Zuppigers Erbsünde

08. Dezember 2011 12:58; Akt: 08.12.2011 15:43 Print

«Die Parteileitung war unglaublich naiv»

von Jessica Pfister - Der Fall Zuppiger wird zum Fall SVP. Parteimitglieder kritisieren die SVP-Spitze scharf, weil diese von den Vorwürfen wusste. Die Nomination sei eine grobe Fehleinschätzung gewesen.

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Hat die Parteileitung der SVP Bruno Zuppigers Geschichte unterschätzt? Christoph Blocher, Toni Brunner und Caspar Baader am Donnerstag im Bundeshaus. (Bild: Keystone)

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Bei der SVP ist nach den Enthüllungen um den Bundesratskandidaten Bruno Zuppiger Feuer im Dach. Dabei geht es nicht nur darum, dass die «Weltwoche» in ihrer aktuellen Ausgabe dem SVP-Bundesratskandidaten die Veruntreuung einer Erbschaft vorwirft, sondern vor allem auch um die Tatsache, dass die SVP-Leitung darüber Bescheid wusste - und Zuppiger dennoch den Segen gegeben hat.

Für SVP-Ständerat This Jenny ist klar, dass die Parteispitze die Fraktion über Zuppigers Erbschaftssünde hätte informieren müssen. «Dann wäre die Nomination wahrscheinlich anders ausgefallen», glaubt Jenny. So ein grobes Vergehen könne nicht einfach als erledigt angesehen werden. «Das war eine völlige Fehleinschätzung der Parteileitung», kritisiert Jenny.

Kam die Information von der SVP?

Ins gleiche Horn stösst Parteikollege Oskar Freysinger. «Ich staune über die unglaubliche Naivität der Parteileitung», sagt er zu 20 Minuten Online. Es sei doch völlig klar, dass Bundesratskandidaten vor einer Wahl von den Medien durchleuchtet werden. «Das hätte man einfach wissen müssen.» Auch für den Zürcher SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi ist klar, dass die Führungsspitze die Angelegenheit unterschätzt hat.

Ein weiteres Fraktionsmitglied, das anonym bleiben will, hegt den Verdacht, dass die ganze Geschichte von Vertretern aus der SVP selbst eingefädelt worden ist. Es sei schon verdächtig, dass die Parteileitung am Mittwoch unmittelbar nach der Vorabmeldung der «Weltwoche» eine Medienmitteilung verschickt - und erst noch in einer deutschen und in einer französischen Version. Normalerweise würde eine Übersetzung doch ein Weilchen dauern.

«Wissen nicht, was Zuppiger gesagt hat»

Der Zürcher SVP-Kantonalpräsident Alfred Heer will nichts von solchen «Verschwörungstheorien» wissen. «Damit würden wir uns ja selber schaden.» Aber auch er ist nicht glücklich darüber, dass die Parteileitung niemanden aus der Fraktion informiert hat. Trotzdem nimmt er die Führungsriege mit Fraktionschef Caspar Baader, Parteipräsident Toni Brunner und Christoph Blocher in Schutz: «Wir wissen nicht, was Zuppiger der Parteileitung genau gesagt hat.» Für Heer liegt die Schuld vor allem bei Zuppiger selbst. «Mit dieser Vorgeschichte hätte er gar nicht erst antreten sollen.»

Auch sein Zürcher Parteikollege Hans Fehr ist der Meinung, dass die Lagebeurteilung der Parteispitze dannzumal richtig gewesen sei. «Heute sieht die Lage vielleicht etwas anders aus.» Eine aktuelle Beurteilung nimmt die SVP-Fraktion ab 13 Uhr an einer ausserordentlichen Sitzung vor. Danach soll informiert werden.

(Mitarbeit: mdr)


Die SVP informiert im Anschluss an ihre ausserordentliche Fraktionssitzung über die Beschlüsse. Die Medieninformation soll ungefähr um 15 Uhr stattfinden, kann sich aber je nach Dauer der Diskussionen auch verzögern. 20 Minuten Online berichtet live.


Das sagt Politexperte Michael Hermann zur Situation rund um SVP-Bundesratskandidat Bruno Zuppiger:

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(Video: Keystone)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ich lache am 08.12.2011 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    lach

    jaja und so einfach kommt man wieder zu einem kanditaten.... ich weiss nicht wie lange die naiven schweizer auf diese svp reinfallen

  • Markus Wälchli am 08.12.2011 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    SVP braucht neue Führung

    Ich finde vieles sehr gut was die SVP macht, jedoch finde ich die Parteileitung als ungeeignet, Toni bleib bei deinen Kühen und Geissen! Will die SVP wieder weiterkommen, muss die Parteileitung unbedingt ausgewechselt werden!

  • Un Glaublich am 08.12.2011 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    Roger in den Bundesrat

    Jetzt demontiert sich die SVP selbst. Ganz ohne die bösen, linken Parteien. Ich frage mich, wie lange wir noch laute Töne von der Brunner, Blocher, Bader usw. hören werden. Wählen wir Roger Köppel in den BR.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roman Bolliger am 08.12.2011 19:00 Report Diesen Beitrag melden

    SVP-System-Fehler!

    Ich beurteile das Verhalten der SVP-Parteispitze nicht als Zeichen "naiver Unterschätzung", sondern als Ausdruck deren rigider und massloser Überheblichkeit und Arroganz. Das ist ein Zeichen (es gibt noch andere) eines tief verwurzelten "SVP-System-Fehlers"!

  • Peter Ringier am 08.12.2011 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    SVP - rote Karte!

    Das Verhalten gewisser SVP-Exponenten ist erneut unakzeptabel. Es wird wissentlich ein Kandidat mit zweifelhaftem Leumund für die Bundesratswahl vorgeschlagen und nachdem der Fall bekannt wird versucht die SVP-Spitze die Sache zu verniedlichen und lanciert zur Entlastung eine "Verschwörungstheorie". Sollte es zutreffen, dass die Indiskretion aus SVP-Kreisen stammt, so zeigt auch das was für ein mieses Spiel diese Partei spielt!

  • PiusMius am 08.12.2011 18:06 Report Diesen Beitrag melden

    Hochmut kommt vor dem Fall.

    Die SVP muss sich gefallen lassen, dass ihre Spitze nicht nur naiv gehandelt, sondern auch ihre Basis enttäuscht hat. Sowas hätte ich nie erwartet. Einfach schade...

  • Ursus am 08.12.2011 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    Naive Parteileitung

    Was heisst hier "war unglaublich naiv". Sie ist es bei der aktuellen Zusammensetzung immer noch und wird es auch bleiben.

  • Paul Buchegger am 08.12.2011 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    Feuer im Dach

    Man wollte halt doch noch schnell eine für die Bundesversammlung "valable" Kandidatur gegen EWS aus dem Hut zaubern und hat in der Eile schludrige Arbeit geleistet. Blocher als faktischer Parteichef, Chefstratege und ungekrönter König der Parteileitung hat versagt und in seiner Selbstherrlichkeit die eigene Fraktion (die ihm ja in seinem Selbstverständnis zu gehorchen hat) in der Entscheidung einfach aussen vor gelassen. Das rächt sich nun und seine Parteiführung wird nun von vielen SVP-Parlamentariern angezweifelt. Da wird ein Flurschaden zurückbleiben.