10. September 2008 09:45; Akt: 10.09.2008 11:08 Print

Versenkt der LHC die Erde in einem Schwarzen Loch?

CERN-Kritiker befürchten, dass im LHC Schwarze Löcher erzeugt werden, die die Welt verschlucken könnten.

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Physiker am CERN: Werden Schwarze Löcher erzeugt? (Bild: FABRICE COFFRINI)

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Eine Gruppe um Biochemie-Professor Otto Rössler will deshalb die Versuche gerichtlich verbieten lassen. Die CERN-Physiker halten das für absurd.

Seit Wochen sorgen Rössler und seine Mitstreiter mit ihren Warnungen für Schlagzeilen. Die meisten Zeitungsartikel, die in letzter Zeit zum CERN und dem neuen Teilchenbeschleuniger LHC publiziert wurden, gehen auf Rösslers Kritik ein.

Dies umso mehr als Rössler vor zwei Wochen am Menschenrechtsgerichtshof in Strassburg eine Klage einreichte und verlangte, dass das Gericht in einer einstweiligen Verfügung die Inbetriebnahme des LHC verbietet.

«Alberne Diskussion»

«Die ganze Diskussion ist völlig albern und absurd», urteilt David Gross, Physiknobelpreisträger aus dem Jahr 2004, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur dpa. Wären die Befürchtungen berechtigt, hätte die Katastrophe längst stattfinden müssen, argumentiert er.

Denn, so Gross: «Die Erde und der Mond sind noch da, obwohl es Kollisionen kosmischer Teilchen gibt, die noch viel energiereicher sind.»

Das betont auch der zum Jahresende abtretende CERN- Generaldirektor Robert Aymar: «Der LHC ist der stärkste Teilchenbeschleuniger auf der Erde, aber das Universum hat noch viel stärkere. Der LHC wird uns ermöglichen, unter Laborbedingungen zu untersuchen, was die Natur längst macht.»

«Wilde Spekulation»

Der Professor für theoretische Physik Wilfried Buchmüller vom Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY), dem deutschen Teilchenbeschleuniger in Hamburg, bezeichnet Rösslers Annahmen in einem Interview mit der dpa als «wilde Spekulation».

«Am LHC ist nichts fundamental anders als an früheren Beschleunigern», erklärt er. Die Frage nach Schwarzen Löchern hätte schon bei HERA in Hamburg, beim Tevatron in den USA oder bei LEP in Genf gestellt werden können.

Bei den von Rössler ins Feld geführten Schwarzen Löchern gehe es um sogenannte «Mini Black Holes», also «Mini-Schwarze-Löcher». Das sei aber etwas ganz anderes als die Schwarzen Löcher, die wir aus Relativitätstheorie und Astrophysik kennen. Die Bezeichnung sei leider irreführend. Der Name mache sich eben gut, wenn man eine wissenschaftliche Publikation schreibe, sagt Buchmüller.

«Bekannte Schwarze Löcher haben sehr grosse Massen, einige Dutzend bis viele Millionen Mal so viel wie die Sonne. Der hier gemeinte theoretische Quantenzustand entspricht dagegen eher einer Art Elementarteilchen.» Die Idee sei im Übrigen nicht neu. Aber die führenden Fachleute seien sich nach wie vor nicht einig, ob sich so etwas überhaupt erzeugen lasse.

Viele Unbekannten

Indes räumt Buchmüller ein, dass man nicht wisse, was geschehen würde, wenn dennoch kleine Schwarze Löcher entstehen sollten. «Welche Eigenschaften sie hätten, falls es sie überhaupt gibt, weiss man nicht», sagt er.

Dass sie sich verhalten könnten wie Schwarze Löcher, sei lediglich eine Annahme. Aber selbst wenn sie zutreffe, würden die «Mini Black Holes» wahrscheinlich in Sekundenbruchteilen wieder zerfallen, weil sie die Masse, die sie verschlucken, wahrscheinlich gleich als Energie wieder abstrahlen.

Aus Sicht von Rössler reicht allein diese Unsicherheit, dem Experiment bis zur Klärung dieser Fragen ein vorläufiges Ende zu setzen. Strassburg ist ihm dabei zumindest im Moment nicht gefolgt und hat die einstweilige Verfügung abgelehnt. Über die eigentliche Grundrechtsbeschwerde hat das Gericht noch nicht entschieden.

(sda)