Fritzl-Haus

15. Februar 2011 14:23; Akt: 15.02.2011 15:32 Print

Vom Horror-Keller zur Party-Grube

In Amstetten mussten die Behörden das Verlies im Hause Fritzl mit einer Eisentür zuschweissen. Jugendliche feierten dort im Keller «coole Partys» - als Mutprobe.

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In dem Verlies sind zwei Schlafräume mit zwei Betten und ein etwa 1,70 Meter hohes Zimmer, in dem sich eine Kochmöglichkeit sowie eine Toilette und Dusche befinden. Die Schlafzimmer sind mit Kinderzeichnungen geschmückt worden. Der Schauplatz des Inzest-Dramas: Amstetten an der Ybbs im Bundesland Niederösterreich. In den hermetisch von der Aussenwelt abgeschotteten Räumen wohnte Elisabeth Fritzl mit drei ihrer Kinder ohne Tageslicht. Hinter einer massiven Stahlbetontür mit Elektromotor waren die Kellerräume verborgen. Die Stahltür konnte nur per Fernbedienung mit einem Zahlencode geöffnet werden. Durch einen etwa fünf Meter langen Gang und ein Schlupfloch gelangte man in ein etwa 1,70 Meter hohes Zimmer, in dem sich eine Kochmöglichkeit sowie eine Toilette und Dusche befinden. Ein Fernseher mit einem Videorekorder und ein Radio waren das einzige Fenster, das eine Welt jenseits der Kellermauern erahnen liess. Anfang Mai entdeckten die Ermittler einen weiteren Zugang. Der geständige Inzest-Täter Josef Fritzl hat das Kellerverlies offenbar schon vor 30 Jahren vorbereitet. Die Planungen gehen bis ins Jahr 1978 zurück. Elisabeth Fritzl war damals zwölf Jahre alt. Die ersten Jahre verbrachte die eingesperrte Tochter in einem etwa 35 Quadratmeter grossen Kernbereich unter dem Altbau. Der weitere Zugang sei mit zwei Türen gesichert gewesen und später offenbar stillgelegt worden. Insgesamt war das Verlies mit acht versperrbaren Türen gesichert, zusätzlich mit einer elektronischen Sicherung.

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Bald soll das Haus des Grauens an der Ybbsstrasse 40 in Amstetten abgerissen werden. Noch vor dem Sommer sollen die Bagger auffahren und das Haus von Josef Fritzl plattmachen. Im Keller hatte der Inzest-Vater seine Tochter Elisabeth 24 Jahre lang gefangen gehalten und mit ihr sieben Kinder gezeugt.

Doch wie die britische Zeitung «Daily Mail» schreibt, sollen im berüchtigten Verlies in den letzten Monaten illegale Partys stattgefunden haben. Offenbar fanden Jugendliche Zugang zum offiziell versperrten Keller über eine ungesicherte Garagentür. Bei einer Kontrolle fanden die Behörden zertrümmerte Stühle, alte Computer, Drogenzubehör, zerbrochene Alkoholflaschen und alte Kleider.

Schon lange keine Kontrollen

Ein Partybesucher, der nach eigenen Angaben nicht bis in den Keller ging, verriet dem «Daily Mail», dass es üblich sei, dort Partys zu feiern. «Es riecht grauenhaft dort unten. Es geht keine Luft und die Wände sind mit Schimmel bedeckt.» Trotzdem sei es unter den Jugendlichen in Amstetten «cool», im Keller zu feiern. Es sei eine Art «Mutprobe» unter den Jungen, im Sinn von «Wer war schon mal in Fritzls Keller?».

Trotz Dreck und Rattenkot kämen die junge Leute immer wieder, erzählt die anonyme Quelle weiter. Weil es keinen Strom hat, bringen sie Kerzen mit. Angst, erwischt zu werden, haben sie offenbar nicht. «Die Wände sind so dick, dass keiner mitbekommt, wenn es unten lärmig ist oder Licht brennt.»

Der Zugang sei einfach: «Man geht über eine kleine Böschung nach unten, in die Garage und dann in den Keller.» Das kleine Geheimnis habe sich über Weihnachten rumgesprochen, erzählt der Insider weiter. Und seitdem sei keiner erwischt worden: «Die Polizei hat schon lange aufgehört, um das Haus herum zu patrouillieren.»

Die letzte Person, die offiziell in den Kellerverlies durfte, war allerdings Fritzls Ehefrau Rosemarie: Sie holte Kleider für ihre Tochter Elisabeth, die nach ihrer Flucht in einen geschützten Bereich der Sonderkrankenanstalt Landesklinikum Amstetten gebracht worden war.

(kle)