Tony Blair

07. Juni 2010 15:23; Akt: 07.06.2010 16:39 Print

Ein Freund der Familie Gaddafi?

Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair soll als Berater für den libyschen Staatschef Muammar al-Gaddafi tätig sein. Dies behauptet dessen zweitältester Sohn.

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«Tony Blair hat ein hervorragendes Verhältnis zu meinem Vater», sagte Saif al-Islam Gaddafi, der als prowestlich geltende Sohn des Revolutionsführers, der in Grossbritannien studiert hat und als «Thronfolger» gilt, in einem Interview mit der Zeitung «Daily Mail». Der britische Ex-Regierungschef sei ein «persönlicher Freund der Familie» und als Berater für den rund 100 Milliarden Franken schweren Staatsfonds Libyan Investment Authority (LIA) tätig, so Gaddafi junior. Blair habe Libyen seit seinem Rücktritt 2007 «viele, viele Male» besucht.

Tony Blair habe «das Recht, Geld zu verdienen», verteidigte Saif al-Islam Gaddafi den früheren Premierminister. Seit seinem Rücktritt hat der Labour-Politiker zahlreiche lukrative Beratermandate angenommen, die ihm laut «Daily Mail» rund 30 Millionen Franken eingebracht haben. Sein Sprecher betonte gegenüber der Zeitung, Tony Blair habe «keinerlei Beziehung zur LIA oder zur libyschen Regierung». Allerdings soll er mehrere Firmen beraten, die auf einen Anteil an den gigantischen Öleinnahmen Libyens hoffen.

Lockerbie-Deal

Blairs Beziehung zu Gaddafi begann 2004 mit einem Besuch beim Revolutionsführer, bei dem der damalige Regierungschef lukrative Ölverträge für die Firmen BP und Shell aushandelte. Im Gegenzug unterzeichnete er ein Abkommen über die Rückführung von Gefangenen, das letztlich zur Freilassung des mutmasslichen Lockerbie-Attentäters Abdel Basset al-Megrahi im letzten August geführt haben soll. Offiziell erfolgte sie aus gesundheitlichen Gründen, wobei Saif al-Islam Gaddafi hinter den Kulissen eine wichtige Rolle spielte.

Kritiker sehen in Blairs angeblicher Libyen-Connection einen Interessenkonflikt mit seiner Rolle als Sondergesandter des Nahost-Quartetts. «Blair sollte mehr Zeit mit dieser Tätigkeit verbringen, statt seine Verbindungen zur Gaddafi-Familie auszunutzen», sagte der konservative Unterhaus-Abgeordnete Daniel Kawczynski der «Daily Mail». Für die Schweiz allerdings könnten Blairs Beziehungen interessant werden, wenn sich die Affäre Göldi über dessen für 12. Juni geplante Entlassung aus dem Gefängnis hinzieht. Letzte Woche jedenfalls war Tony Blair am Swiss Economic Forum in Interlaken zu Gast.

(pbl)