Burma

24. Juni 2008 17:53; Akt: 24.06.2008 18:00 Print

138 000 Tote und Vermisste durch «Nargis»

Die Militärregierung von Burma hat die Opferzahl des Zyklons «Nargis» erneut nach oben korrigiert.

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Eine Überlebende in Labutta hat Erste Hilfe erhalten. (Bild: Reuters) Überlebende in der am schlimmsten betroffenen Gegend bei Labutta warten auf Hilfe. (Bild: Reuters) Überlebende in Bogalay kämpfen um Trinkwasser. Hilfsmaterial aus Thailand wird von einem Offiziellen am Flughafen von Bangkok ins Flugzeug verfrachtet. Ziel: Burma. Eine ältere Frau in Kun Chan Gone in der Nähe von Yangon wartet auf Hilfe. Satellitenbild von Burma: Das untere Bild zeigt ein Dorf südlich von Yangon im Mai 2002. Oberes Bild nach der Zyklon-Katastrophe. Eine Familie vor dem Nichts: zerstörtes Haus in Bogalay. (Bild: Reuters) Diese Bewohner von Phyar Pon hausen nicht in der Hütte, sonder unter ihr. (Bild: Reuters) Ein Mann vor seiner zerstörten Hütte: U Khai-Hlaing ausserhalb von Labutta. (Bild: Reuters) Luftaufnahme vom Irrawaddy Delta. Luftaufnahme vom Irrawaddy Delta. Überflutete Gegend in Burma. Ein Kind vor der Hütte in Bogalay. Hilfslieferungen aus Bangladesh sind am Flughafen von Yangon angekommen. Hütte bei Bogolay. Familienmitglieder waschen ihre Kleider in einer braunen Brühe. Eine zerstörte Brücke bei Yangon. (Bild: Reuters) Der Zyklon Nargis hat nach einem Bericht des staatlichen Radios am 7. Mai mehr als 22 000 Menschen das Leben gekostet. Und die Zahl der Opfer wird ständig nach oben korrigiert. Im Delta des Irrawaddy-Flusses wurden zahllose Dörfer überschwemmt. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) geht davon aus, dass rund eine Million Menschen ihre Häuser und Wohnungen verloren haben. Satellitenbilder der UN zeigen die Schäden in einem 30 000 Quadratkilometer grossen Gebiet entlang der Andamanensee und dem Golf von Martaban. (Bild oben am 15. April, vor dem Zyklon - Bild unten am 5. Mai) Ältere Einwohner sagten, sie hätten die ehemalige Hauptstadt Rangun mit ihren 6,5 Millionen Einwohnern noch nie so verwüstet gesehen. Uralte Bäume wurden von der Wucht der Orkanböen aus dem Boden gerissen und versperrten Strassen. Mit Äxten und Messern versuchen die Menschen, umgestürzte Bäume wegzuräumen. Verzweifelte Menschen standen für Trinkwasser und Kerzen an, deren Preis sich verdoppelt hat. Hunderttausend Menschen wurden obdachlos. Einwohner von Rangun, denen es gelang, Kontakt zu Verwandten im Irrawaddy-Delta herzustellen, berichteten von verheerenden Zuständen: Manche Dörfer seien dem Erdboden gleichgemacht. In anderen hätten kaum zehn Prozent der Bevölkerung überlebt. Nargis war mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 190 Kilometern pro Stunde über die Stadt Rangun hinweg gerast.

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Nach der neuesten Statistik von Dienstag kamen bei der Naturkatastrophe Anfang Mai 138 000 Menschen ums Leben oder werden noch vermisst.

Bislang hatten die Behörden knapp 134 000 Tote und Vermisste gemeldet. Insgesamt seien 84 537 Menschen ums Leben gekommen, 53 836 Menschen gelten noch als vermisst, sagte der stellvertretende Aussenminister bei einem Treffen der gemeinsamen Arbeitsgruppe zur Abschätzung der Schäden und des Hilfsbedarfs.

Die Arbeitsgruppe will ihren Bericht im Juli in Rangun veröffentlichten. Er soll Grundlage für die Erfüllung der Spendenzusagen der Geberkonferenz Ende Mai in Rangun sein.

Breite Erhebung der Schäden

Nach Angaben des UNO-Büros sind 250 Mitarbeiter mit Fragebögen in die 380 Dörfer des Katastrophengebiets unterwegs, um die Schäden zu quantifizieren. Der Bericht werde in Rangun veröffentlicht und am 21. und 22. Juli auf der ASEAN-Aussenministerkonferenz in Singapur beraten.

«Nargis» war in der Nacht zum 3. Mai über die Südküste Burmas hinweg gefegt. Das tiefliegende Irrawaddy-Delta von der Grösse Österreichs wurde durch hohe Flutwellen in weiten Teilen zerstört. Die Menschen hatten nach eigenen Angaben kaum Schutzmöglichkeiten.

Trotz der grossen Not weigerten sich die Generäle drei Wochen lang, ausländische Helfer ins Land zu lassen. Nur Einheimische durften in das Katastrophengebiet. 2,5 Millionen Bedürftige wurden wochenlang nicht versorgt.

(sda)