Minarett-Verbot

29. November 2009 22:45; Akt: 05.03.2010 12:07 Print

«Muslime in der Schweiz müssen sich anpassen»

Die Minarett-Initiative hat ihren Ursprung in Wangen SO und Wil SG. Auch dort ist die Überraschung gross.

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«Wir sind über das Resultat in der Gemeinde sehr überrascht. Wir müssen jetzt schnell reagieren und uns weitere Massnahmen überlegen», sagt Claude Wagner (SP), Gemeinderat in Wangen bei Olten. Der Streit um das mittlerweile errichtete Wangener Minarett und ein geplantes in Wil SG führte unter anderem zur Verbots-Initiative. Auch in Wil, dem Wohnort von Mitinitiant Lukas Reimann, dominiert die Überraschung: «Das Ergebnis ist bünzlig und erschütternd», so eine Frau. Ein anderer Passant hingegen zeigt sich zufrieden: «Muslime in der Schweiz müssen sich anpassen», sagt er, auch wenn er es bedaure, dass dieses «Integrations-Machtwort» via die Minarett-Initiative habe gesprochen werden müssen.

In der islamischen Gemeinschaft Wil sind rund 750 Mitglieder registriert. Derzeit treffen sie sich in einem Provisorium. Dort hat man gestern den Entscheid differenziert diskutiert – aber nicht verurteilt. Die Reaktionen von Muslimen auf der Strasse aber sind teils harsch: «Es ist ein Rückschlag für die Demokratie und eine Schande für die Schweiz», so ein junger Muslim. Überrumpelt hat das Ergebnis Beda Meier, Leiter der St. Galler Integrationsstelle: Er «kondolierte» der islamischen Gemeinschaft zum Ausgang der Abstimmung, indem er ihr eine Adventskerze brachte. Er zeigt sich gleichzeitig selbstkritisch: «Wir haben bei der Integration unsere Hausaufgaben nicht gemacht.» Am umstrittenen Wiler Moscheeprojekt wollen die Muslime festhalten – wie aus dem Umfeld zu vernehmen ist, nun definitiv ohne Minarett.

(tob/20 Minuten)