Ausländische Presse

11. Dezember 2008 09:59; Akt: 11.12.2008 11:38 Print

«Schweizer Rechte verliert ihren Führer»

Mit der Wahl Ueli Maurers in den Bundesrat hat die Schweiz nach Einschätzungen in der europäischen Presse ihr Regierungssystem gerettet. Uneinigkeit herrscht über Maurers künftige Rolle – und auch über diejenige von Christoph Blocher.

(Video: 20 Minuten Online/dga,mdr)
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Die Schweiz sei «an einem politischen Beben vorbeigeschrammt», schreibt die «Badische Zeitung». «Denn alles andere als die Wahl von Ueli Maurer zum Verteidigungsminister hätte die Regierung handlungsunfähig gemacht.»

Etliche Medien verweisen auf das knappe Wahlresultat. Dennoch ist mit dem Votum auch für «Die Presse» in Österreich das «Schweizer Regierungssystem gerettet»; Blocher «ist nun in der Bundespolitik endgültig weg vom Fenster», ist sie überzeugt. «Die anti-europäische Rechte kehrt in die Regierung zurück, verliert aber ihren Führer», titelt «Il sole/24 Ore» im Internet.

Blocher als Sonntagsredner – aber nicht mehr Machtzentrum

Blocher werde auch künftig nicht ganz ohne Einfluss sein, konstatiert die «Süddeutsche Zeitung». «Als Sonntagsredner wird er weiterhin viel Applaus einheimsen. Aber das Machtzentrum der SVP ist er nicht mehr.»

Für die «Wiener Zeitung» ist klar: «Mit der Wahl Maurers ist die politische Karriere Christoph Blochers beendet, des einstigen starken Mannes der Partei.» Der Entscheid sei «eine Rückkehr zur Konkordanz», titelt das Blatt.

Doch diese Ansicht wird nicht ringsum geteilt. «Wenn es auch nicht Christoph Blocher ist, dann ist es doch sein Bruder», titelt etwa der belgische «Le Soir».

Maurer habe sich «sofort und ausdrücklich» zur Konkordanz bekannt, schreibt die «Badische Zeitung». «Doch was derartige Treueschwüre in der Praxis wert sind, ist noch nicht abzusehen. Auch Christoph Blocher hatte sie einst abgegeben.»

«Ein Bundesrat unter Beobachtung»

Maurer werde «ein Bundesrat unter Beobachtung» sein, schreibt auch «Le Monde» im Internet. Er wisse, dass er bei der nächsten Bundesratswahl gemessen werde. «Wird er die Kollegialität respektiert haben? Wird es sich der Funktion eines Bundesrates würdig erwiesen haben?»

Doch die Wahl Maurers hat laut der französischen Zeitung die SVP-internen Spannungen etwas beruhigt, gar ein «Psychodrama» verhindert.

Unklar ist für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung», wie sich Blocher künftig verhalten wird. Denn «trotz seines glanzlosen Abschieds aus der Bundespolitik gilt er vielen immer noch als die wahre Verkörperung der SVP».


(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • chris am 10.12.2008 19:45 Report Diesen Beitrag melden

    gut so

    eine schande das nicht nur eine partei in der schweiz regieren kann, die an ein Ziel kämpfen. Schön das Ueli Maurer gewählt wurde aber einer reicht noch nicht. Hoffe das die Links-grünen alle aus dem BR fliegen.

  • Werner am 11.12.2008 08:00 Report Diesen Beitrag melden

    Teil II

    Frau wie Calmy-Rey im BR verloren hat. Auch wenn ich die Politik von Calmy-Rey (und Leuenberger) keines wegs billigen kann, so akzeptiere ich, dass auch die Meinung der 2.grössten Partei angemessen im BR vertreten sein soll. Als, die Welt geht nicht unter. Ich wünsche Maurer viel Erfolg!

  • Mathias Birnstiel am 11.12.2008 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Bundesrat auf Bewährung

    "auf Bewährung", wenn ich das schon höre. Ueli Maurer ist kein Knasti, sondern der Vertreter von 30 % der Schweizer Bevölkerung! Nicht " bewährt" haben sich - wenn schon - Leuenberger, Calmy-Rey und Couchepin. Hier gibt's nur eines: Rücktritt, und zwar subito!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Vogler am 14.12.2008 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    Volksschuspieler

    An Ueli Maurer ist der Schweiz ein Volksschauspieler verloren gegangen,er kann jede Rolle spielen,Kriminalkommissar,Bösewicht ,Hassprediger und Staatsmann.Wie einer das in seiner Seele alles zusammenbringt,ist mir ein Rätsel.

  • Grüner Hase am 14.12.2008 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    Überrascht

    Ich bin definitiv kein SVP Anhänger, aber ich muss zugeben dass Maurer gestern in "NZZ Standpunkte" einen mehr als passablen Eindruck gemacht hat. Man sollte mit Urteilen noch warten.

  • zu Recht besorgter Bürger am 14.12.2008 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    2. BR-Sitz, in Aussenpol. mitreden....

    ...und was als nächstes? Herr Maurer möchte Alleinherrscher in der Schweiz sein. Wir haben ihm bereitwillig Tür und Tor für seine machthaberischen Gelüste geöffnet. Wer sieht es immer noch nicht ein? Der soll die Hand erheben.

  • Hans Rudolf Trachsel am 14.12.2008 08:23 Report Diesen Beitrag melden

    Maurer Bundesrat

    Ein Chameleon wurde gewählt. Blocher nimmt den Sieg von BR Maurer als seinen Verdienst an. Er wird wie Brunner/Blocher Blocher /Maurer regieren. BR Maurer wollte nie Bundesrat werden. Warum nimmt er das Amt an? Seine Frau ist von Afrika und er wettert gegen alle Ausländer. Nicht glaubwürdig.

  • Ruedi Jud am 13.12.2008 19:17 Report Diesen Beitrag melden

    Titellos

    Ich denke dass der neue Bundesrat das Vertrauen verdient und das ganze Volk auf seine Zusagen vertraut. Nur so kann unsere Heimat wieder Heimat werden.