UN-Bericht

10. August 2010 10:51; Akt: 10.08.2010 18:05 Print

Drastisch mehr zivile Opfer in Afghanistan

Im ersten Halbjahr dieses Jahres sind in Afghanistan mit fast 1300 Toten 31 Prozent mehr Zivilisten getötet worden als im Jahr zuvor. Für die meisten Opfer sind die Taliban verantwortlich.

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Über 1700 Zivilisten wurden innert sechs Monaten Opfer von Sprengstoff-Attacken und NATO-Angriffen. (Bild: Keystone/AP)

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Der Afghanistan-Krieg kostet immer mehr Zivilisten das Leben, und immer öfter sterben Kinder. Der Halbjahresbericht der Vereinten Nationen zu zivilen Opfern zeichnet ein düsteres Bild. Verantwortlich für den Anstieg der Opferzahlen sind laut der UNO die Taliban.

Anschläge und Angriffe der Aufständischen hätten erneut zu einer dramatischen Zunahme von zivilen Opfern geführt, wie die Mission der Vereinten Nationen in Afghanistan (UNAMA) am Dienstag in Kabul. Dagegen habe die Zahl der bei Militäroperationen getöteten oder verletzten Zivilisten deutlich abgenommen.

«Afghanische Kinder und Frauen tragen zunehmend die Hauptlast dieses Konflikts», sagte der UNO-Sondergesandte in Afghanistan, Staffan de Mistura.

Unter den Opfern von Taliban-Gewalttaten im ersten Halbjahr 2010 seien 55 Prozent mehr Kinder als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Anteil der Frauen unter den Opfern von Anschlägen und Angriffen der Aufständischen nahm nach UNAMA-Angaben um sechs Prozent zu.

Erschreckende Zahl ziviler Opfer

Im ersten Halbjahr 2010 stieg die Zahl der getöteten und verletzten Zivilisten verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um insgesamt 31 Prozent, wie UNAMA berichtete. Bis Ende Juni hätten Aufständische oder ausländische und einheimische Sicherheitskräfte insgesamt 1271 Unbeteiligte getötet, weitere 1997 seien verletzt worden.

Aufständische wie die radikal-islamischen Taliban seien für 76 Prozent dieser Fälle verantwortlich, was einer Zunahme um 53 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2009 entspreche, heisst es im UNAMA- Halbjahresbericht zum «Schutz von Zivilisten im bewaffneten Konflikt».

Neue Einsatzregeln bei Luftangriffen

Ausländische und einheimische Sicherheitskräfte haben den Angaben zufolge 12 Prozent der zivilen Opfer zu verantworten. Das sei ein Minus von 30 Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum, teilte UNAMA weiter mit. Die fehlenden 12 Prozent wurden keiner der Konfliktparteien zugeordnet.

Bei Militäroperationen starben die meisten Zivilisten weiterhin durch Luftangriffe. Die Zahl der zivilen Opfer bei Luftschlägen sei aber durch veränderte Einsatzregeln der ausländischen Truppen um 64 Prozent zurückgegangen.

Kinder öffentlich hingerichtet

Die Zahl der Zivilisten, die von den Taliban gezielt ermordet oder hingerichtet worden seien, habe sich beinahe verdoppelt. Die Aufständischen hätten selbst Kinder öffentlich hingerichtet. Zu einer Zunahme der zivilen Opfer habe auch geführt, dass die Taliban mehr, grössere und technisch ausgereiftere Sprengfallen einsetzten.

UNAMA rief die Taliban-Führung dazu auf, alle Befehle zum Töten von Zivilisten zurückzuziehen und auf den Einsatz von Sprengfallen und Selbstmordattentätern zu verzichten. Auch müssten die Aufständischen aufhören, Zivilisten als lebende Schutzschilder einzusetzen.

Anschlag auf Ausländer in Kabul

Zwei Selbstmordattentäter sprengten sich am Dienstag vor dem Sitz der britischen Sicherheitsfirma Hart in Kabul in die Luft und rissen dabei zwei Menschen mit in den Tod. Ein Wachmann der Firma wurde verletzt. Zu der Tat bekannten sich die Taliban.

Afghanistans Präsident Hamid Karsai hatte zuvor die Auflösung aller privaten Sicherheitsunternehmen im Land angekündigt. Betroffen seien sowohl einheimische als auch internationale Firmen. Etwa 40'000 Menschen arbeiten in Afghanistan für private Söldnerfirmen. Oft arbeiten diese auch mit den internationalen Truppen zusammen.

(ap)