FAIR

04. Oktober 2010 16:22; Akt: 02.12.2011 16:42 Print

CERN bekommt einen kleinen Bruder

In Darmstadt entsteht der neue Teilchenbeschleuniger FAIR. Forscher wollen damit herausfinden, was eine Tausendstelsekunde nach dem Urknall geschah.

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Der Teilchenbeschleuniger FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research/Anlage fuer Antiprotonen- und Ionenforschung) entsteht in Darmstadt. (Bild: Keystone)

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Neun teilnehmende Staaten - darunter Deutschland, Frankreich und Indien, Polen, Rumänien und Russland - unterzeichneten am Montag in Wiesbaden einen Vertrag über Bau und Betrieb des Forschungszentrums in Darmstadt. Mit Kosten von rund einer Milliarde Euro ist die Anlage eines der grössten Forschungsprojekte in Deutschland.

Der 1,1 Kilometer lange kreisförmige Beschleuniger steht künftig auf dem Gelände des GSI-Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung. Während derzeit etwa 3000 Wissenschaftler in 40 Ländern die Anlage planen, soll der eigentliche Tiefbau im Herbst 2011 beginnen. Deutschland stellt drei Viertel des Geldes bereit.

Grösster Projektpartner in Russland, das in Geld, Forschungs- und Sachleistungen 178 Millionen Euro beisteuert. Viele der drei Tonnen schweren Magnete des Beschleunigers sollen in russischen Labors entwickelt und gebaut werden, sagte GSI-Sprecher Ingo Peter.

Antimaterie und dunkle Materie

Durch FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research/Anlage für Antiprotonen- und Ionenforschung) wollen die Experten Neues zur Entstehung des Universums und zum inneren Aufbau der Materie erfahren.

FAIR sei wie ein kleinerer Bruder des 27 Kilometer langen Teilchenbeschleunigers CERN bei Genf, erläuterte Peter. Bei CERN errichten die beschleunigten Teilchen höhere Geschwindigkeiten und im Aufprall höhere Temperaturen. «In Genf kommen wir dem Urknall schon sehr nahe.»

FAIR solle dagegen erforschen, was in der tausendstel Sekunde nach dem Urknall und seitdem geschah, sagte Peter. «Unser Ziel ist nicht höhere Geschwindigkeit. Wir wollen schwerere Teilchen und mehr davon aufeinanderprallen lassen.»

Davon erhofften sich die Forscher Aufschlüsse über verschiedene Arten von Materie, zum Beispiel Antimaterie oder die unerforschte dunkle Materie: «Im Universum steckt noch viel unbekanntes Zeug.»

(sda)