Atomzukunft Schweiz

28. März 2011 12:01; Akt: 28.03.2011 16:30 Print

SP legt Plan für AKW-Ausstieg vor

Die SP präsentiert ein Szenario für einen kontrollierten Ausstieg aus der Atomenergie - und versucht so den Grünen und deren Anti-AKW-Initiative den Rang abzulaufen.

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Soll nach dem Willen der SP möglichst rasch abgeschaltet werden: Das AKW in Beznau. (Bild: Keystone)

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Geht es nach dem Willen der SP sollen in der Schweiz die Atomkraftwerke nach und nach ausser Betrieb genommen und durch erneuerbare Energien sowie durch eine bessere Energienutzung ersetzt werden.

Rasche Massnahmen würden es ermöglichen, «innert Kürze» die drei ältesten Atomkraftwerke in der Schweiz abzuschalten, wie die SP schreibt. Dabei geht es um Beznau 1 und 2, die 1969 beziehungsweise 1971 ans Netz gingen. Und um Mühleberg, welches 1972 den Betrieb aufnahm und 2010 rund 3 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugte. Die übrigen Anlagen sollen nach Ende ihrer Laufzeit nach und nach ausser Betrieb genommen werden.

Grüner Strom solls richten

Bis 2025 könnten mit Photovoltaik, Windkraft, Biomasse und Wasserkraft über 15 000 Gigawattstunden zusätzlicher Strom produziert werden, wie die SP am Montag vor den Medien darlegte. Um dies zu erreichen, soll die Begrenzung der kostendeckenden Einspeisevergütung ab nächstem Jahr aufgehoben werden.

Durch Stromproduktion in Gross-Heizungen und anderen Infrastruktur-Anlagen liessen sich nach den Berechnungen der SP noch einmal 7000 Gigawattstunden Strom erzeugen. Dazu sind durch den Ersatz energiefressender Geräte und Heizungen Einsparungen von 12 000 Gigawattstunden möglich.

Ein erstes Gesetzespaket will die SP noch dieses Jahr durchs Parlament bringen. Jedes Projekt für ein neues Kernkraftwerk werde mit dem Referendum bekämpft, schreibt die Partei. Demnächst soll zudem die Cleantech-Initiative der SP eingerecht werden, die einen Ausstieg bis 2030 mit sich bringen würde.

In Konkurrenz zu den Grünen

Die SP versucht sich mit ihrer Roadmap für den AKW-Ausstieg bei den Wählerinnen und Wählern zu punkten. Sie steht hier im direkten Konkurrenzkampf zu den Grünen, die bei den Wahlen 2011 ebenfalls vom Fukushima-Effekt profitieren möchten.

Die Grünen haben in Rekordzeit eine Anti-AKW-Initiative formuliert, deren Ziel eine Stilllegung aller AKW nach spätestens 40 Betriebsjahren ist. So müsste das jüngste AKW Leibstadt 2024 abgeschaltet werden - das AKW Gösgen im Jahr 2019. Für die älteren AKW in Mühleberg und Beznau 1 und 2 wäre bereits ein Jahr nach Annahme der Initiative Schluss, wie die «NZZ am Sonntag» berichtete.

Die SP gibt jetzt aber ebenfalls Gas. Sie will erste Ausstiegs-Gesetze bereits 2011 durchs Parlament bringen - und käme so als treibende Ausstiegskraft der Initiative der Grünen zuvor. Kein Wunder meinte SP-Präsident Christian Levrat am SP-Parteitag vom Samstag in Zürich: «Wir sind die einzige Partei, die den Ausstieg der Schweiz aus der Kernenergie auf zuverlässige Weise zu bewerkstelligen imstande ist.»

(uwb/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dave w. am 28.03.2011 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchlerisch

    Der Ausstieg ist bis auf weiteres nicht möglich ohne zusätzliche Fossile Kraftwerke zu bauen. Das wollen aber die Grünen und die Roten auch nicht. Wasserkraft darf auch nicht ausgebaut werden wegen der Landschaft. (Grün /Rot) Energiesparen in diesem grossen Ausmass ist schon gar nicht möglich, weil immer mehr Häuser mit Wärmepumpen(Strom) geheizt werden. Dazu kommt der Ausbau der Bahn und Förderung von Elektroautos.

  • Nichts Überstürzen am 28.03.2011 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    Für einmal hat die SP Recht

    Ich mag die Linken zwar nicht, aber wenn es um die Frage der Energieversorgung geht, bin ich diesmal auf der Seite der SP. Wir müssen nicht die AKW's sofort abstellen, sondern nutzen diese weiter und ersetzen sie kontinuierlich mit neuen Energiequellen. Wir brauchen keine neuen AKW's, aber die jetztigen überhastet abzustellen ist noch dämlicher. Das ist gesunder Menschenverstand, nichts weiter. Aber ein EU-Beitritt kommt trotzdem nicht in Frage! ;)

  • Hanspeter Büschi am 28.03.2011 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Chance für die industrielle Entwicklung

    Fernab vom parteipoltischen Geplänkel: Man kann es drehen und wenden, wie man will, so einfach ist das mit der sauberen Energie auch wieder nicht. Der Bedarf an Elektrizität ist steigend. Viele "schmutzige" Energien werden durch Strom ersetzt (Autos). Woher bezieht man die Energie? Ehrlich, ich weiss es nicht. Kernenergie ist eine sehr riskante Lösung. Alternativen müssen wohl noch (zu Ende) entwickelt werden. Es ist die Chance für unsere Forscher und Erfinder wieder zu den Pionieren aufzusteigen. Trotz europäischer Isolation können wir aufzeigen, dass wir immer noch Weltklasse sind.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Paul Buchegger am 30.03.2011 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    Liste der Unfälle in kerntech. Anlagen

    Wer jetzt in der Schweiz noch weitere AKWs bauen will,leidet unter Realitätsverlust. Nun erleben wir den GAU schon in drei Reaktoren von Fukushima-Daiichi.Was geschieht nun im Nordosten der jap. Hauptinsel Honshu?Wird es eine unbewohnbare Region wie um Tschernobyl? Wohin mit all den Leuten? Wer noch neue AKWs will,der konsultiere im Internet die "List der Unfälle in kerntechnischen Anlagen" in aller Welt von 1940-2011.Dort findet er 1969 auch die schweiz."Atomleiche im Keller",das Versuchs-AKW Lucens,das eine Kernschmelze erlitt und in der Kaverne isoliert und versiegelt wurde.

  • Kukuk am 30.03.2011 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Unrealistisch

    jährlich 64 000 GWh Kernenergie will die SP/Grüne ersetzen? Wie soll denn das funktionieren.

    • Scheisstaufatom am 30.03.2011 19:42 Report Diesen Beitrag melden

      Falsche Fakten!

      Ja sicher.. ich weiss nicht wo sie Ihre zahl her haben, aber 64000 gwh ist der Gesamtstormverbrauch der schweiz (nachgeschaut beim BFE) und davon ist 40% Atomstrom also 25600... und das ist eindeutig machbar! die neue zahl stimmt auch mit denen der sp überein.. (ihr plan erklärt wie grob 24000 gwh ersetzt werden..)

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  • Oekonom am 30.03.2011 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Teurer AKW-Strom

    Berücksichtigt man den Ersatz alter AKW's durch neue, die Haftung der Steuerzahler im Störfall, die Entsorgungskosten, die noch nicht gelöste Endlagerung, die regelmässigen Störfälle usw., so ist die AKW-Energie mit sehr grossem Abstand die wohl teuerste Variante der Stromproduktion.

    • Rolf Raess am 30.03.2011 18:01 Report Diesen Beitrag melden

      30 Jahre sabotiert.

      Die Rechten (SVP,FDP,CVP) haben nun hierzulande 30 Jahre lang alle Alternativen blockiert, verlacht und verunmöglicht. Sie sollen den Schlamassel nun ausfressen.

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  • Fritz Gerber am 29.03.2011 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Enlich gute Vorschläge

    Interessante Vorschläge! Jetzt warte ich auf die Vorschläge der SVP ... aber die üben sich lieber in nobler Zurückhaltung. Komisch, sonst brüllen diese Besserwisser ja immer gleich rum ;-) Wahrscheinlich fällt denen nichts Konstruktives ein?

  • Theo B. am 29.03.2011 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Unmöglich?

    Wenn es möglich ist einen Tunnel durch den Gotthard zu bauen, dann soll mir keiner sagen es sei unmöglich genügend alternative Kraftwerke für unsere Stromversorgung zu bauen. Klar kostet das was, neue AKW's zu bauen aber auch!

    • Toni am 30.03.2011 12:10 Report Diesen Beitrag melden

      @Theo B.

      Klar wäre es möglich. Aber das Problem ist, dass gerade diejenigen, welche für den Ausstieg aus dem Atomstrom sind, die alternativen Energie-Projekte bekämpfen (Bsp. Grimselstausee, Windkraft im Jura, etc.). Wie soll man denn so auf Alternative Energie setzen?

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