Mullah Mohammed Omar

23. Mai 2011 09:47; Akt: 23.05.2011 14:33 Print

Gerüchte über Tod von Taliban-Chef

Nach Osama Bin Laden soll nun auch Mullah Mohammed Omar, der Anführer der afghanischen Taliban, getötet worden sein – vom pakistanischen Geheimdienst.

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Der spirituelle Führer der Taliban Mullah Mohammed Omar. (Bild: AFP)

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Die Taliban in Afghanistan haben einen Bericht über den Tod ihres Anführers dementiert. «Es handelt sich um reine Propaganda», sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid am Montag per Telefon. «Er ist in Afghanistan und führt den Dschihad.»

Ein Mitarbeiter des afghanischen Geheimdienstes NDS, der anonym bleiben wollte, sagte dagegen: «Wir bestätigen, dass Mullah Omar getötet wurde.» Der private afghanische Fernsehsender Tolo TV hatte zuvor unter Berufung auf eine ungenannte Quelle im NDS gemeldet, Mullah Omar sei in Pakistan getötet worden.

Seit elf Tagen vermisst

Hinter der Tat soll ausgerechnet der pakistanische Geheimdienst ISI stecken, dem immer wieder Verbindungen zu den Taliban nachgesagt werden. Eine afghanische Geheimdienst-Quelle sagte der Nachrichtenagentur AFP, Omar habe von General Hamid Gul, dem ehemaligen Chef des ISI, die Anweisung erhalten, sich aus der Stadt Quetta in die Region Nord-Wasiristan zu begeben. Unterwegs sei er «heimlich» vom ISI getötet worden.

Ein weiterer afghanischer Geheimdienstler, der anonym bleiben wollte, sagte gegenüber AFP, Mullah Omar werde seit einem Treffen mit Hamid Gul vor elf Tagen vermisst. Seine engsten Vertrauten hätten nichts mehr von ihm gehört. «Die Führung der Taliban ist wegen dem plötzlichen Verschwinden von Mullah Omar sehr besorgt», so die Quelle.

«Ein Haufen Lügen»

Gul wies die Berichte in Rawalpindi als «einen Haufen Lügen» zurück. «Ich bin zu Hause. Ich habe die Stadt seit mindestens einer Woche nicht verlassen», sagte er. Ziel sei, ihn wegen seiner Haltung zu Osama Bin Laden zu diffamieren. Gul hatte die US-Operation zur Tötung des Al-Kaida-Chefs verurteilt. In der Vergangenheit hatte er Bin Laden als «Freiheitskämpfer» bezeichnet.

Mullah Mohammed Omar, der im Krieg gegen die sowjetischen Besatzer in den 1980er-Jahren ein Auge verloren hatte, war während der Schreckensherrschaft der Taliban von 1996 bis 2001 der faktische Staatschef von Afghanistan. Nach dem Einmarsch der Amerikaner tauchte Omar, von dem es kaum verlässliche Fotos gibt, unter. Seither wurde er im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet vermutet.

Nächstes Ziel nach Bin Laden

Bereits kurz nach der Tötung von Osama Bin Laden war der Taliban-Chef als mögliches nächstes Ziel genannt worden. «Wenn ich Mullah Omar wäre, würde ich mir Sorgen machen», sagte US-General Richard Mills. Gleichzeitig kündigte Pakistan laut dem «Tagesspiegel» an, man werde eine «massive Suchaktion» nach Omar starten.

Dies schürte Gerüchte, wonach die USA und Pakistan schon bei der Jagd auf Osama Bin Laden enger zusammengearbeitet haben, als sie zugeben wollten. Denn zwischen dem Al-Kaida-Chef und dem Taliban-Anführer gab es familiäre Bande, Omar hatte eine Tochter Bin Ladens geheiratet. Falls beide tot wären, könnten sich die afghanischen Taliban von Al Kaida lossagen und einen Friedensschluss mit der Regierung in Kabul anstreben. Und dann könnten sich die Amerikaner, so das Kalkül, halbwegs ehrenvoll aus Afghanistan zurückziehen.

(pbl/sda/ap)