BKW-Hauptsitz in Bern

26. April 2011 09:16; Akt: 26.04.2011 09:30 Print

Menschenkette gegen AKW-Betreiberin

Tschernobyl-Jahrestag: Mehrere hundert Menschen haben vor dem Sitz des Energiekonzerns BKW in Bern eine Menschenkette gebildet, um gegen AKWs zu demonstrieren.

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Die meist jüngeren Kundgebungsteilnehmenden versammelten sich am Dienstag vor sieben Uhr früh beim Berner Viktoriaplatz. Viele von ihnen trugen gelbe Anti-AKW-Aufkleber auf der Kleidung oder schwenkten gelbe Fahnen. Auf Transparenten erinnerten die Demonstranten an die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl vor 25 Jahren und forderten den Energiekonzern BKW auf, das Atomkraftwerk Mühleberg stillzulegen. Singend und klatschend umkreisten die Kundgebungsteilnehmer das BKW- Hauptgebäude.

Die Kundgebung verlief bislang friedlich. Viele BKW-Mitarbeitende gingen offenbar sehr früh zur Arbeit, um einer allfälligen Konfrontation mit den Aktivisten auszuweichen. In manchen Büros brannte schon kurz nach halb sieben Licht.

Ihren Ausgang nahm die Aktion beim Anti-AKW-Protestcamp auf dem Berner Viktoriaplatz. Dort haben Atomkraftgegner auf einer kleinen Wiese vor dem BKW-Hauptsitz seit mehreren Wochen ihre Zelte aufgeschlagen und fordern den Ausstieg aus der Atomenergie.

Gedenken in der Ukraine

25 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl haben in der Ukraine in der Nacht die Gedenkfeiern an die Tausenden Opfer des Super-GAU begonnen. Um 1.23 Uhr Ortszeit (0.23 Uhr MESZ) erklangen 25 Schläge mit der Tschernobyl-Glocke. Sie läutet traditionell das Erinnern am Jahrestag des Unglücks ein.

«Bis zu diesem Zeitpunkt kannte die Menschheit keine solche Katastrophe wie Tschernobyl», sagte der Patriarch der russisch- orthodoxen Kirche, Kirill, bei einer Trauermesse am Dienstag. Dort trugen Hunderte Menschen, darunter viele Aufräumarbeiter von damals, Kerzen und Blumen. Auch unter dem Eindruck der Reaktorunglücke im japanischen Fukushima wird weltweit der Atomkatastrophe gedacht.

In Lwiw in der Westukraine und in der russischen Ostseeregion Kaliningrad, dem früheren Königsberg, wurden Denkmäler für die so genannten Liquidatoren - die Aufräumarbeiter - eingeweiht. Russische Umweltschützer wollten in Moskau vor der Zentrale des Kraftwerkbauers Rosatom für eine Abschaltung alter Reaktoren demonstrieren.

«Die Atom-Explosion in Tschernobyl brachte furchtbares Leid über Millionen von Menschen. Und sie tut es immer noch», sagte der Geschäftsführer von Greenpeace International, Kumi Naidoo, in der Sperrzone. Er verwies auch auf die schweren Unfälle in vier Kraftwerksblöcken im japanischen Fukushima, die mit dem Unglück von Tschernobyl vergleichbar seien.

Sarkophag droht einzustürzen

Der provisorisch abgedichtete Reaktorblock von Tschernobyl droht seit Jahren einzustürzen. Ein geschätzt 1,6 Milliarden Euro teurer Sarkophag soll den brüchigen Schutzmantel ersetzen. Unter dem Provisorium aus Stahl und Beton vermuten Experten noch 190 Tonnen hoch radioaktives Material. Auch nach einer internationalen Geberkonferenz in der Vorwoche fehlen noch mehr als 200 Millionen Euro für die Finanzierung des Jahrhundert-Projekts.

(sda)