Energy Challenge

11. Oktober 2018 08:47; Akt: 17.10.2018 06:54 Print

Wie viel Energie steckt in Lebensmitteln?

Leserin Alina macht sich Gedanken über die Energie- und Ökobilanz ihrer Ernährung. Muss sie vegan leben, um die Umwelt zu schützen?

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Mein Freund ist Veganer und reibt mir immer wieder unter die Nase, dass nur vegane Ernährung umweltfreundlich sei und alle Fleischesser grosse Mitschuld am Klimawandel tragen. Stimmt das? Wie viel Energie spart er mit dem Verzicht auf tierische Produkte ungefähr ein? Ich kann mir nicht vorstellen, mich fleischlos zu ernähren. Wie kann ich die Energiebilanz meiner Ernährung dennoch verbessern?
Alina (21) aus Basel

Umfrage
Würden Sie für die Umwelt auf Fleisch und tierische Produkte verzichten?

Gänzlich auf Fleisch oder sogar generell auf tierische Produkte zu verzichten, ist eine Frage der Einstellung. Aber in allen Lebensmitteln steckt Energie – sogenannte graue Energie. Mit einem bewussten Konsumverhalten kannst du sehr viel dazu beitragen, deinen Energieverbrauch zu vermindern, ohne dabei komplett auf Fleisch verzichten zu müssen.

In jedem Produkt steckt Energie. Diese wird für die Herstellung, Lagerung, Transport, Verkauf und Entsorgung gebraucht. In der Umgangssprache wird diese Energie als «graue Energie» bezeichnet. Circa 12 Prozent der Energie wird in Haushalten in Form von grauer Energie konsumiert. In Zahlen ausgedrückt entspricht dies pro Person und Tag ungefähr der Energiemenge von drei Litern Heizöl. Wenn hierfür fossile Brennstoffe wie Treibstoff für den Traktor oder in Kohlekraftwerken erzeugter Strom verwendet werden, entsteht das Treibhausgas CO2, das die Hauptursache für die Klimaveränderung ist. Bei der Herstellung von Lebensmitteln kommen weitere klimabelastende Stoffe hinzu. Dazu gehört das Methan, das bei der Tierhaltung entsteht, oder die eingesetzten Düngemittel bei pflanzlichen Produkten. Insgesamt können so rund 30 Prozent der gesamten Umweltbelastungen der Ernährung zugeordnet werden.

Riesige Sparpackungen lohnen sich nur für Grossfamilien

Die einfachste Art, wirkungsvoll Energie zu sparen, beginnt bei der Menge: Auf keinen Fall mehr einkaufen, als man konsumiert. Etwas angepasst ist die Lebensweisheit unserer Grosseltern nicht falsch: «Nicht mehr auf den Teller laden, als man auch essen mag!» Ausser für Grossfamilien lohnt es sich nicht, grosse Sparpackungen einzukaufen. Auch wenn die Hälfte im Tiefkühler gelagert wird, ist der hierfür benötigte Strom teurer als der erwirkte Rabatt.

Die zweite Gewissensfrage ist: Wie kommen die Lebensmittel vom Verkaufsgeschäft zu dir nach Hause? Mit dem Auto ins Einkaufszentrum zu fahren, braucht auch Treibstoff – insbesondere dann, wenn das Einkaufszentrum nicht gerade um die Ecke liegt. So kannst du vielleicht deinen Arbeitsweg mit dem Einkaufsgang verbinden oder im Quartierladen einkaufen. Der günstige Einkauf im benachbarten Ausland lohnt sich wirklich nur, wenn man direkt an der Grenze wohnt.

Fünf Liter Erdöl für Spargeln aus Übersee

Der dritte Schritt liegt bei der Auswahl der Lebensmittel. Saisonale Produkte aus der Region enthalten deutlich weniger Energie. Besonders eindrücklich ist der Unterschied beim Energieverbrauch am Beispiel der Spargeln: In einem Bund Spargeln aus Übersee steckt die Energie von umgerechnet fünf Litern Erdöl. Wenn man Spargeln aus der Schweiz konsumiert, liegt der Energieverbrauch bei 0,3 Litern. Neben der Energie für den Transport hat auch die Art der Produktion einen grossen Einfluss: Freilandtomaten, die auf natürlichem Boden wachsen, enthalten fast viermal weniger graue Energie als Hors-sol-Tomaten aus dem Gewächshaus.

Mit einem bewussten Fleischkonsum kannst du deinen Energieverbrauch zusätzlich reduzieren: Für die Herstellung von Rindfleisch muss das Tier etwa die zehnfache Energiemenge aufnehmen, die schliesslich bei dir auf dem Teller landet. Geflügel- und Schweinefleisch kommen etwa mit der halben Energiemenge aus.

Das energie- und kosteneffizienteste Getränk: Hahnenwasser

Zum Schluss noch das eindrücklichste Beispiel: Wasser! Im Wasser, das in der Flasche gekauft wird, ist 1000-mal mehr Energie enthalten als im Hahnenwasser. In der Schweiz sind wir jedoch in einer absolut bevorzugten Lage: In jeder Stadt und jeder Gemeinde kann Hahnenwasser ohne Bedenken genossen werden. Unser Leitungswasser ist nämlich ein Lebensmittel und unterliegt darum einer äusserst strengen Qualitätskontrolle. Hinzu kommt, dass es eine ideale Temperatur hat und nicht vorgängig in den Kühlschrank gestellt werden muss. Es kommt ohne Verpackungsmaterial aus und muss auch nicht mühsam nach Hause geschleppt werden.

(sts)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Liliane am 09.10.2018 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Vegan ist nicht gleich Vegan

    Denn wer aus Rücksicht auf die Tierwelt und Umwelt Vegan leben möchte darf keine Tofu, Kokos, Mandelmilch, grüne Limonen, Bananen und Sojaprodukte essen. Auch die Nahrungsergänzungsmittel sind fragwürdig. Bleibt nur das lokale Angebot und das ist im Winter etwas schwierig ohne selber Konserven angelegt zu haben oder eben gegen die Umwelt das Zeugs zu Essen was 10'000 und mehr Kilometer weit her transpotiert werden muss.

    einklappen einklappen
  • Thomas Metzger am 09.10.2018 14:09 Report Diesen Beitrag melden

    Schweinsfilet

    Ich liebe diese Weltverbesserer,freue mich schon auf mein Schweinsfilet heute abend.

    einklappen einklappen
  • SSch am 09.10.2018 12:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..........

    Ja und Wasser ist auch noch gesund,sofern die Leitungen in Ordnung sind.Beim Filter muss man halbjährlich die Patronen wechseln.Wenn man so einen alte Patrone gesehen hat,verzichtet man nie mehr freiwillig auf einen Wasserfilter.Wieviel Energie wohl in einem solchen Filter steckt??

Die neusten Leser-Kommentare

  • Eugen Fischer am 17.10.2018 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Setzlinge

    Und woher kommen die Setzlinge?

  • rolando am 17.10.2018 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    Es wird immer enger und extremer

    Am besten kauft man BIO-Gemüse aus der Region und 1x pro Woche ein saftiges Fleisch. Das steht aber im Widerspruch zu all den linken Veganer, die Avocados, Mangos oder was auch immer für eine Superfrucht in der Migros kaufen und gleichzeitig Bauern als Subventions-Empfänger beschimpfen.

  • Beobachter am 17.10.2018 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    Vegetarisch am umweltschonendsten

    fuer die Umwelt ist die vegetarische Ernaehrung am besten. auf vielen Gebieten kann man kein ackerbau betreiben da ist Viehwirtschaft besser. Auch braucht es die Diversitaet. Viel wichtiger ist allerdings das man LOKAL produziert und, wenn wir bei der Umwelt sind, Biologisch. Wer wirklich was fuer die Umwelt tun will handelt nach der Fair-Food-Initiative. Mit Fair-Food darf man sich aud mal ein gutes Stueck Fleisch leisten. Einfach kein Fleisch aus Massenproduktion und vorallem keine Produkte aus Gentech-Anbau. Gentechanbau ist das Schlimmste von Allem. Es zerstoert den Boden

  • Sack Zement am 14.10.2018 19:16 Report Diesen Beitrag melden

    Aufgabe

    Es gibt Fleisch von Weiderindern. Die werden ausschliesslich mit Weidegras, Heu und Silage gefüttert. Dieses Futter wächst an Orten, wo z.T. kein Ackerbau möglich ist. Herr Pikali möge sich doch mal die Mühe nehmen und dieses Fleisch zu berechnen, statt etwas abzuschreiben.

  • Nicole am 14.10.2018 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    Fleischliebhaberin

    Also, das meiste/ein Großteil unseres Obst und Gemüse, in den gängigen Supermärkten kommt nicht aus der Schweiz! Wie sieht es da mit der Ökobilanz aus? Hört mir auf immer auf, immer mit dem Finger auf Fleischkonsumenten zu zeigen.

    • einheimischer am 14.10.2018 16:05 Report Diesen Beitrag melden

      hauptsache bio und vegan nichtwahr

      genau. veröffentlicht doch mal die ökobilanz von "bio" soja/tofu aus china. oder "bio" erdbeeren und spargeln aus mexico/peru. gerade neulich waren im foobyheftli erdbeerrezepte drin. IM OkTOBER! eigentlich gäbs jetzt äpfel kürbis und kabis.

    • Beobachter am 17.10.2018 09:11 Report Diesen Beitrag melden

      @Einheimischer

      Naja, ich achte auf Bio aber es muss aus der Schweiz oder mindestens aus Europa kommen. Biokartoffeln aus Aegypten, Bio-Aepfel aus Peru ... sind fuer mich ein Witz. Hab die Erdbeeren auch gesehen. Wollte die Aepfel nehmen. Sie waren aus Peru oder aus Suedafrika. Hab dann Trauben aus Spanien genommen. Die waren auch nicht besser. Haben im Wesentlichen nach Wasser geschmeckt. Lokale bioprodukte sind meine erste Wahl, Lokale Produkte meine Zweite.

    einklappen einklappen