Schlüsselmoment

05. Mai 2011 17:35; Akt: 05.05.2011 17:45 Print

Ein Bild für die Ewigkeit

Barack Obama im «Situation Room» während der Aktion gegen Bin Laden könnte das Bild seiner Präsidentschaft werden. Die Ikonenbildung beginnt bereits – samt ihrer Begleiterscheinungen.

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Von jedem US-Präsidenten der jüngeren Geschichte gibt es ein Bild, das wie kein anderes seine Amtszeit, sein Wesen und manchmal auch seine Tragik symbolisiert: John F. Kennedy am Tag seiner Ermordung in Dallas, sein Nachfolger Lyndon B. Johnson während der Vereidigung am selben Tag, Richard Nixons Victory-Zeichen nach seinem Rücktritt oder George W. Bush auf dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln mit dem Banner «Mission Accomplished» im Hintergrund.

Seit vergangenem Sonntag mutmasst die amerikanische Öffentlichkeit, Barack Obama könnte sich mit seiner Momentaufnahme aus dem «Situation Room» des Weissen Hauses während der Kommandoaktion gegen Osama Bin Laden in die illustre Bildstrecke einreihen.

Mit der Tötung des meistgesuchten Terroristen der Welt hat er sich ein Denkmal gesetzt – und seinen Anspruch auf Deutungshoheit frühzeitig mit der Freigabe jenes Bildes untermauert. Der Anblick der geschundenen Leiche Bin Ladens wird ihm hierbei nicht in die Quere kommen, wie er inzwischen verlauten liess.

Obama angespannt aber selbstsicher

Erste Analysen der Aufnahme wiesen darauf hin, dass der Präsident keine zentrale Position im Bild einnimmt und fast wie ein unbeteiligter Zuschauer wirkt – im Unterschied etwa zu Brigadegeneral Marshall B. Webb in seinem ausnehmenden Ledersessel in der Mitte des Bildes. Nichts deutet darauf hin, dass jene kleine Gestalt am Rand der Präsident sein könnte.

Wohlwollende Beobachter interpretierten das Missverhältnis allerdings zu Obamas Gunsten: Sein Selbstvertrauen sei so gross, dass er sich nicht künstlich in Szene setzen muss. So überlässt der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte einem seiner Generäle den besten Platz und kommt trotzdem gut weg.

CNN fiel etwas anderes auf: «Der Präsident, der so oft entspannt und mit einem Lächeln auf den Lippen fotografiert wird, hat einen ernsten Gesichtsausdruck.» Dieses Bild halte «einen Schlüsselmoment der Geschichte sehr gekonnt fest», kommentierte Eric Draper, einer von George W. Bushs Hausfotografen. Es sei dramatisch und bezeuge, wie angespannt die Lage zu jenem Zeitpunkt war.

Zunächst falscher Eindruck

«Für die Anwesenden war es vermutlich einer der beklemmendsten Momente in ihrem Leben», erinnerte sich Obamas Berater für Terrorismusbekämpfung John Brennan, der in der hinteren Reihe stand. «Natürlich waren wir angespannt, viele hielten den Atmen an. Überhaupt war es sehr still, als wir nach und nach über den Fortschritt informiert wurden.»

Ein wichtiger Aspekt dieser Anspannung blieb zunächst im Dunkeln. Sie war nicht so sehr Ausdruck dessen, was Obamas Führungsstab auf dem Monitor sah – sondern was er nicht sah. In den entscheidenden Minuten der Aktion war die Live-Verbindung zu den Helmkameras der Navy Seals unterbrochen, wie die US-Regierung später einräumen musste. Auch 20 Minuten Online kommentierte das Bild fälschlicherweise mit den Worten «Hier sieht Obama live, wie Bin Laden stirbt» und musste später berichtigen.

Eine im Zeitalter der digitalen Bildbearbeitung unausweichliche Begleiterscheinung der Ikonenbildung ist, dass sich – mehr oder weniger – findige Zeitgenossen am Bild zu schaffen machen. Auf einer der gelungeneren Montagen steuert Obama den Einsatz mit einer Playstation-Konsole.

(kri)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eidgenoss am 05.05.2011 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    USA und Menschenrechte; weiter weg denn je?

    Als ich vor einem Jahr die Vereinten Nationen in New York City besuchte, obwohl ich neben dem Revolver mit dem Knoten im Lauf vorbei marschierte, und mit staunenden Augen die Hauptaufgaben dieser Organisation erblickte. Sicherung des Friedens, Sicherung des Völkerrechts, Schutz der Menschenrechte, erfüllte mich dies mit Wehmut. Obschon die UN in der ganzen Welt im Einsatz ist, stimmten mich die geschehenen Geschehnisse doch nachdenklich. Ist der Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York doch der richtige. In einem Land in dem genau diese Ideale der Uno, doch eigentlich schon vor der Haustüre nicht mehr gelten?

  • Degreen am 05.05.2011 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Gratuliere...

    Hier sieht man live "copy and paste-journalismus"

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  • Skynet am 05.05.2011 20:31 Report Diesen Beitrag melden

    Der Segen der uns zum Fluchen bringt...

    Ich finde das schon irgendwie bedenklich wie miserabel die Qualität heutiger Technologie wirklich ist. Also echt, wenn nicht mal die US Army es fertig bringt bei einer ELITE-Truppe im Sondereinsatz eine funktionierende Videoübertragung (oder wenigstens eine Aufzeichnung) ohne technische Pannen hinzukriegen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • B. Troffen am 08.05.2011 03:26 Report Diesen Beitrag melden

    Geht Bin Ladens Rechnung letztlich auf?

    Finds wahnsinnig, wie viele Leute hier auf der Obama-Regierung rumhacken. Man isst amerikanisch, hört, sieht, trägt, fährt und tankt amerikanisch. Aber die Sympathien gehen an eine Mördertruppe, die ihre eigenen Glaubensbrüder in den Tod treibt, bei fehlendem Bart oder Unterordnung steinigt, die Hände abhackt, aufhängt, erschiesst und ganz nebenbei unsere Ferienorte mit sprengstoffgeladenen Gürteln und zum Missile umfunktionierten Flugzeugen bereist. Wobei tausende von Unbeteiligten umgekommen sind. Passagiere, Besatzungen, Arbeitende Rettungskräfte, Menschen wie du und ich, dachte ich mal.

    • Tschügge am 08.05.2011 18:16 Report Diesen Beitrag melden

      Mördertruppe?

      Die USA ist also keine Mördertruppe? Ich glaube was zivile Opfer angeht ist die USA weltweit klarer Spitzenreiter... Zudem ist das hier ein totales PR-Foto.

    • Gabriela-S. am 08.05.2011 21:03 Report Diesen Beitrag melden

      kein Vertrauen in Regierung

      das Misstrauen gegenüber der Regierungen weltweit scheint schon so stark abgenommen hat, dass man selbst solch offensichtlichen Themen nicht mehr vertrauen schneckt.

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  • George am 06.05.2011 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    Seltsam

    Obama sieht gar nicht so glücklich aus, für dass Bin Laden gerade eben getötet wurde... Ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien, aber diesmal bin ich wirklich skeptisch, ob uns da nicht was vorgemacht wurde.

    • Uncle Sam am 06.05.2011 14:23 Report Diesen Beitrag melden

      Uncle Sam meint

      Ich glaube selbst auch nicht dran. Aber ich denke die Angespanntheit liegt eher an der Tatsache, dass das Live-Bild weg ist - vielleicht fragte sich Obama gerade, ob seine SEALs noch leben?

    • Lukas-Blass am 06.05.2011 15:15 Report Diesen Beitrag melden

      @George

      Zu diesem Zeitpunkt lief die Aktion auch erst im vollen Gange und Osama Bin Laden war noch gar nicht getöten worden..

    • Danny am 06.05.2011 16:35 Report Diesen Beitrag melden

      Glücklich?

      George. Siehst Du glücklich aus wenn Du live erlebst, wie jemandem ein tödlicher Kopfschuss verpasst wird? Vielleicht war Obama aber auch in Sorge um die eigenen Leute? Terroristen haben die schlechte Angewohnheit zurück zu schiessen. Man weiss nicht in welchem Augenblick das Foto entstand. Zu meiner "Schande" muss ich zugeben, dass ich wohl gelächelt hätte, wenn ich Bin Ladens Eliminierung hätte beiwohnen können.

    • Gabriela-Sophia am 08.05.2011 21:00 Report Diesen Beitrag melden

      Angst vor Vergältungsschlägen?

      Als Präsident der USA kann er es sich nicht leisten glücklich auf dem Bild zu sein. Die USA hat aus Angst vor Anschlägen viele Botschaften geschlossen. Wie gross wäre wohl die Empörung, wenn er glücklich auf dem Bild wäre? Angelika Merkel hat nun evtl. eine Anklage am Hals (was ohne hin Sinnlos ist, da sie als Bundeskanzlerin Immunität besitzt) weil sie glücklich über den Tod von Bin Laden ist. Man darf somit nicht den grössere Zusammenhang vergessen. Jede Mimik wird gedeutet und kann daraufhin politische Folgen haben. Ich finde, dass Obama hat in diesem Moment grosse Souveränität gezeigt hat

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  • Monique am 06.05.2011 02:21 Report Diesen Beitrag melden

    Die goldene Himbeere für das 1. Bild

    und die ganze Inszenierung. Wo sind denn die Bilder, die die schockierte Madame Clinton sieht? Und warum so viele Widersprüche in der Darstellung des Geschehens, wenn doch so viele via Satelit "Zeugen" waren? Nun heisst es plötzlich "auch 20 Min hat das Bild kommentiert..." Hätte man die Bilder, die die obige Versammlung sah, publiziert, hätte man "falsche Interpretationen" wermieden werden. Das Ganze braucht ziemlich viele Korrekturen, aber glaubwürdiger wird es ncht mehr mehr.

  • Eidgenoss am 05.05.2011 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    USA und Menschenrechte; weiter weg denn je?

    Als ich vor einem Jahr die Vereinten Nationen in New York City besuchte, obwohl ich neben dem Revolver mit dem Knoten im Lauf vorbei marschierte, und mit staunenden Augen die Hauptaufgaben dieser Organisation erblickte. Sicherung des Friedens, Sicherung des Völkerrechts, Schutz der Menschenrechte, erfüllte mich dies mit Wehmut. Obschon die UN in der ganzen Welt im Einsatz ist, stimmten mich die geschehenen Geschehnisse doch nachdenklich. Ist der Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York doch der richtige. In einem Land in dem genau diese Ideale der Uno, doch eigentlich schon vor der Haustüre nicht mehr gelten?

  • Skynet am 05.05.2011 20:31 Report Diesen Beitrag melden

    Der Segen der uns zum Fluchen bringt...

    Ich finde das schon irgendwie bedenklich wie miserabel die Qualität heutiger Technologie wirklich ist. Also echt, wenn nicht mal die US Army es fertig bringt bei einer ELITE-Truppe im Sondereinsatz eine funktionierende Videoübertragung (oder wenigstens eine Aufzeichnung) ohne technische Pannen hinzukriegen.

    • H.M. Bern am 05.05.2011 23:51 Report Diesen Beitrag melden

      Technik der Segen ,das System der Fluch.

      Es liegt leider nicht an der Technologie ..!! Sondern am System welches es anwendet !!!

    • Rolf Raess am 06.05.2011 00:40 Report Diesen Beitrag melden

      Und erst die Atomkraftwerke

      Ganz richtig, dasselbe hat man auch bei den "sicheren" Atomkraftwerken im "Hightech"-Land Japan gesehen. Ich habe auch bemerkt, dass die Japaner scheinbar nur Roboter haben, die singen, tanzen und klavierspielen können no lol

    • Urs vom Land am 06.05.2011 06:44 Report Diesen Beitrag melden

      ?????

      die hatten ja auch gleich einen Übertragungswagen mit Schnitt- und regieplatz um die Ecke!!! Ich glaube, die Video Übertragung ist in solchen Momenten für die kämpfende Truppe das kleinste Problem. Das senden von diesen kleinen Dingern aus Häusern irgendwo in der Pampa evtl. via kleine Relais an Sateliten ist nich so einfach wie eine Eurovision.

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