Gespenstische Stille

08. November 2010 18:43; Akt: 08.11.2010 20:06 Print

Fritzl-Horrorhaus wird abgerissen

Das Wohnhaus samt Kellerverlies des österreichischen Inzesttäters Josef Fritzl soll verschwinden - für immer.

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In dem Verlies sind zwei Schlafräume mit zwei Betten und ein etwa 1,70 Meter hohes Zimmer, in dem sich eine Kochmöglichkeit sowie eine Toilette und Dusche befinden. Die Schlafzimmer sind mit Kinderzeichnungen geschmückt worden. Der Schauplatz des Inzest-Dramas: Amstetten an der Ybbs im Bundesland Niederösterreich. In den hermetisch von der Aussenwelt abgeschotteten Räumen wohnte Elisabeth Fritzl mit drei ihrer Kinder ohne Tageslicht. Hinter einer massiven Stahlbetontür mit Elektromotor waren die Kellerräume verborgen. Die Stahltür konnte nur per Fernbedienung mit einem Zahlencode geöffnet werden. Durch einen etwa fünf Meter langen Gang und ein Schlupfloch gelangte man in ein etwa 1,70 Meter hohes Zimmer, in dem sich eine Kochmöglichkeit sowie eine Toilette und Dusche befinden. Ein Fernseher mit einem Videorekorder und ein Radio waren das einzige Fenster, das eine Welt jenseits der Kellermauern erahnen liess. Anfang Mai entdeckten die Ermittler einen weiteren Zugang. Der geständige Inzest-Täter Josef Fritzl hat das Kellerverlies offenbar schon vor 30 Jahren vorbereitet. Die Planungen gehen bis ins Jahr 1978 zurück. Elisabeth Fritzl war damals zwölf Jahre alt. Die ersten Jahre verbrachte die eingesperrte Tochter in einem etwa 35 Quadratmeter grossen Kernbereich unter dem Altbau. Der weitere Zugang sei mit zwei Türen gesichert gewesen und später offenbar stillgelegt worden. Insgesamt war das Verlies mit acht versperrbaren Türen gesichert, zusätzlich mit einer elektronischen Sicherung.

Das Horrorhaus von Fritzl

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Das Wohnhaus samt Kellerverlies des österreichischen Inzesttäters Josef Fritzl soll abgerissen werden. Die berichtete die österreichische Tageszeitung «Kurier» am Montag auf ihrer Hompage unter Berufung auf das Gericht.

Es gebe viel Interesse, dass das Gebäude vollkommen verschwindet, sagte der St. Pöltner Konkursrichter Markus Sonnleitner dem Blatt. Die Chancen, das Anwesen im Sinne des zu lebenslanger Haft Verurteilten gewinnbringend zu verkaufen, seien gering.

Fritzl hatte seine Tochter 24 Jahre lang in einem Kellerverlies gefangen gehalten, missbraucht und mit ihr sieben Kinder gezeugt. Über der Erde führte er mit einer Ehefrau ein scheinbar «normales» Leben. Im April 2008 wurden durch eine Erkrankung eines der Kinder seine Verbrechen bekannt und lösten weltweit Entsetzen aus.

Man überlege momentan, wie man das Haus mit Verlies am besten ohne viel Aufsehen zerstören könne, sagte Sonnleitner. Auch die Nachbarn sehnen den Abbruch herbei: «Wenn nur endlich die Bagger auffahren würden», sagte eine Frau dem «Kurier». Im Viertel gebe es massive Vorbehalte gegen das gespenstische Haus.

(sda)