und Schmerzmittel, da sie einen Tag zuvor am Labmagen operiert wurde.

Später betäubt die Veterinärin das Kalb Katja für die Enthornung und behandelt Kordula mit einem natürlichen Hormon, um nach der Geburt die Gebärmutter bei der Heilung zu unterstützen. Und ein Wagyu-Kalb aus Balzlis eigener Zucht erhält Antibiotika und Entzündungshemmer, da es sich eine Lungenentzündung geholt hat.

Ihre Arbeit beurteilt die 47-jährige pragmatisch. «Gesunde Tiere sind für alle ein Gewinn. Wenn es ihnen gut geht, haben die Bauern nicht nur weniger Kosten und Verluste, sondern produzieren auch qualitativ bessere Lebensmittel.» Deshalb sei in den letzten Jahren viel in die Tiergesundheit und Krankheitsprophylaxe investiert worden. «Der sogenannte «Kuhkomfort» ist kein hohles Schlagwort.»

Unnötiges Leiden verhindern

Im Gegensatz dazu erlebte Balzli auch schon unschöne Szenen. Sie erinnert sich an den Fall eines Bauern, der seine Kuh trotz schweren Entzündungen am Euter zwei Tage lang ohne Behandlung leiden liess, da er sie partout nicht mit Antibiotika behandeln lassen wollte. «Das ist total unverständlich!», sagt Balzli. Als sie dann endlich alarmiert wurde, war es zu spät und das Tier starb. «Mit einer gezielten Behandlung wäre der Kuh viel Leid erspart geblieben.» Zum Glück habe sie das in den 22 Jahren als Grosstierärztin nur einmal erlebt.

Was viele Konsumentinnen und Konsumenten noch immer nicht wissen: In der Schweiz ist der Einsatz von Medikamenten bei Nutztieren sehr streng geregelt und eingeschränkt. Zur Leistungsförderung sind Hormone und Antibiotika bereits seit 20 Jahren verboten.

Halb so viel Antibiotika

In der Tiermedizin ist der Gebrauch von Antibiotika in den vergangenen zehn Jahren um über die Hälfte zurückgegangen. Und seit Anfang Oktober muss jeder Gebrauch elektronisch erfasst werden.

Die Kontrollen seien so streng, dass sie von der Qualität des Schweizer Fleisches absolut überzeugt sei. «Wenn ein Medikament zu Rückständen im Tier führen kann, dann gibt es automatisch eine Milch- oder Fleischsperre». In dieser Zeit dürfen keine entsprechenden Lebensmittel produziert werden. Bei Kälbern kann diese Sperre bis zu mehreren Wochen dauern.

Aus eigener Erfahrung ist sie überzeugt: «Kein Bauer riskiert, dass seine Produkte nach Kontrollen beanstandet werden.» Die Ausfälle, Zusatzkontrollen und allenfalls Bussen seien sehr teuer, weil dann hohe Verluste und Kosten entstehen. «Und es ist eine Schande, die niemand riskiert». Deshalb isst sie selber nur Schweizer Fleisch.

Der Zukunft schaut Balzli kritisch, aber durchaus positiv entgegen. Der Wettbewerb in der Landwirtschaft sei härter geworden und kleine Höfe verschwinden. Doch um die Tiergesundheit sei es gut bestellt. Und sie sieht das Potential für die qualitativ hochwertigen Erzeugnisse der Schweizer Bäuerinnen und Bauern. Darauf setzt sie auch persönlich.

Mit ihrem Partner züchtet sie Wagyu-Rinder, welche für ihr äusserst schmackhaftes Fleisch begehrt sind. Die Arbeit mit den Tieren braucht Geduld. Sie benötigen viel Pflege und wachsen doppelt so lange, wie andere Fleischrassen. «Mal schauen, wie sich das entwickelt», sagt Balzli und spritzt mit einem Schlauch die Gülle von ihren Stiefeln.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sikue am 07.10.2019 08:00 Report Diesen Beitrag melden

    Immer diese Kritiker

    Wir sind eine Bauernfamilie mit 60 Milchkühen und 20-30 Aufzuchtstieren. Wir erleben immer genau solche Notfälle/ Eisätze wie die Tierärztin beschreibt. Auch Antibiotika kommt im Notfall in Einsatz oder sollen wir ein Kalb mit einer Lungenentzündung leiden lassen oder gleich einschläfern. Ich find es traurig wie es Leute gibt die immer alles besser wissen und über Sachen urteilen die sie nicht verstehen.

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  • Mona Lalisa am 07.10.2019 06:08 Report Diesen Beitrag melden

    Tierärztin

    Danke an die liebe Ärztin , danke dass Sie mit Hingabe diesen Beruf ausüben , Danke , Danke , Danke .

  • Markus am 07.10.2019 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    Weniger ist mehr

    Da wünsche ich allen die ihr Fleisch im Ausland kaufen einen guten Appetit Esst weniger Fleisch dafür gutes und kontrolliertens

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ueli am 13.10.2019 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Happy end ?? 7 tage später landet sie trotzdem auf dem grill

  • Bauernsohn ders selbst miterlebte am 13.10.2019 00:29 Report Diesen Beitrag melden

    Ach die Verharmlosungen wieder.

    Hätte der Fleischlobby-Verband doch eine Werbung geschaltet, dass mehrere zehntausend Tiere schon vor dem Schlacht-Termin an Krankheiten sterben, weil die Bedingungen in der industriellen Tierzucht so lebensfeindlich sind. Das wäre wenigstens ehrlich und transparent gewesen. Stattdessen wird hier Schönfärberei, welcher absolut nicht der hässlichen Realität entspricht aufgetischt. Auch in den Kommentaren. Schön die Realität verleumden, schliesslich drückt das schlechte Gewissen...

    • Landwirt am 13.10.2019 13:01 Report Diesen Beitrag melden

      @ bauernsohn

      Es sterben auch in der Natur mehrere Zehntausend Tiere. Pro Tag. Nutztiere werden wenigstens medizinisch behandelt. Wildtiere gehen elendiglich ein.

    • Leser am 13.10.2019 21:28 Report Diesen Beitrag melden

      @Landwirt

      Ja, das hat die Natur so an sich, dass Tiere und Lebewesen aus natürlichen Gründen sterben. Die mehrere Zehntausend Rinder in der Massentierhaltung sterben aber nicht durch die Natur, sondern wegen den unsäglichen Bedingungen in der Tierindustrie und darausfolgenden Krankheiten. Also ist der Mensch schuld. Aber eben, wie sagte der "Bauernsohn" schön, immer fleissig Dinge verzerren wie Sie und die Realität verleumden. Das Gewissen... Naja, wenn man sein Geld mit der Wörtlichen Ausbeutung von anderen Lebewesen verdient wie in der aus-"Nutz"Tier LandWirtschaft.

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  • Lina Lina am 13.10.2019 00:16 Report Diesen Beitrag melden

    Happy End für die Kuh?

    Wo bleibt das Happy End für die Kuh? Sie kann weiter als Gebärmaschine arbeiten, ihr werden noch ein paar Kälber früher als nötig weggenommen und geschlachtet. Ein tolles Leben. Sie ist sicher dankbar...

  • Metzger - der 5000 am 12.10.2019 23:04 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht gut

    Früher wäre sie noch zart gewesen. Heute ist sie zäch.

  • Neumann am 12.10.2019 21:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja

    Wer Fleisch isst weiss leider nicht was er isst und wieviel Probleme er sich auf die Länge gesundheitlich einhandelt, ganz abgesehen von den unmenschlichen Aufzuchtmethoden unserer gut subventionierten Bauernkaste und dem dadurch resultierenden Tierleid, das hier leider keinen interessiert.

    • Landei am 13.10.2019 00:27 Report Diesen Beitrag melden

      Es interessiert immer mehr

      Immer mehr können ihr schlechtes Gewissen nicht mehr verdrängen. Immer mehr Bilder aus unseren Massentierhaltungen dringen nach draussen. Immer mehr Bilder aus den Schlachthöfen werden öffentlich. Immer mehr finden es einfach nur schrecklich, wie die Kälblein in kleine Igluboxen gesperrt werden, damit sie ja keine Muskeln ansetzen dürfen. Wer aus Glust- und Genussgründen Tiere mit Empfindungen und Gefühlen, wie wir auch, ausnutzt und dann schlachtet, ist einfach nur rückständig und böse. Das erkennen immer mehr... "Dominion" Film schauen. Oder "Earthlings" oder, oder, oder... "En Guete"

    • Landwirt am 13.10.2019 13:03 Report Diesen Beitrag melden

      @ neumann

      Wer Pflanzen isst weiss aber immer was er isst? Und dass er gesund bleiben wird? Ist ja toll! Alles gute!

    • Landwirt am 13.10.2019 13:06 Report Diesen Beitrag melden

      @landei

      Ihr Beitrag ist lustig! Selten so gelacht! Kälber sind imfall in Iglus weil Tierschützer hersusgefunden haben, dass die Kälber möglichst viel frische Luft brauchen. Wer um himmels Willen sollte daran interessiert sein, dass Kälber keine Muskeln ansetzen? Keine Muskeln=kein Fleisch.

    • Neumann am 13.10.2019 16:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Landwirt

      Bauern, die Massentierhaltung, sprich Fleischproduktion machen, gehören für mich zur Achse des Bösen, inkl derer, welche die Tiere lebendig durch ganz Europa karren. Bauern, die mit ihren Häschen spielen und mit den Kälbchen Fangis machen und die Küken streicheln und die Tierli alle bei ihnen in Frieden alt werden lassen, das sind für mich Helden. Schliesslich kann man ja Fleisch und Eier im Supermarkt kaufen, da braucht es Euch landwirte nicht auch noch als Bösewichte.

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