Klares Brunner-Zitat

15. Dezember 2011 15:51; Akt: 15.12.2011 18:45 Print

SVP wollte gar keinen zweiten Bundesrat

von Désirée Pomper - Toni Brunner gab während der Wahlen die Parole aus, den FDP-Bundesrat Schneider-Ammann zu attackieren. Ziel der aussichtslosen Übung: die SVP als Oppositionspartei zu legitimieren.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Nach der Wiederwahl der BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf soll es die SVP-Parteispitze darauf angelegt haben, keinen zweiten Bundesratssitz zu erobern. Zwischen den Wahlgängen hat Parteipräsident Toni Brunner laut der «Aargauer Zeitung» seinen Leuten zugerufen: «Wir greifen den Sitz von Johann Schneider-Ammann mit Jean-François Rime an. Damit bringen wir die FDP so weit, geschlossen die Sozialdemokraten zu unterstützen. Das legitimiert die SVP als Oppositionspartei. Und die anderen werden als Lügner entlarvt. Die FDP hat uns ihre Unterstützung zugesagt, das Versprechen aber nicht gehalten.» Während Brunner die Textpassagen in der AZ als «nicht richtig und total aus dem Zusammenhang gerissen» bezeichnet, hält der verfassende Journalist an der Aussage fest.

Hat die SVP die FDP also nur deshalb angegriffen, um sich dadurch die Legitimation für einen Gang in die Opposition zu sichern? Und hat sie sich bewusst dafür entschieden, Rime für den Angriff einzusetzen statt Spitzenkandidat Walter, um so das «Risiko» einer Sitzeroberung so klein wie möglich zu halten? «Es ist komisch, dass die SVP nicht mit dem stärksten Pferd im Stall ins Rennen gestiegen ist, wenn sie ja schon einen Frontalangriff startet», sagt Politologe Louis Perron. Die Opposition sei aber sicher die bessere Alternative als Walter im Bundesrat, der der Parteiführung «bloss Kopfschmerzen» bereiten würde. Für die Clique rund um Blocher sei es besser, wenn sie der FDP und CVP die Schuld in die Schuhe schieben und dafür mittelfristig das Protestpotenzial mobilisieren und maximieren könne. Vor den Wahlen vom Mittwoch warnten zudem einige SVPler wie Oskar Freysinger davor, in die «linke Falle zu tappen»: In einer Regierung mit zwei SVP- und einem FDP-Vertreter müssten die beiden SVP-Leute dauernd Position vertreten, die ihnen die SP-BDP-CVP-Mehrheit aufdrücken würden.

Dass die SVP tatsächlich in die Opposition geht, bezweifelt Politologe Perron: «Zwar würde der Wähleranteil durch die Opposition wohl gestärkt. Aber es würde die Partei zerreissen.» Denn die Mehrheit der SVP-Parlamentarier bevorzuge bloss eine Teilopposition. «Die Bundesratswahlen waren der 1. Akt in einem langen, mühsamen Kapitel interner Streitereien», sagt Perron. Die rasche Heilung der Partei könne wohl nur von aussen kommen, etwa durch eine Megakrise im Asylbereich.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • saerri seppi widrig am 16.12.2011 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weg mit Brunner

    Wechselt endlich die Spitze in der SVP aus und die Partei wird wieder glaubwürdig.

    einklappen einklappen
  • Walter Z. am 16.12.2011 06:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geheime Wahlsiegerin

    Meines Erachtens ist die SVP geheime Wahlsiegerin. Jetzt können sie sich einmalmmehr in ihrer "Opferrolle" suhlen und sich beklagen. (Lustig, dass eine Partei, die eidgenössische Werte vertreten will, gerne Opfer spielt, aber lassen wir das.) so können sie ihre Wãhler mobilisieren wie nie zuvor. Vermutlich werden sie versuchen, die Ditektwahl des BR nach amerikanischem Vorbild einzuführen. (Überrashend: xenophobe Partei will amerikanisches Wahlsystem?) Ich möchte zu bedenken geben, dass die SVP die Konkordanz selbst gebrochen hat, als sie Widmer-Schkumpf ausgeschlossen haben.

  • Konkordanz und Zauberformel am 16.12.2011 00:08 Report Diesen Beitrag melden

    Kindergarten

    Kann mir jemand erklären, warum die sie SVP den restlichen Parteien unterstellt, sich nicht an die Konkordanz zu halten? Wenn ich mich nicht täusche, waren es doch sie, die 2003 die Zauberformel (Blocher statt Metzler) auflösten und vier Jahre später die Konkordanz aufhoben (Ausschluss von Widmer-Schlumpf aus SVP). Ich verstehe die Arroganz nicht, warum jetzt alle anderen die Verräter sind, man selber die ganze Verunsicherung ausgelöst hat und eine Politik führt, die den Frieden in der Schweiz nicht schürt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Urs Meisteerhans am 16.12.2011 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    Die haben doch 2

    Die SVP hätte einen zweiten Bundesratssitz wenn sie die EWS nicht zur Partei ausgeschlossen hätten. Selber schuld.

  • Walter Z. am 16.12.2011 06:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geheime Wahlsiegerin

    Meines Erachtens ist die SVP geheime Wahlsiegerin. Jetzt können sie sich einmalmmehr in ihrer "Opferrolle" suhlen und sich beklagen. (Lustig, dass eine Partei, die eidgenössische Werte vertreten will, gerne Opfer spielt, aber lassen wir das.) so können sie ihre Wãhler mobilisieren wie nie zuvor. Vermutlich werden sie versuchen, die Ditektwahl des BR nach amerikanischem Vorbild einzuführen. (Überrashend: xenophobe Partei will amerikanisches Wahlsystem?) Ich möchte zu bedenken geben, dass die SVP die Konkordanz selbst gebrochen hat, als sie Widmer-Schkumpf ausgeschlossen haben.

  • saerri seppi widrig am 16.12.2011 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weg mit Brunner

    Wechselt endlich die Spitze in der SVP aus und die Partei wird wieder glaubwürdig.

    • Urs Meisteerhans am 16.12.2011 14:20 Report Diesen Beitrag melden

      Weg mit Brunner?

      Aber nicht nur Brunner. Auch Blocher, Bader und Mörgeli z.B.

    einklappen einklappen
  • Mr. Aninym am 16.12.2011 05:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Werdet mal ne Runde objektiv...

    Frau Schlumpf ist eine sehr kompetente lösungsorientierte Bundesrätin. Dies rechtfertigt ihre Wiederwahl, Punkt. Die Rennleitung der SVP "stämpfelt" indes rum wie ein Kleinkind; nur noch peinlich und beschämend sowas. Aber statt eigene Fehler einzugestehen wird das neu gelernte Fremdwort K... ich kanns nimmer hören.... so oft verwendet wie noch nie. Mal ehrlich: Im Bundesrat zählen die Köpfe und nicht die Parteien und ihre Fraktionen.

  • Jörg Hofer am 16.12.2011 05:07 Report Diesen Beitrag melden

    Steuergelder

    Dieses Theater hat jetzt wieder soviel Steuergelder gekostet.. und konstruktiv hat es das Land nicht weitergebracht, ich finde das nicht in Ordnung, sorry!