Inszenierung

13. Dezember 2010 15:23; Akt: 13.12.2010 15:41 Print

Die Guttenberg-Show gastiert in Afghanistan

Für seinen siebten Truppenbesuch am Hindukusch zieht der deutsche Verteidigungsminister zu Guttenberg alle Register. Mit dabei: Seine Frau und Johannes B. Kerner. Die Opposition tobt.

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Stephanie und Karl-Theodor zu Guttenberg tragen bei ihrer Ankunft kugelsichere Westen.

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Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist am Montag mit seiner Frau Stephanie zu einem nicht angekündigten Besuch bei den deutschen Soldaten in Afghanistan eingetroffen. Mit dabei ist auch der TV-Moderator Johannes B. Kerner. Er will in Afghanistan eine Ausgabe seiner Talkshow «Kerner» aufzeichnen und hat deshalb ein komplettes Fernsehstudio ins Kriegsgebiet fliegen lassen. Für den Verteidigungsminister ist es bereits der siebte Besuch in Afghanistan. Es ist allerdings das erste Mal, dass sich ein deutscher Minister bei einem Truppenbesuch in dem Land von seiner Gattin begleiten lässt.

Frau zu Guttenberg besuchte zunächst das Lazarett und sprach dann mit Soldatinnen über die Anforderungen für Frauen im Einsatz. Ihr Besuch solle auch verdeutlichen, wie sehr Soldaten im Auslandseinsatz auf den Rückhalt ihrer Familien angewiesen sind, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Sie habe ihren Ehemann schon immer auf einer seiner Reisen an den Hindukusch begleiten wollen, sagte Stephanie zu Guttenberg im Feldlager in Kundus. Der Gefahr in Afghanistan begegne sie mit viel Respekt: «Das ist kein spassiger Ausflug, das ist bitterer Ernst.»

SPD: Befremdliche Inszenierung

Die Opposition kritisierte den gemeinsamen Truppenbesuch des Verteidigungsministers und seiner Gattin scharf. «Die Soldaten werden für die Show des Ministers instrumentalisiert», erklärte der SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels im «Tagesspiegel». Er sprach von einer befremdlichen Inszenierung.

Der Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour erklärte, es sei Guttenbergs eigener Entscheid, ob er aus dem Truppenbesuch einen Familienausflug mache. «Allerdings läuft er Gefahr, dass er die Risiken im Einsatzgebiet stark banalisiert», sagte am Montag. Kritik kam auch vom Fraktionschef der Linken, Gregor Gysi.

Nördliche Unruheprovinz Kundus

Die Guttenbergs waren zunächst in Mazar-i-Sharif im Norden des Landes eingetroffen und dann weiter zum Bundeswehr-Feldlager Kundus gereist. Dort traf der Minister mit Befehlshabern und Soldaten zusammen, um sich ein Urteil über den Einsatz zu bilden.

Kundus gilt seit Jahren als Unruheprovinz in dem von Deutschland verantworteten Nordbereich Afghanistans. Die Bundeswehr ist seit Anfang 2002 in Afghanistan mit Truppen präsent. Zurzeit befinden sich knapp 4600 Soldaten im Afghanistan-Einsatz.

(sda)